Infos rund um Bachelor und Master
In diesem Info-Center stellen wir Ihnen Beiträge zu den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen zur Verfügung.
Bologna-Frust: Was muss verbessert werden?
Das haben wir Studierende verschiedener Fachrichtungen zu den neuen Studiengängen gefragt. Die Antworten verdeutlichen auf breiter Linie die Unzufriedenheit. Fast jeder Befragte stört sich an anderen Aspekten der reformierten Studiengänge. Die Meinungen sind zwar nicht repräsentativ, aber sprechen dennoch für sich.
"Reduktion der Prüfungsleistungen"
"Aus meiner Sicht ist das Ziel der Bologna-Reform, eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu erzielen, leider nicht geglückt. Studienordnungen sind innerhalb Deutschlands, einzelnen Universitäten und in meinem Fall sogar innerhalb von Fakultäten unterschiedlich. Auch ein Studienortwechsel ist mit Einführung des Bachelors erschwert worden, da sich Studiengänge, auch wenn sie den gleichen Namen tragen, inhaltlich oft unterscheiden. Eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse ist somit nur formell gegeben. Mehr Mobilität und Transparenz durch den Bachelor zweifle ich daher an.
Eine Verlängerung der Regelstudienzeit und die Reduktion von Prüfungsleistungen in den einzelnen Modulen halte ich für dringend notwendig.
In der vorlesungsfreien Zeit, den „Semesterferien“, hat man Seminararbeiten zu schreiben und soll noch Praktika absolvieren. Zeit zum Durchatmen bleibt dabei kaum. Dass immer wieder beklagt wird, gesellschaftliches Engagement fehle den heutigen Studierenden, wundert mich nicht. Aufgrund der straffen Studienpläne wird auch der altruistischste Student irgendwann zum homo oeconomicus."
Anne Vornholz*, 23, BA Staatswissenschaften, Universität Passau
"Eine Verlängerung auf sieben Semester könnte sinnvoll sein"
„Dem Bachelor-Absolventen wird in der Arbeitswelt leider noch mit Skepsis begegnet und oft werden Diplom- oder Magisterabsolventen bevorzugt. Der Zugang zum Master sollte daher allen Bachelor-Absolventen ermöglicht werden, die ihn anstreben. Hierfür müssen ausreichend Masterplätze zur Verfügung gestellt werden. Es sollte zudem für mehr Akzeptanz und gegen eine Abwertung des Bachelors geworben werden.
Ich finde die neuen Studiengänge sehr verschult. Es gibt zu wenige Wahlmöglichkeiten und wenn sie bestehen, sind sie aufgrund geringer Teilnehmerzahlen oft nicht umsetzbar. Wahlmodule kommen nicht immer zustande oder aber sind völlig überlaufen. Das Lehrangebot sollte außerdem praxisnäher gestaltet werden. Die Module sind teilweise zu sehr in sich abgeschlossen, so dass interdisziplinärer Transport erst in höheren Semestern möglich ist.
Im Prinzip sind sechs Semester ausreichend für den vorgegeben Lernstoff, doch wenn mehr Praxis integriert wird, könnte eine Verlängerung auf sieben Semester sinnvoll sein, gerade im Bezug auf die Bachelorarbeit. Praktika sind gut und sinnvoll, doch zum Teil utopisch und nicht realisierbar, da viele Firmen Anforderungen stellen, die nicht bedient werden können. Das betrifft zum einen die Wunschdauer von zwei bis drei Monaten, die nur in den Sommersemesterferien verwirklicht werden kann, die aber gleichzeitig mit dem Workload des Semesters belegt sind. Weiterhin möchten viele Firmen erst Studierende nach dem vierten Semester, und hier ist die Zeit noch knapper als am Anfang, weil es schon stark auf das Ende zugeht und die Abschlussarbeit vor der Tür steht.
