Studenteninitiativen und Hochschulgruppen
An dieser Stelle sammeln wir Beiträge zum außeruniversitären Engagement und zur Arbeit von Studenteninitiativen und Hochschulgruppen.
Hinter den Kulissen
Auf Jobmessen gibt es Aussteller und Besucher. Was dabei oft vergessen wird: Irgendjemand hat monatelang daran gearbeitet, dass beide Seiten erfolgreich aufeinander treffen können. Die Studenteninitiative bonding widmet sich der Organisation von Firmenkontaktmessen, die an vielen Hochschulstandorten erfolgreich stattfinden. Wir haben mit Friederike Vollenberg von bonding darüber gesprochen, worauf es bei einer Jobmesse ankommt. Lesen Sie zum Beispiel nach, warum regionale Familienunternehmen und weltweit agierende Großkonzerne bei bonding die gleiche Standfläche bekommen.
Frau Vollenberg, die Organisation der Firmenkontaktmessen gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Studenteninitiative bonding. Warum sollten Studierende Jobmessen besuchen?
Unsere Firmenkontaktmessen bieten den Studierenden die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit Unternehmen und Personalern zu kommen. Auf der Suche nach Jobs, Praktika oder Abschlussarbeiten können sich die Studierenden persönlich vorstellen, in einem Gespräch mehr über das Unternehmen und Jobangebote erfahren und auch schon Bewerbungsunterlagen überreichen. Und wenn das Eis erst einmal gebrochen ist, entwickelt sich daraus vielleicht der richtige Weg zu seinem Traumjob oder -praktikum.
Außerdem bieten bonding Firmenkontaktmessen ein attraktives Zusatzangebot. In Vorträgen, die von einzelnen Firmen gehalten werden, können sich Studierende unverbindlich über die Unternehmen informieren. Bei runden Tischen stellen sich bis maximal fünf Unternehmen gleichzeitig vor und stehen danach für die Fragen der Studierenden bereit. Eine Frage – fünf Antworten. Der Studierende gewinnt durch den direkten Vergleich einen besseren Eindruck seines möglichen späteren Arbeitgebers.
Ein weiteres Zusatzangebot, das bonding den Besuchern während der Messetage bietet, ist der Bewerbungsmappencheck. Bewerbungsunterlagen werden durchleuchtet, unschlüssige Punkte hinterfragt und Tipps für Verbesserungen gegeben. Diese Checks bieten unsere Kooperationspartner an, die sich auf das Thema spezialisiert haben. Auf diese Weise können wir Studierenden einen professionellen und unmittelbar hilfreichen Service anbieten. Kurz: wir bieten den studentischen Besuchern auf unseren Messen ein vielfältiges Angebot rund um Bewerbungen und Jobsuche. Nutzt diese Chance!
Worauf kommt es bei der Organisation der Firmenkontaktmessen an? Welche Grundsätze hat bonding?
Ein bonding-Grundsatz lautet: Von Studenten für Studenten – kostenlos. Studierende organisieren ehrenamtlich Firmenkontaktmessen für ihre Kommilitonen. Dabei bekommen sie schon während des Studiums die Chance, ein Projekt zu leiten und mitzugestalten, das sie in dieser Größenordnung vielleicht erst im Berufsleben machen würden. Die Organisation der Messe beginnt ungefähr ein halbes Jahr vor dem geplanten Messetermin. Ein Messeort wird festgelegt, Unternehmen werden akquiriert, Verträge verschickt, und verschiedene Ressorts wie z.B. Messebau, Öffentlichkeitsarbeit, Katalogerstellung, Verpflegung, Sponsoring und die Warm-Up-Woche werden verteilt. Jeder kann das machen, was ihm gefällt und wo er sich einbringen möchte. Das Schöne ist, dass die Hochschulgruppen das Ergebnis ihrer monatigen Vorbereitung am Ende sehen können – ein tolles Gefühl, das ich aus meiner Messezeit noch kenne.
