Infos rund um Bachelor und Master

In diesem Info-Center stellen wir Ihnen Beiträge zu den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen zur Verfügung.

Bacheloritis: Reform der Reform

Die Süddeutsche Zeitung warnte vor einem neuen Leiden: Bacheloritis. Wirkung zeigte bisher kaum ein Mittel. Doch nun wollen sich die Hochschulrektoren dem Virus annehmen, der im Sommer viele Studierende in den Bildungsstreik treten ließ. An der Studienreform soll nachgebessert werden, zu deren zehntem Geburtstag kaum jemand fröhlich gratulieren mag. Ob nun die Heilung winkt oder nur eine Mutation des Virus droht, bleibt abzuwarten.

Viele Studierende mögen den Geburtstag der Bologna-Reform nicht mitfeiern. Denn Leistungsdruck, Prüfungsangst, Stress und Studienabbruch sind die unangenehmen Symptome, von denen eine Vielzahl der Studierenden, die in einem Bachelor-Studiengang studieren, betroffen ist. So viele, dass die Studienreform die ansonsten wenig protestfreudige Studierendengeneration im Sommer sogar zu Demonstrationen auf die Straßen gebracht hat. „Der Druck hat zugenommen“, sagt Achim Meyer auf der Heyde vom Deutschen Studentenwerk in Berlin in der Süddeutschen Zeitung. Die Angst vor dem Versagen sei gewachsen. Das zeigt sich in den psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke, die seit Ausbruch der Bacheloritis einen deutlich stärkeren Zulauf verzeichnen.

Diagnose: Zwar gibt es Unterschiede in den Fachrichtungen, aber allgemein sind die Bachelor-Studiengänge schlichtweg überfrachtet. In manchen Fächern wurde der gleiche Stoff auf weniger Semester zusammengepresst. Vielerorts ist die Umstellung auf die neuen Studiengänge übers Knie gebrochen worden. Studienanfänger kommen sich in der immer noch währenden Umbruchphase oft wie Versuchskaninchen vor.

Nachbesserungen geplant
Die Kultusministerkonferenz räumt nun Fehler ein und plant Nachbesserungen. Die Wissenschaftsminister der Länder bereiten Korrekturen vor. Besonders bei der Zahl der Prüfungen und der Fülle des Stoffs möchten sie die Studierenden entlasten. Eine Idee ist, die Bachelor-Studiengänge teilweise auf sieben oder acht Semester zu verlängern. Erste statistische Auswertungen haben nämlich darauf hingedeutet, dass der Anteil der Studienabbrecher in den neuen Studiengängen zu hoch ist. Höher nämlich, als in Zeiten der Magister- und Diplomabschlüsse. In Rheinland-Pfalz soll nun zum Beispiel festgelegt werden, dass es nicht zu viele kleinteilige Prüfungen gibt. Auch soll den Studierenden mehr Wahlfreiheit im Studienplan eingeräumt werden. Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) sagte, dass der Bachelor studierbarer gemacht werden müsse. Der Abschluss müsse aufgewertet werden, damit er auch wirklich berufsqualifizierend sei.

Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) betonte, dass es auch auf die finanzielle Ausstattung ankommt. Kleinere Lerngruppen und eine bessere Betreuung der Studierenden sind wirksame Mittel gegen Studienabbruch.

Der Deutsche Hochschulverband, der mit mehr als 24.000 Mitgliedern die Interessen vieler Professoren vertritt, sprach von jährlich drei Milliarden Euro, die den deutschen Hochschulen fehlten. Der Verbandspräsident Bernhard Kempen wandte sich mit klaren Worten an die Kultusminister. „Statt betulicher Nachbesserungsrhetorik ist jetzt beherztes Zupacken notwendig.“

Doch viele Studierende müssen sich hier und jetzt mit der stellenweise noch unausgegorenen Reform arrangieren. Was können sie gegen Stress und Überforderung tun?

Tipps gegen Bachelor-Druck
Ein ganz zentraler Tipp ist, sich die Probleme einzugestehen und vor allem zu sehen, dass es sehr vielen Studierenden nicht anders ergeht als einem selbst.  Hilfreich können auch Lerngruppen sein, in denen man sich nicht nur über den Stoff austauscht, sondern auch über Organisation und Probleme des Studiums. Meyer auf der Heyde rät Studierenden auch, Kurse zu Zeitmanagement und Prüfungsvorbereitung wahrzunehmen, um bei vollen Stundenplänen den Überblick zu behalten.

Ein wesentlicher Punkt ist eine geeignete Studienfinanzierung. Bachelor-Studierende sollten dieses Thema rechtzeitig angehen, damit sich zum Leistungsdruck nicht auch noch Finanzierungsdruck gesellt. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach denkt derzeit jeder dritte Studierende über einen Studienabbruch nach. Drei Viertel der akut Betroffenen geben vor allem Probleme mit der Studienfinanzierung an.

Als Notlösung ist es nicht verwerflich, manche Veranstaltungen in einem späteren Semester nachzuholen, auch wenn sich das Studium dadurch etwas verlängert. Hier sollten Studierende jedoch ganz genau hinschauen, bei welchen Veranstaltungen das möglich ist und ob die damit verbundene Verlängerung des Studiums an der jeweiligen Hochschule mit der Studienordnung harmoniert.

Bevor man über einen gänzlichen Studienabbruch nachdenkt, bietet sich auch ein Fach- oder Hochschulwechsel als Möglichkeit an. Ein klarer Schnitt ist gerade zu Anfang des Studiums eine legitime Lösung, nur zu lange damit warten sollte man besser nicht.

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