Job und Karriere

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"Mitreden können ist das Motto"

Muss der tüftelnde Ingenieur wissen, wer Nietzsche war? Wir haben die Chefredakteurin des Staufenbiel Karrieremagazins gefragt, welchen Stellenwert Allgemeinwissen im Berufsleben hat und in welchen Jobs und Situationen es ganz besonders darauf ankommt. Worauf muss man sich im Bewerbungsprozess gefasst machen? Und was können Studierende tun, um ihr Allgemeinwissen aufzufrischen und auszubauen? Lesen Sie das Interview mit Stefanie Zimmermann.

Frau Zimmermann, welche Rolle spielt Allgemeinbildung im Berufsleben? Allgemeinbildung kann im Arbeitsleben nie schaden. Wenn sie aber fehlt, dann kann das in bestimmten Berufen schädlich sein. Gerade bei engem Kundenkontakt, in Beratungsberufen und in der Dienstleistungsbranche ist eine gute Allgemeinbildung wichtig. Ob Small Talk, Beratung oder Verhandlung – Kundengespräche gelingen mit einem gewissen Hintergrund einfach besser. Mitreden können ist hier das Motto. Es gibt aber natürlich auch Bereiche, da interessiert nur das Fachwissen und nicht wer Nietzsche war.

Inwiefern werden Kenntnisse der Allgemeinbildung in Bewerbungsprozessen geprüft?
Häufig kommen im Vorstellungsgespräch Fragen, die das Allgemeinwissen auf die Probe stellen. Manche Unternehmen setzen aber auch Tests im Bewerbungsprozess ein, um die Allgemeinbildung zu prüfen. Das kann ein Online-Test oder auch ein Test vor Ort sein. Unternehmensberatungen und Banken etwa machen davon Gebrauch – und natürlich müssen angehende Journalisten ihr Wissen unter Beweis stellen. Das sind dann zum Teil sehr anspruchsvolle Tests.

Welche Erfahrungen machen Personalverantwortliche hierbei?
Manche von ihnen kritisieren, dass selbst vermeintliches Basiswissen nicht vorhanden sei. Die Klage über mangelnde Allgemeinbildung gibt es aber nicht erst seit Einführung der Bachelor-Studiengänge, aber sie wird nun noch lauter. Da stimmen Lehrer, Hochschullehrer und Personaler einen gemeinsamen Chor an.

Würden Sie Allgemeinbildung als eine Schlüsselqualifikation ansehen oder als völlig selbstverständliche Voraussetzung?
Ein gewisses Maß an Allgemeinbildung sollte meiner Ansicht nach selbstverständlich sein. Natürlich kann man nicht alles wissen, aber die Basics – auch in der Tagespolitik – sind ein Muss. Alles Weitere kann mit der Zeit kommen.

Glauben Sie, dass die Effizienz der neuen Studiengänge stärker zum fachlichen Tunnelblick verführt? Oder setzt dieses Problem schon früher an?Es klingt ja fast schon wie ein Klischee: Studenten haben keine Zeit mehr – weder für ein Buch, das nicht zur Unilektüre zählt, noch für politisches, gesellschaftliches oder kulturelles Engagement. Natürlich ist es da verlockend, fleißig und schnell Punkte zu sammeln und sich auf das Fachliche zu konzentrieren. Die Allgemeinbildung muss aber nicht auf der Strecke bleiben. Es gibt ja auch genug Studenten, die zeigen, dass es doch noch geht. Das Problem setzt tatsächlich schon früher an, nämlich in den Schulen. Schließlich ist ja auch die Gymnasialzeit reduziert worden, sodass insgesamt noch weniger Zeit für die allgemeine Bildung bleibt.

Welchen Rat geben Sie Hochschulabsolventen und Studierenden, um ihre Allgemeinbildung zu verbessern?
Wer nachhaltig etwas für seine Allgemeinbildung tun möchte, sollte am besten täglich Nachrichten verfolgen. Online gibt es die schnelle Nachricht und in Zeitungen und Zeitschriften erhalten Leser den Hintergrund zu den News. Lesen Sie Bücher, die nicht nur mit dem eigenen Fach zu tun haben – auch Romane. Oft lässt sich Allgemeinbildung auch beiläufig sammeln: Im Gespräch mit Menschen, die in ganz anderen Bereichen tätig sind oder sich für andere Dinge interessieren. Das funktioniert übrigens auch besser, als sich Wälzer wie „Was Sie unbedingt wissen müssen, um mitreden zu können“ vorzunehmen. Was einen interessiert, merkt man sich einfach besser als auswendig gelernte Fakten.

Frau Zimmermann, herzlichen Dank für das Interview!

Stefanie Zimmermann ist Redaktionsleiterin beim Karriereverlag Staufenbiel Media GmbH in Köln und Chefredakteurin des Staufenbiel "Karrieremagazin". Sie hat nach ihrer Ausbildung am journalistischen Seminar der Johannes Gutenberg Universität in Mainz viele Jahre als freie Wirtschaftsjournalistin und Autorin, u. a. für den "Wirtschaftsjournalist", die "Wirtschaftswoche", "BIZZ" und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet. Sie hat einen Lehrauftrag für Content Management  im Studiengang Medienwirtschaft an der Hochschule Fresenius in Köln.

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