Ein weiterer Grundsatz von bonding ist das Gleichheitsprinzip auf unseren Messen. Das heißt, dass jedes Unternehmen, egal ob es sich um ein regionales Familienunternehmen oder um einen weltweit agierenden Konzern handelt, die gleiche Standfläche hat, auf der sich das Unternehmen präsentieren kann. Uns ist es wichtig, dass die Unternehmen sich nicht durch mögliches pompöses Auftreten hervorheben, sondern durch die Inhalte und Informationen, die sie den Studierenden mitgeben. Unternehmen sollen inhaltlich begeistern!
Werden mit den Firmenkontaktmessen alle Fachrichtungen angesprochen?
In erster Linie geht es um Ingenieure, aber auch andere Fachrichtungen werden immer häufiger gesucht. Der Messekatalog bietet dahingehend eine gute Informationsbasis im Vorfeld, denn dort werden die gesuchten Fachrichtungen aufgelistet. Ich denke, jeder sollte die Messen als Chance für sich nutzen. Fragen kostet nichts und vielleicht bekomme ich ja einen Namen oder eine andere Anlaufstelle genannt.
Sind Sie zufrieden damit, wie das Angebot von Studierenden angenommen wird?
Es kann natürlich immer mehr sein…! Im Großen und Ganzen bin ich jedoch zufrieden. Nach den Messen freut es mich zu hören, wenn das Feedback der Firmen gut ausfällt. Da kommen oft Sätze wie: „Die Studierenden, die heute da waren, waren sehr gut vorbereitet.“ Oder: „Viele Studierende waren da; die Gespräche haben sich sehr gelohnt. Wir kommen auch zur nächsten Messe.“ Das zeigt mir, dass das, wofür wir uns engagieren, auch Erfolg hat und uns, unsere Kommilitonen und die Unternehmen weiterbringt.
Erfährt die Initiative ausreichend Unterstützung von den Hochschulen?
Das ist unterschiedlich. Einige Hochschulen unterstützen uns, indem sie uns Räume für Veranstaltungen, Flächen für Messen zur Verfügung stellen und uns Werbemöglichkeiten bieten. Wir dürfen Plakate aufhängen, Flyer verteilen und somit auf bonding und unsere Veranstaltungen aufmerksam machen. Bei anderen Hochschulen ist es wiederum schwieriger, z. B. Werbemöglichkeiten zu bekommen. Dennoch schätzen wir jede Form der Unterstützung sehr, und die Zusammenarbeit ist uns wichtig, denn schließlich sind die Hochschulen mit ihren Studierenden unsere Zielgruppe.
Welche Wünsche haben Sie an Aussteller und Besucher?
Für Besucher sehe ich eine gute Vorbereitung als essentiell an. In der sogenannten Warm-Up-Woche bietet bonding bereits im Vorfeld Workshops und Trainings zu verschiedenen Bewerbungsthemen an, z.B. „Rhetorik-Training: Präsentier' dich richtig“, „Messeknigge“ oder “Let's talk about Geld! - Einstiegsgehälter für Absolventen“. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen zeigt den Studierenden schon einmal, was während ihres Bewerbungsweges auf sie zukommen kann, und worauf sie dabei achten müssen. Informationen zu weiteren Veranstaltungen dieser Form sind auf den lokalen bonding-Messewebseiten zu finden. Die Seiten enthalten zusätzlich, genau wie der Messekatalog, die einzelnen Firmenportraits der teilnehmenden Unternehmen, durch die sich die Studierenden individuell über die Unternehmen informieren können.
Mein Wunsch an die Aussteller ist, dass sie den Besuchern nützliche Informationen nennen können, die sie online vielleicht nicht erhalten würden. Das kann die Nennung konkreter Ansprechpartner sein, Tipps für die Bewerbung oder auch gleich die Annahme von Bewerbungsunterlagen, wenn sie schon vorhanden sind.
