Umfragen und Interviews
Regelmäßig befragen wir Experten und Studierende zu ihrer Meinung rund um Hochschul- und Berufsthemen. Lesen Sie hier die Interviews und Umfragen.
Da half nur eins: Oropax
Ob in einer WG, im Wohnheim, mit dem Partner oder noch bei den Eltern: Im Studium wohnt es sich auf verschiedene Arten. Und jede ist mit ganz speziellen Fallstricken und Erlebnissen verbunden. Wir haben bei Studierenden nachgefragt und sind auf verschwundene Teekannen, schiefe Betten und Oropax gestoßen.
Der ganz normale WG- Wahnsinn: Mit fünf Mädels unter einem Dach
Magdalene Paul (22) Universität Frankfurt, Theologie und Philosophie
Ach, was hielt ich das damals für einen coolen Gedanken, in eine WG zu ziehen, am Anfang meines Studiums.
Wohngemeinschaft, fünf Mädels – Zickenterror vorprogrammiert! Am Anfang gestaltete sich das WG-Leben auch noch sehr lustig. Im Sommer Partys, gemeinsame Ausflüge und über Jungs lästern und abends schön zusammen kochen. Mädels wissen einfach wie man sich fühlt. Spätestens in der Klausurphase ist es mit der Idylle vorbei. Hier fehlt die Glühbirne, da ist der Staubsauger kaputt und keiner hat Zeit sich darum zu kümmern. Ehe man sich versieht, geht man genervt in sein Zimmer und will mit der Person „next door“ nichts mehr zu tun haben. Schlimmer wird’s, wenn die geliebte Teekanne von der Oma einfach mal so ein Stockwerk höher zieht, ohne dass man vorher gefragt wurde.
Bei fünf Mädels ist das nicht immer einfach, aber Kommunikation ist dann letzten Endes das A und O. Wenn man darüber spricht, dass die Eine schon wieder die ganze Spüle mit ihrem Geschirr vollgemüllt hat, dann ist das ein befreiendes Gefühl und man kann seinem Ärger Luft machen.
Mein Fazit: Eine WG ist schön und gut, aber mit FÜNF Mädels kann das auf Dauer auch ganz schön anstrengend werden.
Da half nur eins: Oropax
Sabrina Fischer (25), Universität Giessen, Angewandte Fremdsprachen und Wirtschaft
In meinen fünf Jahren Studium habe ich zwei Wohnformen für mich ausprobiert. Die ersten vier Jahre habe ich mit meinem damaligen Freund zusammen gewohnt. Dadurch dass wir beide in unterschiedlichen Städten studierten, hatten wir uns entschieden, eine Wohnung in der Mitte zwischen unseren Studienorten zu suchen. Jeden Morgen pendelte ich also etwa eine Stunde bis zur Uni – und auch wieder zurück. Dieses Zusammenleben hatte durchaus seine Vorteile: Ich war selten alleine. Ich teilte Miete, Küche und Pflichten und hatte auch die Freiheiten eines eigenen Reiches.
Allerdings gab es auch ein paar Nachteile. Durch die Pendelei und die enge Verbundenheit mit meinem Freund ging ich abends selten weg und unternahm auch weniger mit meinen Freunden aus der Uni. Meistens lernten wir nachmittags nach der Uni zusammen oder trafen uns alle paar Wochen mal fürs Kino oder ähnliches.
Aber das „wirkliche“ Studentenleben lernte ich erst in meinem letzten Studienjahr kennen, als mein Freund und ich uns trennten und ich in meinen Studienort in eine WG zog. Meine Zeit drängte bei der Wohnungssuche und so sagte ich der ersten WG zu, die mir eine positive Nachricht gab. Mein Zimmer war normal groß, etwa 16 m² und mit mir lebten noch vier Studierende in der Wohnung. Wir teilten uns zwei Badezimmer und eine Küche, und damit auch Waschmaschine und Trockner.
Es stellte sich bald heraus, dass es sich um eine reine Zweck-WG handelte. Die drei Jungs wohnten schon seit drei Jahren zusammen und waren sehr gut befreundet, das andere Mädchen war eher eigenbrötlerisch. Da ich durch meine vorherige Studienzeit auch schon meinen eigenen Freundeskreis hatte, beschränkte sich unser Kontakt auf das Nötigste. Wenn wir uns in der Küche begegneten, tauschten wir Höflichkeiten aus und unterhielten uns auch mal. Große Absprachen gab es nicht, irgendwie regelte sich das Meiste von alleine. WG ist also nicht gleich WG, und gerade für mich war diese Zweckgemeinschaft eher von Vorteil.
