Umfragen und Interviews
Regelmäßig befragen wir Experten und Studierende zu ihrer Meinung rund um Hochschul- und Berufsthemen. Lesen Sie hier die Interviews und Umfragen.
Stellen Sie sich bitte vor!
Vorstellungsgespräche sind aufregend. Deshalb ist es gut zu wissen, wie es anderen ergangen ist. Manchmal ist alles halb so wild: Wir haben Studierende und Berufseinsteiger gefragt, welche Erfahrungen sie in Vorstellungsgesprächen gemacht haben. Was zum Schmunzeln ist auch dabei.
Vorstellungsgespräche verlaufen oftmals anders als gedacht. Statt in einem nervenaufreibenden Stressinterview, das Sie vielleicht befürchtet haben, finden Sie sich plötzlich in einem lockeren Kennenlerngespräch wieder. Beide Seiten müssen sich vortasten und ergründen, ob es passt. In Bewerbungsratgebern finden Sie oft lange Listen von möglichen Fragen. Wir haben Studierende einfach selbst nach ihren Erfahrungen gefragt, wobei auch Überraschendes zu Tage kam. Eine freiberufliche Unternehmensberaterin, die einen Assistenten gesucht hat, zauberte im wahrsten Sinne des Wortes ein Kaninchen aus dem Hut – oder besser gesagt: Sie holte es aus dem Stall und während des Gesprächs hoppelte es dem verdutzten Bewerber um die Füße herum. Dieser ließ sich nicht irritieren und bekam den Job.
So skurril geht es nicht immer zu. Lesen Sie nach, wie andere ihren Auftritt gemeistert haben.
Vorstellungsgespräch im Clownskostüm – nicht zum Nachmachen
Katrin Hofmann, 27, Diplom-Betriebswirtin, heute Marketing-Managerin bei der Deutschen Bildung
Ich war auf dem Weg nach Köln, um Karneval zu feiern, als mein Telefon kurz vor Bonn klingelte und mich der Geschäftsführer einer Agentur im Raum Frankfurt anrief, in der ich meine Berufsausbildung machen wollte.
Er gab mir eine positive Rückmeldung zu meiner Bewerbung und fragte mich, wie spontan und flexibel ich sei – schließlich verlange das die Werbebrache. Geantwortet habe ich natürlich. „Sehr spontan und total flexibel!“ Daraufhin lud er mich zu einem persönlichen Gespräch ein – in einer Stunde! Auf dem Weg nach Köln zu sein, um Karneval zu feiern, war offensichtlich kein guter Grund, um einen anderen Termin zu vereinbaren.
Seine Reaktion auf meinen Versuch, den Termin zu verlegen, verriet mir, dass ich mich schleunigst auf den Weg machen sollte, wenn ich den Job wirklich haben möchte.
Also drehte ich um und fuhr zurück nach Frankfurt. Ich kam gerade pünktlich in der Agentur an, hatte aber keine Gelegenheit, mich für ein Vorstellungsgespräch passend umzuziehen; ich hatte ja auch nichts Entsprechendes dabei. Jeans und Pulli mussten reichen. Was sollte mein Ansprechpartner denn auch erwarten. Ich war da, ich war pünktlich. Ich bewies, wie unglaublich spontan und flexibel ich war.
Das Gespräch an sich lief super. Doch dann kam eine Frage, die mich völlig aus dem Konzept brachte: "Frau Hofmann, denken Sie nicht, dass Sie für ein Vorstellungsgespräch nicht etwas legere gekleidet sind?"
Was für eine doofe Frage. Ich überlegte nicht lange und bot an, zu meinem Auto zu gehen, um das Clownskostüm anzuziehen, dass ich im Koffer hatte. Dieses sei die einzige Alternative zu meinem Outfit.
Oh je, ob das zu frech war? Mein Ansprechpartner starrte mich entsetzt an. Und plötzlich lachte er – ja ich hatte Glück, dass er selbst ein Fan der fünften Jahreszeit war – und wünschte mir viel Spaß in "Kölle2.
Wahrscheinlich war das die Art Spontaneität und Flexibilität, die er den Bewerbern abverlangte.
