Schlüsselqualifikationen
Studieren ist mehr als das Sammeln von Fachwissen. In diesem Info-Center erfahren Sie Wissenswertes zum Thema Schlüsselqualifikationen.
Schluss mit Einzelkämpfern
Das Studium vermittelt in den seltensten Fällen soziale Kompetenz. Dafür müssen die Studierenden schon selbst aktiv werden oder zusätzliche Seminare besuchen. Die Hochschulen reagieren jetzt und wollen ihre Studierenden fit machen für den Ernst des Lebens.
Die Initiative SQ21 führte 2005 eine bundesweite Befragung von Studierenden, Hochschulen und Unternehmen durch. Den Angaben der teilnehmenden Studierenden zufolge werden Schlüsselqualifikationen im Studium nicht ausreichend vermittelt. 40,4 Prozent gaben an, dass sie ihre Soft Skills in einer Studenteninitiative erwerben, 33,1 Prozent nannten Arbeitsgemeinschaften und nur 23,5 Prozent das eigene Studienfach als Quelle zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen. Problematisch erscheint der zunehmende Zeitdruck bei Bachelor- und Masterstudierenden. Laut Kölner Runde, dem Zusammenschluss der sechs größten deutschen Studenteninitiativen, gebe es immer weniger Studierende, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Die Mitarbeit in einem Verein biete Studierenden aber wertvolle Chancen „zum Erwerb von Zusatzqualifikationen und der Kompetenzentwicklung“ und fördere „die ökonomische, soziale und Persönlichkeitsbildung."
Schlüsselqualifikationen im Lehrplan
Als Reaktion auf mangelnde Vermittlung von Soft Skills durch die Universitäten führen immer mehr Fachbereiche Veranstaltungen zum Thema in ihren Lehrplan ein. An der Uni Freiburg gibt es sogar ein Zentrum für Schlüsselqualifikationen, welches Lehrveranstaltungen mit hohem Praxisbezug und interdisziplinärer Projektarbeit anbietet. Vorbildlich auch das hessische Leuchtturmprojekt, das zum Beispiel an der Uni Marburg durchgeführt wird: "EcoSkillls - Economic and Business Soft Skills" soll Studierende besser auf den Beruf und die Herausforderungen am Arbeitsmarkt vorbereiten. Es handelt sich um ein modularisiertes Angebot im Schlüsselqualifikationsbereich, das sich nach den individuellen Stärken und Schwächen sowie den beruflichen Zielen der Teilnehmer richtet.
Es gibt aber auch Studiengänge, bei denen von Anfang an ohne Teamarbeit gar nichts läuft. Die Volontärin Verena Gründel ist direkt nach ihrem Bachelor-Abschluss in Biologie in den Beruf eingestiegen. Nun arbeitet sie in einem Münchner Verlag und wird bald Redakteurin. Im Gespräch mit der Deutschen Bildung erzählt sie, wie das Studium sie auf Teamwork im Job vorbereitet hat.
"Teamfähigkeit ist bei uns unverzichtbar"
"In meinem Studium habe ich Teamfähigkeit nicht explizit gelernt. Dennoch mussten wir häufig in Zweier- oder größeren Gruppen arbeiten. Und zwar in den Laborpraktika, die meist mehrere Stunden oder auch einen Tag am Stück dauerten – und das über das ganze Semester. Häufig gab es am Ende Noten auf eine Arbeit, die man gemeinsam abgelegt hat. So war jeder auf jeden angewiesen und teamorientiertes Arbeiten war ein Muss. Kern der Teamarbeit war oft, gemeinsam Strategien zu entwickeln und zu "brainstormen", um ein wissenschaftliches Problem zu lösen. In ähnlicher Form machen wir dies auch in dem Verlag, wo ich jetzt arbeite. Zwar gestalten nur meine Chefredakteurin, unsere Grafikerin und ich unser Magazin, doch wir arbeiten eher im Team als im Chef-Angestellten-Verhältnis. Gemeinsam entwickeln wir die Konzepte für unsere Artikel. Teamfähigkeit ist bei uns unverzichtbar, schließlich ist unser Magazin ein Gemeinschaftsprodukt."


