Job und Karriere
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Von falschen Versprechungen bis Top-Unterstützung
Praktikum ist nicht gleich Praktikum. Das zeigen auch unsere beiden Erfahrungsberichte. Von exzellenter Betreuung in einem Großunternehmen bis hin zum Ködern mit falschen Jobaussichten in einer TV-Produktion ist alles möglich. Zwei junge Frauen berichten aus der Welt der Praktika.
Sylvia Schneider (26), Studierende der Betriebswirtschaftslehre, Universität Giessen
Im August 2008 startete ich mein 6-monatiges Praktikum im IT-Controlling bei der BMW Group in München. Ich studiere am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität in Giessen und wollte endlich erkunden, ob und inwieweit meine theoretischen Kenntnisse im Schwerpunktfach Controlling in der Praxis zu gebrauchen sind. Es stellte sich schnell heraus, dass ich auch in meinem dritten Praktikum mein Wissen aus dem Studium nicht direkt anwenden konnte. Trotzdem und auch wenn ich noch nie etwas mit IT oder dergleichen zu tun hatte, hat mir das Praktikum großen Spaß gemacht. Das lag sicherlich auch an der Abteilung und meinem Betreuer. Alle haben mich sofort im Team aufgenommen und in die Abteilung integriert. Auch wenn ich mich zu Beginn in der Organisation dieses Großunternehmens erst einmal orientieren musste – schon alleine die „BMW-Sprache“ ist ein Abenteuer – hatte ich mich dabei nie alleine gefühlt. Ich machte die Erfahrung, dass nicht nur die Kollegen aus der eigenen Abteilung, sondern auch andere BMW-Mitarbeiter mir stets auf alle Fragen geduldig und ausführlich geantwortet haben und mich nie als „kleine Praktikantin“ abgestempelt haben.
Zu meinen Tätigkeiten zählten zum Beispiel tägliche Routine-Aufgaben wie die Erstellung von Präsentationen oder die Auswertung von Daten. Meine Grundkenntnisse in Excel konnte ich dabei ausbauen, in der Nutzung von PowerPoint wurde ich besser und auch wenn sie in jedem Unternehmen sehr verschieden sind, lernte ich einiges über spezielle SAP-Anwendungen. Dabei konnte ich bei Fragen jederzeit auf meinen Betreuer zugehen oder auch andere Kollegen um Rat bitten. Durch kürzere Projektarbeiten, dem Präsentieren von Ergebnissen und der eigenständigen Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, auch im Ausland, konnte ich einige wichtige Schlüsselqualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit, Sprachkompetenz und Eigenverantwortung ausbauen, mich aber auch in einer gewissen Konflikt- und Kritikfähigkeit üben.
Ein anderer sehr positiver Aspekt war die tolle Betreuung der Praktikanten vor Ort. Neben einer Einweisung und einer Vorstellung des gesamten Unternehmens bietet BMW ein sehr gutes Praktikanten-, Diplomanden-, Doktoranden- und Werkstudenten-Netzwerk in München. Durch den wöchentlichen Stammtisch oder gemeinsame Mittagessen findet man sehr schnell Anschluss. Auch die Informationen im Intranet der BMW Group oder die Werksführung machten es einem leicht, sich in diesem Großunternehmen in einer fremden Stadt wohl zu fühlen.
Positiv fand ich auch, dass ich von meinem Betreuer unterstützt wurde, bei der BMW-Group auch ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Auch von anderen BWM-Praktikanten, die ich während dieser Zeit kennengelernt habe, haben einige die Chance auf ein Auslandspraktikum erhalten.
Christiane Gärtner (27), Absolventin der Anglistik, Journalistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft, heute in einer Unternehmensberatung und als freie Autorin tätig.
Bei einer TV-Produktionsfirma war ein Volontariat in der Fernsehredaktion ausgeschrieben. Ich hatte Journalistik im Nebenfach studiert und auch schon ein Praktikum bei der Ufa gemacht, also bewarb ich mich nach meinem Abschluss bei der Produktionsfirma. Sie wollten mich gern nehmen, sagten aber, da ich noch keine Erfahrung in einer Fernsehredaktion gesammelt hatte und sie mich ja auch noch nicht kennen würden, dass ich einen Monat ein Probepraktikum ohne Bezahlung machen solle. Die Firma produzierte überwiegend Dokumentationen und Reportagen für das Nachmittags- und Vorabendprogramm des Privatfernsehens. Es sollten vor allem Emotionen gezeigt werden, am besten gefiel es dem Produktionschef, wenn vor der Kamera Tränen flossen. Auch junge Frauen oben ohne waren immer im Programm willkommen. Ab und an wurden die jungen Redakteurinnen auch selbst mal halb scherzhaft vom Produktionschef gefragt, ob sie nicht die Hüllen fallen lassen wollen, wenn gerade keine passende Kandidatin gefunden worden war. Nach den vier Wochen hieß es dann plötzlich, dass momentan doch keine Strukturen vorhanden wären, um neue Volontäre auszubilden. Auf dem Tisch des Produktionschefs stapelten sich jedoch weiter die Bewerbungen und jeden Tag hatte er mindestens ein Bewerbungsgespräch … offenbar mit Kandidaten, die sich auf ein Volontariat beworben hatten.
Nach dieser ernüchternden Erfahrung fand ich dann trotzdem wenig später einen Berufseinstieg als Projektassistentin, mit einem richtigem Vertrag und ordentlicher Bezahlung.