Drei Tage später hatte ich die Zusage für den Job.
Unverhofft kommt oft: über die Spontaneität von Personalverantwortlichen
Sabrina Gewehr, 26, Diplom-Betriebswirtin, betreut heute das Guidance-Programm bei der Deutschen Bildung
Sommersemesterferien hieß zu Diplomzeiten noch fast drei Monate Freizeit! Natürlich wollte ich die Zeit nutzen und im Rahmen eines Praktikums die Luft der Berufswelt schnuppern. Es gab zahlreiche Stellenausschreibungen, die Chancen standen also gut. Über meinen FH-Verteiler habe ich ein Stellengesuch für den Bereich Personal/Vertrieb bekommen, das mein Interesse sehr geweckt hat. Glücklicherweise hatte das Unternehmen seinen Sitz fast direkt gegenüber meiner Studenten-WG – wir waren quasi Nachbarn. Laut Stellenausschreibung sollten die Unterlagen postalisch eingereicht werden. Ich habe also sofort eine Bewerbungsmappe fertig gestellt.
Ich hatte nun die Wahl:
- Direkt neben dem Unternehmensgebäude gab es eine Poststelle, ich frankiere den Umschlag mit 1,45 Euro und schmeiße den Brief ein.
- Ich schmeiße den Umschlag direkt in den Briefkasten des Unternehmens.
- Ich gebe meine Bewerbung persönlich ab.
Ich habe mich dann für Möglichkeit Drei entschieden. In einem Ratgeber habe ich mal gelesen, dass es eigentlich positiv ankommt, wenn man persönlich auf der Matte steht. Außerdem hätte sich der Personaler wahrscheinlich gewundert, wenn er Post aus der Nachbarschaft bekommen hätte.
Also betrat ich mit meiner Bewerbungsmappe unter dem Arm das Büro des Unternehmens. Sicherlich könnte ich die Mappe am Empfang abgeben und wieder gehen. So aber nicht in diesem Fall. Ich wurde gebeten, Platz zu nehmen und einen Augenblick zu warten. Mir wurde sogar etwas zu Trinken angeboten. Auf ein Vorstellungsgespräch war ich ehrlich gesagt nicht eingestellt. Nach wenigen Minuten bat mich die Empfangsdame in das Zimmer des Personalverantwortlichen. Oh nein, ich bin doch gar nicht passend angezogen und entsprechen vorbereitet – ich wollte doch nur meine Mappe kurz abgeben. Aber da musste ich nun durch. Der Personalleiter wollte keine Zeit verlieren, und wenn ich schon mal da sei, könnte man sich ja kurz unterhalten. Und so war es dann auch. Er hat mit mir ein Vorstellungsgespräch geführt. Ich sollte zum Beispiel erläutern, warum ich das Praktikum machen möchte und was mich an dem Tätigkeitsbereich anspricht. Dann hat er mir noch erklärt, was auf mich zukommen würde und wie die Arbeitsabläufe aussehen. Wir haben uns einfach nett unterhalten und gegenseitige Erwartungen abgeklopft. Wirklich knifflige Fragen wurden mir nicht gestellt – zum Glück!
Ein paar Tage später habe ich ein Anruf bekommen und es wurde mir mitgeteilt, dass sie sich für mich entschieden haben.
Vielleicht war es ein Vorteil, dass das Gespräch spontan stattgefunden hat und ich mich somit nicht im Vorfeld schon verrückt machen konnte. Sicherlich konnte ich durch mein persönliches Erscheinen glänzen – bei diesem Unternehmen jedenfalls kam das gut an.
