Angstschweiß in der Prüfung
Kaum jemand geht ohne Nervosität in eine Prüfung. Ein gewisses Maß an Adrenalin ist völlig normal und kann sich auf die Leistung sogar positiv auswirken. Anders kommt die echte Prüfungsangst daher: Sie kann die Studienleistungen beeinträchtigen und gehört in diesem Fall in professionelle Hände. Unser CampusScout Carl-Philipp Fries-Henrich hat eine betroffene Studierende interviewt.
Christine Schmidt* studiert im 13. Semester Deutsch und Geschichte auf Lehramt. Sie leidet unter Prüfungsangst. Im Interview mit unserem CampusScout Carl-Philipp Fries-Henrich aus Berlin berichtet sie, wie sich die Prüfungsangst bei ihr äußert und welche Auswirkungen sie auf ihr Studium hat. Vielleicht erkennen Sie sich wieder? Hilfe bieten die psychotherapeutischen Beratungsstellen der Studentenwerke. Am Ende des Beitrags finden Sie außerdem noch zwei Buchtipps, die eine erste Hilfe zur Selbsthilfe bieten könnten.
Christine, seit wann hast Du das Problem?
Die Prüfungsangst fing gegen Mitte meines Studiums an. So ganz genau kann ich das nicht sagen. Ein bisschen nervös ist man eigentlich vor jeder Prüfung, mal mehr, mal weniger. Auch kommt es vor, dass man sich von einer Prüfung wieder abmeldet, weil man sich nicht so gut vorbereitet fühlt.
Irgendwann hat das bei mir allerdings Überhand genommen, schätzungsweise ab dem fünften Semester. Irgendwie stieg meine Nervosität immer mehr und ich habe regelrecht Angst vor der Prüfung bekommen.
Mich dann zur Prüfung zu zwingen war auch nicht so positiv. Meine Mutter hat mir immer gut zugeredet und gesagt, dass ich es schon schaffen werde. Als ich dann das erste Mal wegen Nervosität durchgefallen bin, habe ich mir erstmal eine Auszeit nehmen müssen.
Wie macht sich die Prüfungsangst bei Dir bemerkbar?
Zunächst bin ich in der Vorbereitung unruhig, kann mich nicht konzentrieren und schlafe nur sehr schlecht. In den Prüfungen hatte ich schon zweimal einen totalen Blackout.
Ein Beispiel?
Vor drei Monaten hatte ich eine Prüfung in Didaktik. Eigentlich nicht so schwer, aber die Aufregung im Vorfeld hat mich schon gepackt. So habe ich dann mit der Prüferin einen Probetermin vereinbart, indem ich die Prüfung schon mal durchspielen konnte. Das hat auch eigentlich ganz gut geklappt. Die Prüfung wurde dann aber nur durchschnittlich. Ich spiele dann immer mit dem Ring an meinem linken Ringfinger, um ein wenig den Stress abzubauen. Leider hatte ich meinen Ring in der Aufregung zu Hause vergessen und habe mir in der Prüfung aus Nervosität eine Stelle am Finger aufgekratzt. Davon hatte ich erst gar nichts mitbekommen, bis meine Prüferin mich darauf aufmerksam machte, dass ich blute. Ganz schön unangenehm.
Welche Auswirkungen hatte Deine Prüfungsangst bis jetzt?
In den letzten zwei Jahren hat mich die Prüfungsangst schon einiges an Zeit gekostet. Deshalb bin ich auch etwas über meine Regelstudienzeit hinausgekommen. Das nervt schon etwas, denn meine Kommilitoninnen sind jetzt schon ein Jahr weiter und kommen ins Referendariat.
Vielen Dank für das Interview!
Buchtipps:
Wolf, Doris; Merkle, Rolf: So überwinden Sie Prüfungsängste. Strategien zur optimalen Vorbereitung und Bewältigung von Prüfungen, Pal, 2001.
Metzig, Werner; Schuster, Martin: Prüfungsangst und Lampenfieber. Bewertungssituationen vorbereiten und meistern, Springer, 2005.
*Name von der Redaktion geändert