Auch die Hochschulpolitik leidet sehr unter der Verkürzung und Reglementierung der Bachelorstudiengänge. Ämter können nicht langfristig aufgebaut und besetzt werden, AStA, Senat und Studentenparlament leiden unter der ständigen Fluktuation. Gremien werden dadurch gelähmt. Die studentische Selbstverwaltung verliert an Gewicht. Auch fachbereichsinterne Strukturen kämpfen um Aktive, die dann wiederum schon vor Amtsantritt wissen, wann sie ihr Amt wider niederlegen müssen. Unter den kurzen Perioden leiden Qualität, Nachhaltigkeit und Leistungsbereitschaft erheblich. Auch die Lehrenden bemängeln diesen ständigen Wechsel und fehlende Ansprechpartner.
Gut ist, dass die Langzeitstudierenden so kaum noch Plätze belegen können und damit motivierte Studierende von ihrem Ziel abhalten können."
Dorith Heitmann, 26, Gesundheitsmanagement, Hochschule Fulda
Der Bachelor ist gerade in den Wirtschaftswissenschaften besser auf dem Arbeitsmarkt akzeptiert. Wir haben einige Meinungen von angehenden BWLern gesammelt. Auch ihr Eindruck ist durchwachsen.
„Also ich bin ziemlich zufrieden - ich komm super klar hier in Frankfurt. Nach längerem Nachdenken hätte ich nur einen Vorschlag: Ich würde gern in früheren Semestern schon wählen können. Die ersten drei Semester sind hier für alle gleich, aber mehr stört mich wirklich nicht. Ich finde das System ganz gut durchdacht.“
Henrik Beckmann, 21, Wirtschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt
„Ganz großes Problem: Es wird keine Zeit für ein Praktikum eingeplant und der Übergang in den Masterstudiengang ist auch zeitlich ziemlich problematisch gestaltet. Der Student muss die BA-Thesis bis zu einem gewissen Termin, der oftmals mit den letzten Klausuren kollidiert, angefangen haben, um noch in den Master wechseln zu können.“
Sebastian Müller*, BWL, Doktorand an der JLU Giessen
„Aufgrund des straffen Bachelor-Studiums ist es nur sehr schwer möglich, ein sechsmonatiges Praktikum zu machen. Ich würde mir wünschen, dass in diesem eigentlich sehr praxisorientierten Bachelor-Studium (im Vergleich zum Diplom) ein Praxissemester fest integriert würde.
Meiner Meinung nach sollte auch an staatlichen Universitäten ein stärkerer Fokus auf Fremdsprachen gelegt werden. Gerade im Studiengang BWL sollte hier kein Wettbewerbsnachteil im Vergleich zu privaten Hochschulen entstehen bzw. weiter bestehen.“
Kathrin Urbild, 21, BWL, JLU Giessen
„Leider werden an den meisten Hochschulen vom ersten Semester an alle Klausuren bewertet und gehen somit auch in die Endnote des Bachelor-Abschlusses ein. Studierende haben somit kaum eine Chance, sich in das Studium einzuleben. Anders als die Studierenden der alten Studiengänge werden viele Bachelor-Studierende auf diese Weise von anfänglichen Fehltritten im Abschluss eingeholt.
Thomas Hrubenja, 24, BWL, JLU Giessen
„Der Bachelor ist insgesamt verbesserungsbedürftig. Aber am meisten nervt es mich, dass die Vergleichbarkeit, die dieser Abschluss bringen sollte, nicht gegeben ist. Das heißt, dass beim Hochschulwechsel nach wie vor das Problem besteht, dass jede Uni ihren eigenen Studienverlaufsplan hat und somit die Prüfungen untereinander nicht unbedingt anerkannt werden. Ähnlich ist es beim Auslandssemester.“
Jacqueline Becker, 22, Wirtschaftswissenschaften, TU Dortmund
„Mehr Flexibilität in der Lehrplanung wäre schön. Wenn ich im dritten Semester eine Klausur nicht bestehe, muss ich sie im fünften nachholen, weil alles nur einmal im Jahr angeboten wird. Will ich aber im fünften Semester ins Ausland, habe ich ein Problem mit meiner Studienplanung. Ich würde mir deshalb wünschen, dass es weniger Pflichtfächer gibt und dafür mehr Wahlfächer.“
Stefan Ferrara, 22, Wirtschaftswissenschaften, Universität Hamburg
*Name auf Wunsch geändert