Überraschende Fragen bei der Bewerbung um einen Medizin-Studienplatz
Iris Stoler, 27, CampusScout bei der Deutschen Bildung, studiert Medizin in Berlin
Vor knapp sechs Jahren wurde ich zu einem Gespräch eingeladen, das über meinen Werdegang entscheiden sollte. Überflüssig zu erwähnen, dass ich etwas aufgeregt war. Ich hatte mir schon einige Überlegungen gemacht, was mich wohl erwarten würde, wer mich in Empfang nehmen und befragen würde und natürlich, welche Fragen auf mich zu kommen. Müsste ich schon halber Mediziner sein, um das Fach überhaupt studieren zu dürfen, sollte ich ein Überflieger in Biologie und Chemie sein etc. etc. etc. Die Fragen, die dann kamen, waren allerdings überraschend:
Ich hatte vor dem Gespräch einen Bogen abgeben müssen, der meinen bisherigen Lebenslauf wiedergab, mich also praktisch schon einmal vorstellte. Ich hatte schon einige Erfahrungen in der ersten Hilfe gesammelt, was mir wahrscheinlich Pluspunkte einbrachte, aber wichtiger waren den Ärzten, die mir die Fragen stellten, was ich sonst so in meinem Leben machte. So wurde ich beispielsweise zu meinem längeren Aufenthalt in einem Kibbuz befragt, was ich für Hobbys hätte oder zur Stellung des Arztes in Camus' Roman "Die Pest". Aber auch ein wenig Allgemeinbildung wurde abgeklopft, zum Beispiel der Einfluss der UN auf das aktuelle politische Geschehen und mehr. Das Gespräch verlief also anders als erwartet, hatte ich doch eher mit fachlichen Fragen gerechnet. Als schon einige Zeit vergangen war, kam es zu einer der letzten Fragen: "Ein Arzt muss häufig schnell Entscheidungen treffen - Nennen Sie mir bitte einige wichtige Entscheidungen in ihrem Leben." Nach einigen Überlegungen fiel mir glücklicherweise auch dazu etwas ein, und ehe ich mich versah, lächelten mich die "Prüfer" freundlich an und beendeten das Bewerbungsgespräch mit den Worten "Gut, vielen Dank, Sie werden von uns hören". Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit verging, aber eines Tages fand ich endlich einen Brief von der Charité im Kasten. Mit Herzklopfen öffnete ich den Umschlag und konnte es kaum glauben - ich hatte den Studienplatz!
"Es war eher eine angenehme Unterhaltung, bei der sich beide Seiten etwas besser kennen gelernt haben."
Lisa Tippner, 22, CampusScout bei der Deutschen Bildung, studiert International Cultural and Business Studies in Passau
Als Studierende ist man es ja gewohnt, Praktika zu machen und dazu gehört, für gewöhnlich, natürlich auch eine Bewerbung und eventuell ein Vorstellungsgespräch. Bis jetzt habe ich an zwei Vorstellungsgesprächen teilgenommen und ich kann sagen, dass beide gut verlaufen sind.
Als mein erstes Vorstellungsgespräch bevor stand, war ich ein wenig aufgeregt und vor allem gespannt, da ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Ich habe mich davor gründlich über die Organisation informiert und habe mich bei Freunden umgehört, die bereits ein solches Gespräch hinter sich hatten. Auch im Internet gibt es nützliche Informationen zu einem Vorstellungsgespräch und so habe ich mir auf mögliche Fragen schon vor dem Gespräch ein paar Antworten zurecht gelegt oder hatte zumindest eine Ahnung, was ich antworten könnte. Mir ist es sehr wichtig, nicht total unvorbereitet und ahnungslos in ein Gespräch zu kommen, schließlich will man das Unternehmen von sich überzeugen und da finde ich Vorbereitung oder zumindest etwas Ahnung sinnvoll und wichtig.
Im Endeffekt habe ich mir mein erstes Vorstellungsgespräch viel schlimmer vorgestellt, als es eigentlich war. Es war eher eine angenehme Unterhaltung, bei der sich beide Seiten etwas besser kennen gelernt haben. So habe ich etwas von mir erzählt; berichtet, warum es mir besonderen Spaß machen würde, in dieser Organisation zu arbeiten und welche Erfahrungen ich in diesem Bereich bereits sammeln konnte. Auch ich habe von dem Gespräch profitiert, denn es ist ja nicht nur dazu da, selbst ausgeleuchtet zu werden, sondern auch mögliche Fragen oder Zweifel gegenüber dem Unternehmen auszuräumen und beantwortet zu bekommen. Deshalb halte ich Vorstellungsgespräche für sinnvoll und wichtig – sowohl für den Bewerber als für das Unternehmen.


