Buchvorstellungen und Webtipps
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"Der frühe Vogel kann mich mal"
Mit „13 Semester“ hat Regisseur Frieder Wittich eine Studentenkomödie gedreht, die im Schnelldurchlauf die Höhen, Tiefen und Herausforderungen eines kompletten Studiums zeigt. Prüfungs- und Hörsaalszenen werden kombiniert mit Party, Liebeskummer und Badesee. Zeigt dieser Film ein Studentenleben der Vergangenheit?
Moritz, kurz Momo (Max Riemelt), kommt zum Studium der Wirtschaftsmathematik nach Darmstadt. Warum eigentlich, das scheint er nicht genau zu wissen. Und überhaupt muss erstmal ein WG-Zimmer her. Zusammen mit dem schludrigen Frauenschwarm Bernd (Alexander Fehling) bildet er eine unheilvolle Wohngemeinschaft. Mitstreiter im Studium sind der ehrgeizige Dirk (Robert Gwisdek), der von Anfang an auf der Überholspur unterwegs ist, sowie der Inder Aswin, dessen wachsende Deutschkenntnisse dialektal gefärbt sind ("Isch weiß net").
Der Film würfelt typische Szenen eines Studiums zusammen: Die quälende Suche nach einem WG-Zimmer („ich weiß ja nicht wo Du herkommst, aber das ist Darmstadt, Mann), coole Partys, Badesee und Liebesschmerz – aber eben auch Prüfungsdruck, Selbstzweifel und Nebenjobstress. In rasant inszenierten Abschnitten – 13 an der Zahl für jedes Semester – saust der Film unheimlich kurzweilig durch ein Studentenleben, das so oder so ähnlich fast alle (ehemaligen) Studierenden kennen.
Momo hat so starke Motivationsprobleme, dass es ihn erst aus der Lerngruppe und dann beinahe ganz aus dem Studium katapultiert. Das Auslandssemester in Australien wird als bunter Videoclip inszeniert. Und um finanziell zu überleben, lassen sich Momo und sein Mitbewohner dazu hinreißen, über ein zwielichtiges Vertriebssystem eine Wunderseife zu verticken, deren Kartons sich in der WG stapeln. Not macht erfinderisch. Momo stürzt in eine Sinnkrise, die fast zum Studienabbruch führt, die nach 13 Semestern aber ein glückliches Ende findet.
Es ist gut, dass Menschen unterschiedlich sind. Diese warme Botschaft scheint ein Anliegen des Films zu sein. Es gibt keinen vorgezeichneten Weg durch das Studium und zum beruflichen Glück. Das wird an den individuellen Studienbiographien der Protagonisten sehr schön demonstriert. Der Streifen wirbt für das Studium als bunte und vielseitige Lebensphase, ohne die Anforderungen zu verharmlosen. Aber vielleicht ist es kein Zufall, dass sich im Film noch alles um das Diplom dreht. Ob persönliche Eskapaden und eingeschlagene Umwege auch in ein durchstrukturiertes Bachelor-Studium passen, mögen diese Studierenden beurteilen. Möglich, dass sich mit Bologna auch das Studentenleben verändert, sodass eine Fortsetzung des Films ganz anders inszeniert werden müsste.
Fazit: Ein heißer Tipp für alle Studierenden! Ein Haufen Nostalgie für Alumni. Und für Darmstädter sowieso ein Muss.


