Infos rund um Bachelor und Master
In diesem Info-Center stellen wir Ihnen Beiträge zu den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen zur Verfügung.
Alle wollen den Master
Eigentlich dachten die Hochschulreformer, die Mehrzahl der Bachelor-Absolventen würde den Arbeitsmarkt stürmen. Falsch gedacht: Die meisten wollen den Master dran hängen. Das CampusBarometer 2009 bestätigt diesen Trend. Wie ist diese Entwicklung einzuschätzen?
76 Prozent der Studierenden möchten an den Bachelor den Master anschließen. Dieses Ergebnis brachte das CampusBarometer 2009 hervor – ein Trend, der sich auch in anderen Umfragen bestätigt hat. Plan der Kultusminister war es jedoch, dass die Mehrheit der Absolventen mit dem berufsqualifizierenden Bachelor in das Arbeitsleben startet. Strukturell ist es also gar nicht vorgesehen, dass die Mehrheit den Master macht. Hochschulen müssen deshalb filtern und lassen sich Auswahlkriterien einfallen.
Werden Studierende ausgesiebt?
Dass vor allem die Noten entscheiden, liegt nahe. Studierende bangen möglicherweise um ihre Chancen, wenn ihnen ein Masterstudiengang nicht garantiert ist. „Viele Studenten fühlen sich ausgesiebt“, bestätigt Anja Gadow, Vorstandsmitglied im Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften, in der FAZ. „Es ist ungerecht, dass Studenten, die beispielsweise neben dem Studium jobben müssen und dann schlechtere Noten haben, die Chance auf Master und Karriere verwehrt wird.“ Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit.
In manchen Fachrichtungen wird nur der Master ernst genommen
In manchen Studiengängen ist die Sorge wirklich berechtigt. „Der berufsqualifizierende Abschluss ist für uns der Master“, sagt der Darmstädter Maschinenbauprofessor Manfred Hampe in der FAZ. Die Inhalte des Studiums seien in der kurzen Zeit des Bachelorstudiengangs nämlich nicht zu vermitteln. Aus diesem Grund garantiert sein Fachbereich jedoch allen interessierten Bachelor-Absolventen einen Masterstudiengang. Selbstverständlich ist dieses Vorgehen jedoch nicht.
Aber ist der Master wirklich die einzige Karriere-Garantie? Nein. Die Fachrichtung scheint in dieser Frage eine wichtige Rolle zu spielen. Außerdem entscheidet nicht allein die Art des Studienabschlusses über berufliche Chancen.
Chancen auch mit dem Bachelor
Laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sind rund zwei Drittel der Unternehmen mit den gestuften Studiengängen zufrieden. Studierende der Fachhochschule Düsseldorf haben die Chancen von Bachelor- und Masterabsolventen des Studiengangs „Kommunikations-, Multimedia- und Marktmanagement“ direkt verglichen. Heraus kam: Fast alle befragten Unternehmen haben bislang sowohl Bachelor- als auch Masterabsolventen eingestellt. Unterschiede im Umgang mit ihnen gibt es kaum. In neun von zehn Unternehmen werden die Absolventen beider Abschlüsse im Bewerbungsprozess gleich behandelt. Auch bieten zwei Drittel der Unternehmen keine schlechteren Aufstiegsmöglichkeiten für Bachelorabsolventen. Zwei von drei Unternehmen differenzieren auch bei den Einstiegsgehältern nicht zwischen den Abschlüssen. Entscheidender sei hingegen die Praxiserfahrung: Zwei Drittel der von der Fachhochschule Düsseldorf interviewten Unternehmen sehen die praktischen Erfahrungen gefolgt von der Abschlussnote als das wichtigste Kriterium an, während die Art des Hochschulabschlusses nur noch von jedem Achten für sehr wichtig gehalten wird. Die Düsseldorfer Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass der Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventen sich noch im Umbruch befindet.
Auch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft belegt, dass beide Abschlussarten bislang Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt finden. Und laut einer CHE-Untersuchung für das Fach BWL hält es die Mehrheit der Professorinnen und Professoren für sinnvoll, wenn Bachelorabsolventen nach dem Abschluss erst einmal Berufserfahrung sammeln, bevor ein Masterstudium aufgenommen wird.
Studierende wollen nicht nur für den Beruf qualifiziert werden
Aus Perspektive des Arbeitsmarktes besteht also nicht auf ganzer Linie Grund zur Unruhe. Denn nicht in allen Fachrichtungen ist man ohne Master automatisch aufgeschmissen. Aber es sind auch gar nicht die Karrierehoffnungen allein, die Studierende dazu bewegen, den Master zu absolvieren. Es scheinen auch individuelle Ansprüche an das Studium zu sein, die der Bachelor oft nicht befriedigen kann. Auch das zeigt die aktuelle Studie des CHE. Nur wenige glauben, dass sie mit ihrem BWL-Bachelor-Abschluss keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben – und trotzdem empfinden sie den Bachelor als nicht ausreichend.
Dieses Ergebnis kann als klares Signal gewertet werden, dass Studierende vom Studium eben mehr als nur Berufsqualifizierung erwarten. Vielleicht haben die Reformer hier eine Rechnung ohne die Studierenden gemacht?