Mir ist es wichtig, dass die Studierenden und Unternehmen einen klaren Mehrwert aus dem Besuch der Messe ziehen, und dieser ist in meinen Augen gegeben, wenn sich beide Seiten im Vorfeld Gedanken über ihre Gründe der Teilnahme an der Messe machen und sich dementsprechend vorbereiten und auf der Messe auftreten.
Wie hat sich die Wirtschaftskrise auf die Firmenkontaktmessen ausgewirkt?
Wir haben einen Rückgang der angemeldeten Firmenzahlen gespürt, denn die Unternehmen haben zum Teil Einstellungsstopps bzw. deutlich reduzierte Einstellungsmöglichkeiten anzubieten. Das bedeutet für uns, dass wir verstärkt Akquise machen müssen, um Firmen von unseren Messen zu überzeugen. Im Umkehrschluss steigen derzeit die Besucherzahlen unserer Messen, denn es gibt viele Absolventen und Studierende, die schon seit längerem auf der Suche nach Jobs und Praktika sind und die Firmenkontaktmessen als ihre Chance sehen, persönlich mit den Firmen in Kontakt zu kommen.
Viele Studierende sind stark in ihre Studiengänge involviert, Bachelor und Master lassen weniger Freiräume für außeruniversitäres Engagement zu. Wie sehen Sie die Zukunft der bonding-Firmenkontaktmessen?
Die Messen wird es weiterhin geben. Auch wenn die Bachelor-/Masterstudiengänge wenig Freiraum für außeruniversitäres Engagement lassen, wollen wir weiterhin Studierende für bonding begeistern, um auch in Zukunft Projekte auf die Beine stellen zu können. Schließlich ist es das, was bonding ausmacht! Das bedeutet für uns, dass wir schon früh im Studium auf bonding aufmerksam machen müssen, denn die Verweildauer der Studierenden an der Hochschule hat sich durch die Umstellung enorm verkürzt. bonding bietet viele Möglichkeiten, Neues zu lernen, Ideen einzubringen, mit Firmen und Studierenden anderer Fachrichtungen in Kontakt zu kommen und sich persönlich weiterzuentwickeln und durch Herausforderungen zu wachsen. Jetzt liegt es an uns, wie wir Studierende für diese Möglichkeiten begeistern und hoffen natürlich, dass wir dabei erfolgreich sind und neue Mitglieder gewinnen.
Was verpassen Studierende, die sich nicht bei bonding engagieren?
Unser Claim drückt es gut aus: bonding – erlebe, was du werden kannst. Bei bonding sammeln engagierte Mitglieder nützliche Erfahrungen, die auf das spätere Berufsleben vorbereiten. Man übernimmt Verantwortung, kann Ideen verwirklichen und einen Blick über den Tellerrand gewinnen. Durch unser internes Trainingssystem geben wir unseren Mitgliedern die Methoden an die Hand, die sie benötigen, um Veranstaltungen und Messen zu organisieren. Neben Basistrainings wie Moderation, Präsentation und Projektmanagement kann man sich über Spezialtrainings wie Zeit- und Selbstmanagement und Gesprächsführung wie auch in Fachtrainings im Bereich Adobe und Office weiterbilden. Durch das deutschlandweite Netzwerk der bonding-Standorte lernt man schnell viele neue Leute kennen und erlebt jede Menge unglaubliche Momente und hat jede Menge Spaß dabei.
Mir persönlich hat mein bonding-Engagement schon sehr viel gebracht. Ich lerne viel über mich und entwickle mich tagtäglich weiter. Aus dem Grund sehe ich außeruniversitäres Engagement als sehr wichtig an und ist für mich ein guter Zusatz zu meinem Studium.
Vielen Dank für das Interview!
Friederike Vollenberg, 27 Jahre, studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Braunschweig und kam 2006 zu bonding. Seitdem war sie für die Koordination der Braunschweiger bonding Firmenkontaktmesse 2007 zuständig und danach im lokalen Hochschulgruppenvorstand aktiv. Seit Oktober 2009 gehört sie zum nationalen Vereinsvorstand.