Einen großen Nachteil gab es aber natürlich auch: Ich kannte die Jungs eben nicht so gut, dass ich während meiner Prüfungsvorbereitung nachts um 12 Uhr drüben klopfen konnte und fragen, ob sie das Singstarspielen vielleicht auf den nächsten Tag verlegen wollten. Da half dann nur eins: Oropax.
440 Euro für 9 Quadratmeter in Dublin – mehr Komfort bei den Eltern
Gloria Knorr (24), Universität Frankfurt, Wirtschaftswissenschaften
Als ich mein Studium in Frankfurt aufgenommen habe, war für mich klar, dass ich zu Hause wohnen werde. Dies hatte mehrere Gründe. Erstens fehlen mir momentan die finanziellen Mittel, um nach Frankfurt zu ziehen. Zweitens ist Frankfurt keine typische Studentenstadt, in der ich das Gefühl habe, etwas verpassen zu können, wenn ich nicht dort lebe. Und drittens ist mein Heimatort nicht weit entfernt. Dank Semesterticket komme ich also schnell und günstig in die Uni oder abends zu Parties.
Über das Leben bei den Eltern kann ich mich im Großen und Ganzen auch nicht beschweren. Ich lebe dort sehr selbstständig und habe alle Freiräume der Welt. Außerdem ist mein Zimmer überdurchschnittlich groß, was das ganze natürlich angenehmer macht.
Und in der stressigen Klausurenphase genieße ich es, wenn ich doch noch ein wenig von meiner Mutter unterstützt werde. In diesen Phasen kümmert sie sich gerne um meine Wäsche oder bekocht mich, damit ich Zeit zum Lernen habe. Aber auch nur in diesen Phasen.
Mit all diesem Komfort war mein Auslandssemester in Irland ein echter Kulturschock. Da meine Kommilitonen und ich leider keinen Platz im Studentenwohnheim bekommen konnten, mussten wir uns auf dem freien Wohnungsmarkt umschauen. Die Wohnungen bzw. Zimmer, die wir uns in Dublin angesehen haben, waren alle sehr klein, alt und unglaublich überteuert. Ich habe für ein 9qm Zimmer in einem Familienhaus, in dem man Bad und Küche mit allen anderen teilen musste, 440€ pro Monat gezahlt. Schreibtisch, Kleiderschrank und Bett waren selbstgezimmert und dadurch krumm und schief. Aber dafür waren die Hausbesitzer sehr nett und eine Kommilitonin aus Frankfurt hatte im selben Haus ein Zimmer angemietet. Diese Zeit hatte also schon fast etwas WG-ähnliches.
Zurück in Deutschland war die Freude dann aber groß, wieder in ein frisch renoviertes und geräumiges Zimmer einzuziehen.
Einmal weg von zu Hause und man weiß, was für ein Top-Manager die Mama sein muss
Yasemin Sayilirbas (22), Universität Giessen, Angewandte Fremdsprachen und Wirtschaft
Bei den Eltern ist es zwar am bequemsten, jedoch muss man irgendwann auch mal das warme Nest verlassen, um auf eigenen Beinen laufen zu lernen. Einmal weg von zu Hause und man weiß, was für ein Top-Manager die Mama sein muss, Arbeit, Haushalt und Familie unter einen Hut zu kriegen.
Im Wohnheim lernt man die verschiedensten Menschen mit unterschiedlichen familiären Hintergründen, Kulturen und Persönlichkeiten kennen. Dies kann oft für Reibereien sorgen, jedoch ist es die beste Art und Weise, soziale Kompetenzen wie Toleranz, Respekt, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und so viel mehr zu erlernen oder auszubauen.
Eine der schönsten Wohnformen ist die WG mit Freunden, denn was wünscht man sich mehr als den Alltag mit Personen zu verbringen, mit denen man harmoniert. Immer gibt es jemanden, mit dem man Freud und Leid teilen kann.
Es ist toll, seine eigene Wohnung zu haben, sein eigenes Reich, das man selber verwaltet und in das man sich zurückziehen kann. Dabei kann ich es auch nur sozial ausgelasteten und gut beschäftigten Leuten empfehlen, alleine zu wohnen, da man ansonsten das Zusammensein mit anderen doch vermisst.
Das Zusammenwohnen mit dem Partner halte ich für eine tolle Chance, sich auf einer sehr intensiven und persönlichen Ebene kennenzulernen.


