Fit für die nächste Prüfung?

Diesmal wollen Sie alles besser machen? Rechtzeitig anfangen, strukturiert lernen, das Wissen auf Abruf parat haben? Wir helfen Ihren guten Vorsätzen auf die Sprünge, damit Sie der nächsten Prüfung entspannt entgegenblicken können. Lesen Sie nach, welche Lernstrategien Ihnen das Leben und Studieren leichter machen können.

Wie geht man an Wissen heran und wie eignet man es sich mit möglichst wenig Aufwand zuverlässig an? Diese Frage ist pauschal nicht so leicht zu beantworten, da es immer auf die Art des Lernstoffs ankommt. Eine Vielzahl von Lernstrategien können Studierende anwenden. Manche davon gehen bis in die Antike zurück.

Bei der Gestaltung des Lernens kommt es auf den Stoff an, auf den zeitlichen Rahmen, auf die Art und Ausrichtung der Prüfung sowie auf die persönlichen Stärken und Vorlieben. Drei Grundsätze des Lernens sind das Verknüpfen, Strukturieren und Wiederholen.


Lernen durch Verknüpfen: Nicht zu oft wiederholen

Das leuchtet ein: Durch systematisches Üben und Wiederholen prägt sich der Lernstoff ein. Eine wichtige Regel lautet, den Lernstoff in kleine Einheiten einzuteilen. Nachdem ein Lernvorgang beendet ist, wird schnell wieder vergessen – die Vergessenskurve flacht jedoch mit jedem Lernvorgang ab, bis schließlich nichts mehr vergessen wird. Ein „überlernen“ bringt nichts – empfehlenswert sind regelmäßige Wiederholungen in größeren zeitlichen Abständen mit jeweils wenigen Lerndurchgängen. Ähnlichen Lernstoff sollten Sie wenn möglich nicht unmittelbar hintereinander lernen. Häufige kurze Lernpausen sind oftmals sehr hilfreich.


Lernen durch Strukturieren: Gliederung entwerfen

Lernstoff prägt sich auch gut ein, indem man über ihn nachdenkt, ihn ordnet und gliedert. Versuchen Sie den Stoff in Hauptblöcke zu gliedern, denen die Einzelheiten untergeordnet werden. Wenn durch den Stoff keine Oberbegriffe vorgegeben sind, versuchen Sie selbst welche zu bilden. Wenn Sie den Lernstoff hierarchisch gliedern, werden selbst komplexe Stoffmengen überschaubar.


Memorierendes Lernen: Sich Fragen zum Lernstoff stellen

In der Regel müssen Sie für Prüfungen viele Fakten schlichtweg auswendig im Kopf haben. Ein sinnvolles Verfahren, sich Fakten anzueignen, kann so aussehen:

  • In einem ersten Schritt stellen Sie den Lernstoff zusammen: Bücher, Aufsätze, Mitschriften, Skripte, Arbeitsblätter.
  • In einem zweiten Schritt entwerfen Sie für Ihren Lernstoff eine Gliederung. Welche gedankliche Struktur hat der Stoff? Wie würde ein Inhaltsverzeichnis dazu aussehen?
  • Dann formulieren Sie die Gliederungspunkte in Fragen um. Welche Fragen wirft der Lernstoff auf? Wie würden Sie einen Kommilitonen zum Lernstoff befragen?
  • Stellen Sie sich selbst die Fragen und formulieren Sie die Antworten aus. Teilweise werden Ihre Prüfungen aus Fragen bestehen, die Sie vorher herleiten konnten, wenn Sie den Lernstoff sinnvoll gegliedert und die Gliederungspunkte in Fragen umformuliert haben.
  • Wenn Sie bei der Beantwortung der an sich selbst gestellten Fragen auf Wissenslücken stoßen, kennzeichnen Sie diese Begriffe und formulieren Sie weitere Fragen dazu.
  • Eine Möglichkeit der Zusammenfassung sind Karteikarten. Auf ihnen werden die wichtigsten Stichpunkte festgehalten. Auf die Vorderseite kommt eine Frage oder ein Begriff – auf die Rückseite die Antwort bzw. die Begriffserklärung. Karteikarten haben den Vorteil, dass man den eigenen Lernstand leicht überprüfen kann. Die Karten, deren Rückseite Sie parat haben und nicht mehr nachlesen müssen, legen Sie zur Seite, bis nach und nach immer weniger Karteikarten übrig bleiben. Das ist anschaulich und motiviert.



