Schlüsselqualifikationen

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Keine Zeit!

Motivationsprobleme und Überforderung folgen oft auf ein schlechtes Zeitmanagement. Trainerin Sonja Förste erklärt im Interview mit der Deutschen Bildung, warum Studierende sich schwer damit tun, ihre Zeit gut zu planen. Welche Tricks und Strategien führen heraus aus dem Dilemma?

Frau Förste, Überforderung und Motivationsprobleme gehören laut einer aktuellen Studie zu den häufigsten Gründen, ein Studium abzubrechen. Welche Rolle spielt hierbei das Zeitmanagement?
Vorlesungen, Prüfungen, Ehrenamt, Nebenjobs, Praktika, Freunde, Eltern, … die Anforderungen an die Studierenden kommen von verschiedensten Seiten. Ist der Studierende nur noch Getriebener und kann das Leben nur noch in geringem Maß aktiv gestalten, sinkt die Motivation rapide. Und die zum Teil überhöhten Erwartungen führen verständlicherweise zur Überforderung. Der fruchtbare Umgang mit der eigenen, verplanbaren Zeit, den eigenen Ressourcen und den Erwartungen an sich selbst ist eine wichtige Voraussetzung, um den teilweise extremen Anforderungen begegnen zu können. Das heißt: Zeit- und Selbstmanagement ist eine persönliche Kernkompetenz, die zum Gelingen des Studiums beiträgt.

Warum fällt gerade Studierenden ein gelungenes Zeitmanagement schwer?Nach meiner Erfahrung fällt es nicht nur Studierenden schwer, mit der Zeit erfolgreich und zufriedenstellend zu jonglieren. Auch für Arbeitnehmer und Selbstständige bleibt Zeitmanagement häufig eine Herausforderung, der sie mit Versuch und Irrtum begegnen und so über manch leidvolle Erfahrung Kompetenz aufbauen. Für Studierende war die Lernzeit auf dem „Try and error“-Weg im Vorfeld einfach kürzer. Und leider werden Kompetenzen zu Zeit- und Selbstmanagement in der Schule nur selten bewusst und strategisch aufgebaut. Dies wäre aber eine wichtige Vorbereitung auf das Studium.

Wie können Studierende der so genannten Aufschieberitis begegnen, die häufig am entstehenden Stress beteiligt ist?
Aufgeschoben werden unangenehme, angstbesetzte, erwartungsüberladene Aufgaben und Dinge, auf die man keine Lust verspürt und die man nicht recht anzupacken weiß.

Der allererste Schritt ist die ehrliche Frage an sich selbst: Will ich wirklich die Aufschieberitis stoppen? Es gibt eine Reihe von Motivationen, die die Aufschieberitis füttern.

Kommt ein klares „Ja, ich will!“, dann zerlegt man die Aufgabe in kleine Wegstrecken und beginnt sofort mit dem ersten Schritt. So lässt sich die Anfangshürde überwinden, kommt in Bewegung und das „große, unbekannt, ungeliebte Land“ wird automatisch kleiner.

Nun setzt man sich selbst in Verantwortung und terminiert die verschiedenen Teilaufgaben und Wegstrecken. Bei manchem Studierenden wird es ausreichend sein, die Termine mit sich selbst zu vereinbaren und sich dann mit eiserner Disziplin dran zu halten. Erfahrungsgemäß tun sich Menschen leichter, wenn sie sich nach außen verantworten müssen. Daher ist es eine unterstützende Maßnahme, auch äußere Termine zu setzen, z.B. der Lerngruppe eine einseitige Zusammenstellung der verschiedenen Theorien im Fachgebiet bis zum nächsten Treffen zu versprechen.

Und wenn die ersten Schritte gemacht sind, ist es an der Zeit sich was zu gönnen. "Nach dem Telefonat gibt es einen heißen, frischen Kaffee!" "Sobald ich die Stichwortsammlung erstellt und strukturiert habe, treffe ich mich mit Toni."

Und die größte Belohnung ist nach bewältigter Aufgabe das Gefühl, die eigentliche Aufgabe geschafft zu haben: der Aufschieberitis aktiv zu begegnen!

Sind Zeitmanagement-Methoden für alle Studierenden gleichermaßen geeignet, oder ist das auch eine Typ-Frage?
Klare Frage, klare Aussage: Es ist ganz klar eine Typ-Frage, welche Zeitmanagement-Methode passt und was den Studierenden selbst motiviert, an den eigenen Prioritäten dran zu bleiben und sie in den Alltag zu integrieren. Während der eine Studierende schon seit Jahren mit seinem immer gleichen Terminkalender gut arbeiten kann, braucht die andere Studierende immer wieder ein neues Zeitplanungssystem und probiert neue Wege aus. Auch das ist völlig in Ordnung, solange das eigentliche Ziel – die verplanbare Zeit, das eigene Leben bewusst und aktiv zu gestalten – damit möglichst energievoll erreicht wird.

Vorsätze wie ein gutes Zeitmanagement werden nach anfänglicher Begeisterung oft wieder vergessen. Alte Gewohnheiten schleichen sich ein. Wie bleiben Studierende langfristig am Ball?
Für alle „kurzfristigen Selbst-Disziplinierer“ ist es eine gute Methode, sich kleine „Erinner-mich“ im Alltag zu setzen: Einen Vorsatz-Zettel in die Lieblingstasse, den Kernsatz mit Lippenstift auf den Spiegel, einen Hinweis ins Outlook. Alte Gewohnheiten lassen sich nur durch neue Gewohnheiten ersetzen. Es ist notwendig, so lange aktiv dran zu denken bis der ehemalige Vorsatz zur neuen Gewohnheit wird. Als erfolgreich haben sich auch hier Lernpartnerschaften erwiesen, denn in der Regel geht es dem Studienkollegen und der Studienkollegin ähnlich.

Vielen Dank für das Interview!

Sonja Förste ist Geschäftsführerin vom SFplus Institut für Verhandlung und Führung und berät seit 1998 Führungskräfte sowie Studierende als Trainerin und Coach, unter anderem zum Thema Zeit- und Selbstmanagement. Zahlreiche Workshops hat sie auch für Geförderte der Deutschen Bildung im Rahmen des Guidance-Programms durchgeführt.

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