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Generation Praktikum?

Studienabschluss in der Tasche und doch nur von Praktikum zu Praktikum? Dieses Phänomen gehört zum Schlagwort „Generation Praktikum“, das einst die ZEIT mit einem Artikel geprägt hat. „Generation“ suggeriert eine breite Betroffenheit. Hierzu haben Studien längst Entwarnung gegeben. In der Wirtschaftskrise könnte das Phänomen jedoch Aufwind bekommen. Ein aktueller Blick auf die Generation Praktikum.

2007 sah es so aus, als seien Praktika nach dem Studienabschluss zum Normalfall geworden. 37 Prozent der Hochschulabsolventen absolvierten mindestens ein Praktikum, das durchschnittlich sechs Monate dauerte. Dazu war die Hälfte der Praktika unbezahlt. Wenn ein Praktikum überhaupt vergütet wurde, dann mit durchschnittlich 600 Euro. Das zeigte eine Studie der FU Berlin, die von der DGB-Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Kein Wunder, dass zwei Drittel der Praktikanten von ihren Eltern finanziell unterstützt werden müssen. 40 Prozent müssen das Praktikum außerdem mit Nebenjobs vereinbaren. Keine Situation, mit der sich der Lebensunterhalt so leicht bewältigen lässt – aber teilweise Normalität unter Hochschulabsolventen. „Praktika nach dem Studium sind eine Form der Übergangsarbeitslosigkeit“, resümierten die Forscher damals in der Süddeutschen Zeitung. Die vorübergehende Arbeitslosigkeit nach dem Studium hat zugenommen. Praktika scheinen bei Absolventen hier eine beliebte Notlösung zu sein im Sinne von „besser als nichts“. Die Angst vor der berühmten Lücke im Lebenslauf ist ebenso groß wie die Hoffnung, vielleicht doch übernommen zu werden. Genau das führt zu der Entwicklung, dass manche Unternehmen, Kultureinrichtungen und Redaktionen sich auf das Angebot der gut ausgebildeten Praktikanten schon längst eingestellt haben. Eine Weiterbeschäftigung ist eher Glückssache: Nach den Zahlen von 2007 erhält nur ein Drittel der postuniversitären Praktikanten ein Beschäftigungsangebot, welcher Art auch immer. Eine Chance kann es dennoch sein und darin liegt vielleicht der Reiz für Hochschulabsolventen, sich gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten darauf einzulassen. „Klassisch gehören Praktika in die Zeit während des Studiums. In Ausnahmefällen können Praktika nach dem Abschluss dennoch sinnvoll sein, wenn die gewünschte Branche oder das gewünschte Unternehmen gerade nicht einstellen kann. Hier gilt es aufzupassen, dass es fair ist und keine falschen Tatsachen vorgetäuscht werden“, sagt Anja Hofmann, Geschäftsführerin der Deutschen Bildung.

Unbezahlte Praktika oft in Medien, Kunst und Kultur

Aber: Nicht alle Fachrichtungen sind vom Phänomen der Praktika nach Studienabschluss gleichermaßen betroffen. Besonders hart trifft es vor allem die Geistes- und Sozialwissenschaftler. Von ihnen macht jeder zweite Absolvent nach dem Abschluss erst einmal ein oftmals unbezahltes Praktikum. 41 Prozent dieser Arbeitsverhältnisse finden sich im Bereich Kultur, Medien und Kunst. Im wirtschaftlichen Bereich – Handel, Banken, Industrie - liegt der Wert bei unter einem Prozent.

Die „Generation Praktikum“ lässt sich also nicht verallgemeinern und wurde durch andere Studien auch schon als Mythos entlarvt. Und doch taucht das Schlagwort in Zeiten der Wirtschaftskrise plötzlich wieder häufiger auf. Die billigen Arbeitskräfte könnten anderen Akademikern den Markt ruinieren: Das befürchtet die Süddeutsche Zeitung wieder brandaktuell. Zwar setzen sich Politiker wie Olaf Scholz schon länger dafür ein, dass Akademiker nicht wie Praktikanten behandelt werden, wenn sie eigentlich wie regulär Beschäftigte funktionieren – den Gewerkschaften zufolge seien solche Bemühungen bislang aber wenig erfolgreich gewesen. „Aus unserer Sicht ist das nach wie vor ein Problem“, sagte Rene Rudolf vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Berlin. Auch Bettina König von der Berliner Initiative „Fairwork“ befürchtet eine kommende Verschärfung des Problems. „Wenn Jobs rar sind, tun gerade Berufsanfänger einiges, um eine Stelle zu ergattern“, sagte König gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Klare gesetzliche Regelungen, die eine Ausbeutung verhindern, gibt es bisher nicht. Lediglich freiwillig können Unternehmen sich verpflichten und sich beispielsweise zur „fair company“ bekennen.

Fair Company – eine Selbstverpflichtung von Unternehmen

Mehr als 1.000 Unternehmen bezeichnen sich in Praktikums-Fragen als fair company. In der Praxis bedeutet das, dass keine Vollzeitstellen durch Praktikanten, vermeintliche Volontäre oder Hospitanten ersetzt werden. Fair companies ködern Hochschulabsolventen auch nicht mit der vagen Aussicht auf eine Vollzeitstelle und bieten Praktika sowieso vornehmlich zur Orientierung während der Ausbildungsphase an. Gezahlt wird als Minimum eine angemessene Aufwandsentschädigung. Es lohnt sich also, nach diesem Gütesiegel Ausschau zu halten.

Wie sich das Problem der Praktika nach Hochschulabschluss im Jahr 2009 weiter entwickelt, bleibt abzuwarten. Dass das Phänomen konjunkturellen Schwankungen unterworfen ist, haben die Forscher der FU Berlin bereits herausgefunden. Ob sich im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise bereits die „Nachfolgegeneration Praktikum“ herausbilden wird, wird sich zeigen. Wie schlimm sieht es überhaupt aus und welche Möglichkeiten haben Hochschulabsolventen im Jahr 2009 außerdem? Lesen Sie dazu unseren Artikel „Studienabschluss mitten in der Wirtschaftskrise: und dann?“.

 

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