Mind Mapping: den Stoff anschaulich darstellen

Mind Mapping gehört derzeit zu den stark propagierten Lernstrategien. Ziel des Mind Mappings ist es, den Wissensstoff in größere Zusammenhänge einzuordnen und zu visualisieren, wie Themen und Begriffe in Beziehung zueinander stehen. Diese visualisierte Wissensstruktur, die Darstellung eines Sinngewebes, erleichtert das Einprägen.

Beim Mind Mapping benutzen Sie Blätter im Querformat. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass das Querformat sofort mit einem Bild assoziiert wird und der Blick sich in die Mitte statt nach links oben richtet. Das allein kann bereits Denkblockaden lösen – die rechte Gehirnhälfte – so die Theorie - wird stärker in das Lernen einbezogen. Im Laufe des Lesens wird der Stoff auf seine zentralen Stichworte überprüft. Das Zentralwort kommt in die Mitte und Sie können es beispielsweise farbig hervorheben – auch das spricht die rechte Gehirnhälfte an. Auf die Linien, die vom Zentralwort weg führen, kommen die Schlüsselwörter. Die Linie sollte dabei nur so lang wie das Wort selbst sein. Vom jeweiligen Schlüsselwort können weitere Zweige mit Begriffen weg führen. Wichtig ist die zusammenhängende Darstellung der Äste und Zweige. Die Priorität der Stichworte nimmt von innen nach außen ab. Natürlich passt ein umfangreicher Lernstoff in der Regel nicht auf eine einzige Mind Map. Einzelne Stichwörter dienen dann als Zentralwörter für weitere Mind Maps, was Sie auf der vorhergehenden Mind Map markieren. Kleine Bildchen und verschiedene Farben unterstützen das Gehirn dabei, später die richtigen Verknüpfungen herzustellen. Wichtig zu wissen: Mind Maps sind sehr individuell und sollen Ihnen persönlich helfen. Verschiedene Menschen fertigen zum selben Text möglicherweise ganz verschiedene Mind Maps an.


Ishikawa-Diagramm: Prozesse verstehen

Diese Methode visualisiert ebenfalls gedankliche Schritte und eignet sich besonders gut für die Darstellung von Ursachen und Wirkungen. Im Mittelpunkt steht weniger das gedankliche Konstrukt, sondern vielmehr der Ablauf eines Prozesses. Die beschrifteten Zweige und Äste werden jedoch nicht kreisförmig um einen Begriff angelegt, sondern entlang einer Linie mit Ausgangspunkt und Ziel. Da die entstehende Grafik den Gräten eines Fischs ähnlich sieht, wird sie auch Fischgrätenschema genannt. 


Mnemotechniken: Trickreiche Gedächtnisübungen

Mneme kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Gedächtnis“, „Erinnerung“. Die grundsätzliche Funktionsweise von so genannten Mnemotechniken besteht darin, dass Erinnerungen oftmals durch andere Erinnerungen oder spontane Ereignisse abgerufen werden. Alle Erfahrungen, die wir machen, werden im Hirn gespeichert. Assoziationen (zum Beispiel Gegensätze, Wortfelder) sind fest in unserem Gehirn verankert: Denkt man an eine Wüste, fallen einem dazu vielleicht sofort Hitze und Skorpione ein. Diese Fähigkeit des Hirns können Sie sich beim Lernen zu Nutze machen. Dinge werden gedanklich so verknüpft, dass die Erinnerung an das Eine mit der Erinnerung an das Andere verbunden wird. Mnemotechniken zielen weniger auf das Verständnis von Wissen ab, als auf das Einprägen von abstrakten Fakten. Im Gehirn werden so genannte Anker angelegt, die mit Informationen verknüpft werden.

Eine bekannte Mnemotechnik ist die Loci-Methode. Überlegen Sie sich einen Weg, den Sie sehr gut kennen. Die Wegstrecke sollte einige markante Punkte haben. Die wichtigsten Begriffe, die Sie lernen müssen, verbinden Sie mit diesen Punkten – schreiben Sie sich die Verknüpfung nicht nur auf, sondern lassen Sie eine bildliche Vorstellung entstehen, weil die Informationen nur so gespeichert werden. Diese Methode bezieht beide Gehirnhälften beim Lernen ein.

Kritisiert wird an dieser Lerntechnik, dass sie nur auf wenige Lernstoffe aus der Realität wirklich angewendet werden kann. Komplexe Sachverhalte oder Diskussionen kann man mnemotechnisch kaum erfassen. Gut geeignet sind Mnemotechniken beispielsweise für Listen von nicht allzu komplexen Fakten und Begriffen.

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