Job und Karriere
Lesen Sie von aktuellen Trends aus dem Berufsleben. Alles rund um den Berufseinstieg, Bewerbungen und Karrierethemen finden Sie in diesem Info-Center.
Vom Hörsaal ins Büro
Nicht jeden stürzt der Übergang ins Berufsleben gleich in eine Sinnkrise. Aber die Phase zwischen Studium und Berufsalltag gehört zu den großen Veränderungen im Leben. Man nimmt Abschied vom Lebensabschnitt des Studiums und muss sich unter völlig neuen Bedingungen zurechtfinden. Nicht immer verläuft dieser Übergang elegant und reibungslos.
Die Süddeutsche Zeitung nannte dieses Phänomen in einem Beitrag „Die Job-Metamorphose“. Auf der linken Seite von drei Fotopaaren sind jeweils lockere Studierende zu sehen, wie sie leger, grinsend und etwas zerzaust in die Kamera schauen. Bilder, wie man sie massenweise bei StudiVZ findet. Auf der rechten Seite hat derselbe Mensch eine Metamorphose vollzogen. Ordentliche Frisur, Business-Kleidung, souveräner Blick, gefühlte zehn Jahre älter. Bilder, wie man sie eher bei XING findet.
Job-Metamorphose
Die optische Verwandlung wird von einem innerlichen Prozess begleitet, die Metamorphose betrifft die ganze Persönlichkeit. Wird die Zeit des Studiums oft noch als verlängerte Jugend gesehen, kommt mit dem Berufsleben das Bekenntnis zum Erwachsenenleben. Zeit, sich darauf gefasst zu machen, bleibt wenig. Deshalb wälzen sich viele Hochschulabsolventen auch von der so genannten Quarterlife-Crisis gebeutelt nachts schlaflos im Bett herum. Es gilt, dem Leben eine neue Richtung zu geben, mehr Verantwortung zu übernehmen, neue Prüfungen auf relativ unbekanntem Terrain zu bestehen. In gewisser Weise fängt man wieder ganz von vorne an – nach den anstrengenden Abschlussprüfungen ist das erst einmal eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung. Unsichere Jobaussichten und die Wirtschaftskrise kommen als Angst machende Faktoren hinzu, obwohl Hochschulabsolventen verschiedenen Studien zufolge langfristig hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.
Alles unter einen Hut bekommen
Mit dem Eintritt in das Berufsleben müssen junge Menschen ihre Rolle neu definieren. Was sind eigentlich die entscheidenden Veränderungen? Mehr Geld, weniger Freunde und häufiger Rückenschmerzen. So beschrieb die Süddeutsche Zeitung die Job-Metamorphose und bringt damit plakativ den neuen Lebenswandel auf den Punkt. Der Übergang vom Studium zum Beruf sei ein Paradigmenwechsel. Besonders der Umgang mit der Zeit ändert sich radikal. War die Zeiteinteilung im Studium noch von vielen Freiheiten geprägt, ist der Rhythmus im Berufsleben stark von außen vorgegeben. Oft bleiben nur kleine, fest definierte Zeitfenster offen, um seine Freizeit zu gestalten oder alltägliche Erledigungen zu machen. Ausschlafen fällt aus. Bei vielen bleibt der Kühlschrank erst einmal leer, Rechnungen bleiben liegen und Freunde warten länger auf einen Rückruf, nachdem sie auf die Mailbox gesprochen haben. Alles unter einen Hut bekommen: Diese Herausforderung ist im Berufsalltag meistens noch größer als im Studium.
Positiv finden viele Berufseinsteiger, dass die knapp bemessene Freizeit wenigstens frei von einem schlechten Gewissen ist. Im Studium gibt es immer etwas, was noch zu lernen oder vorzubereiten ist. Das lässt Studierende oft kaum los, zumal theoretisch immer noch intensiver und noch länger gelernt werden könnte. Vielleicht kennen Sie im Studium auch das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein? Im Berufsleben gibt es – eine klassische Festanstellung vorausgesetzt – dagegen meist echte Feierabende und Wochenenden, wobei es hier natürlich branchentypische Unterschiede gibt. Viele Berufseinsteiger finden das sehr positiv. Die Freizeit können sie auf einmal mehr genießen.
Auch, dass man in der Regel schnelle Ergebnisse erzielt und dazu eine Rückmeldung bekommt, erleben Berufseinsteiger oft als sehr motivierend. Die Anstrengungen des Studiums sind dagegen eher langfristig angelegt und vollbrachte Leistungen dienen mehr dem Nachweis im Studienplan, als einer konkreten Sache. Auch das ändert sich im Berufsleben um 180 Grad. Auch sind die Aufgaben oftmals kleinteiliger und bunter – das intensive Brüten über Büchern und Seminararbeiten hat ein Ende, es sei denn, Sie landen in der Forschung. Die neue Arbeitsstruktur stellt damit auch neue Ansprüche an Selbstorganisation und Zeitmanagement. Hinzu kommen Herausforderungen im zwischenmenschlichen Bereich. Seine Lerngruppe konnte man im Studium noch selbst wählen. Die neuen Kollegen nicht.
Verantwortung tragen
Berufseinsteiger müssen plötzlich auf vielfältige Weise Verantwortung übernehmen. Im Studium ist man überwiegend für sich selbst und sein Vorankommen verantwortlich. Im Job sind es auch Kollegen, Vorgesetzte, Geschäftspartner und Inhalte, für die man zumindest teilweise Verantwortung trägt. Das Handeln im Job hat Konsequenzen, die einen nicht nur persönlich betreffen. Klassisch Festangestellte müssen auch eine Organisation repräsentieren und in ihrem Sinne agieren. Diese Status-Änderung kann am Anfang einschüchtern. Ein Referat an der Uni hat einen anderen Stellenwert als die Präsentation für ein Unternehmen. Viele glauben, im Job gleich perfekt funktionieren zu müssen, während man sich als Studierender oder als Praktikant noch Pannen erlauben durfte.
Der Einstieg in das Berufsleben krempelt das Leben ganz schön um. Sich dessen bewusst zu sein hilft, eventuell auftauchende Probleme etwas gelassener zu sehen und mit sich selbst nicht allzu streng zu sein. Das berücksichtigen in den allermeisten Fällen auch Vorgesetzte und Kollegen.


