In dieser Rubrik stellen wir Artikel und aktuelle Diskussionsthemen aus dem Bereich Hochschulpolitik & Bildung für Sie zusammen.
Berufe im Wandel: Was Sie morgen können müssen
Mit dem Wandel in der modernen Arbeitswelt verändern sich auch die Anforderungen zahlreicher Berufe. Architekten, Ärzte, Ingenieure: Was Sie morgen können müssen und wie Sie sich heute darauf vorbereiten - dazu hat die Wirtschaftswoche einige Beispiele zusammengestellt. Lesen Sie nach, warum Ärzte auch Ahnung von BWL haben sollten und warum Physiker in Zukunft nur noch selten einsam tüfteln.
Mediziner mit Taschenrechnern, Manager mit Physik-Diplom, Historiker in der Finanzbranche: Die Arbeitswelt wandelt sich gewaltig. Der künftige Arbeitnehmer wird vor allem flexibler arbeiten als heute, aber auch eigenverantwortlicher. Wechselnde Projekte und wechselnde Arbeitgeber werden zur Normalität. Dank neuer Kommunikationstechnologien löst sich auch die Bindung ans Büro auf. Gleichzeitig ändern sich Berufsbilder. In Deutschland gibt es derzeit 343 Ausbildungsberufe, 215 wurden in den vergangenen zwölf Jahren novelliert, 79 kamen neu hinzu. Aber auch Akademiker müssen sich umstellen. "Wer hier künftig gefragt sein will, muss teilweise völlig neue Qualifikationen, anderes Wissen und vernetzte Arbeitsweisen beherrschen", berichtet Daniel Rettig in der Wirtschaftswoche.
Globalisierung, Klimawandel, moderne Kommunikationstechnologien
Als Gründe hierfür werden verschiedene Trends verantwortlich gemacht. Die Globalisierung sorgt für grenzüberschreitende Kooperationen und für internationale Teams, die sich über kulturelle Unterschiede und verschiedene Zeitzonen hinwegsetzen müssen. Der persönliche Kontakt weicht zunehmend der virtuellen Kommunikation. Auch der Klimawandel bewirkt Veränderungen in der Arbeitswelt. Der Bedarf nach mehr Umweltbewusstsein wirkt sich auf zahlreiche Branchen aus. Das bekommen beispielsweise Architekten, Ingenieure, Physiker und Stadtplaner zu spüren.
Welche Berufe sind vom Wandel besonders betroffen?
Architekten
In Zukunft werden ökologische Gesichtspunkte bei der Planung von Häusern im Vordergrund stehen. Das Energiesparpotenzial durch die Bauweise ist riesig - beim Modernisieren, Sanieren und Neubauen müssen Architekten die Energieeffizienz berücksichtigen und umweltbewusst denken. Tanja Waldmann, Sprecherin der Bundesarchitekturkammer, empfiehlt Absolventen in der Wirtschaftswoche, schon während des Studiums Zeit im Ausland zu verbringen und Kontakte zu Architekten zu knüpfen, was den Berufseinstieg später erleichtert - denn die Arbeitslosenquoten deutscher Architektur-Absolventen seien seit Jahren relativ hoch. Waldmann rät außerdem davon ab, sich während des Studiums nur auf den Bereich "Entwurf" zu stürzen. Kostenkalkulation und Ausschreibung sind Bereiche, mit denen man sich als Absolvent heute interessanter machen kann.
Ärzte
Im Gesundheitswesen ist die Kostenfrage eine ganz entscheidende geworden. Ärzte haben nicht mehr nur mit Patienten und Krankheiten zu tun, sondern müssen sich auch um das Budget Gedanken machen. Es kann mit einer steigenden Ökonomisierung des Arztberufes gerechnet werden. Nachwuchs-Ärzte sind deshalb gut damit beraten, sich möglichst schon während des Studiums betriebswirtschaftliche Kenntnisse anzueignen. An der Schnittstelle zwischen Medizin und Krankenhaus-Management entstehen aktuell neue Berufsbilder. Private und öffentliche Kliniken aber auch Krankenkassen suchen Controller mit medizinischem Hintergrund. Wer sich während des lernintensiven Medizinstudiums nicht damit befassen möchte, kann sich auch später bei der Gesellschaft für Medizin-Controlling weiterbilden.
Ernährungswissenschaftler
Gewichtsprobleme und Allergien nehmen zu. Die Forderungen nach gesunden, fitten Arbeitnehmern auch. Für Ernährungswissenschaftler eröffnen sich deshalb viele Aufgabengebiete und Jobchancen: In Schulen, in der Produktentwicklung, in der Lebensmittelindustrie und bei Pharmakonzernen. Elvira Krebs, Geschäftsführerin des Verbandes der Oecotrophologen, rät angehenden Ernährungswissenschaftlern zu Weiterbildungen – dabei sei allerdings dringend auf die Zertifizierung der Angebote zu achten. Die relevanten Inhalte können nicht im Schnelldurchgang vermittelt werden. Ernährungswissenschaftler müssen künftig außerdem mit anderen Berufen kooperieren, zum Beispiel mit Psychologen und Sozialpädagogen.
Ingenieure
Spezialisten müssen durch die Integration von Mechanik, Elektronik und Steuerungstechnik-Software verschiedene Disziplinen verknüpfen, sagt Katja Klöden, Sprecherin des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik, in der Wirtschaftswoche. Das betreffe den Bereich der Energiewirtschaft ebenso wie den Maschinen- oder Automobilbau. In einem modernen Auto beispielsweise werden schon heute bis zu 100 Steuerelemente aus elektronischen und mechanischen Komponenten mit Software-Anwendungen eingebaut. Studierende der Ingenieurswissenschaften sollten sich daher nicht auf Gebiete wie Mechanik oder Optik spezialisieren, sondern sich fachübergreifende Kompetenzen aneignen. Maschinenbau-Ingenieure sollten zum Beispiel auch ihre Führungskompetenzen ausbauen. Im berufsbegleitenden Masterstudiengang "Produktionsmanagement" an der TU Chemnitz lernen Ingenieure zum Beispiel gefragte Management-Fähigkeiten.
Juristen
Mit der aufkommenden Projektwirtschaft kommen auf Juristen neue Fragen zu. Künftige interessante Rechtsbereiche: Patentrecht, internationales Recht und Gesellschaftsrecht. Gefragt ist mehr als enzyklopädisches Wissen der exakten Paragrafen. Der Jurist muss wirtschaftliche Zusammenhänge analysieren, unterschiedliche Gesellschafter beraten und sie im Projekt begleiten können. Die Uni Augsburg hat hierzu den bereits 2003 eingeführten Diplom-Studiengang Rechts- und Wirtschaftswissenschaften eingerichtet. An der privaten Bucerius Law School in Hamburg können Nachwuchsakademiker rechtliches und wirtschaftliches Wissen für die internationale Geschäftswelt erlangen.
Lehrer
Vor allem die inhaltlichen Anforderungen an den Unterricht sind im Wandel begriffen. Lehrer sollen den Schülern nicht mehr allein Wissen zum Auswendiglernen vermitteln, sondern ihnen Kompetenzen für das Leben nahebringen. Möglicherweise gewinnt das Lernen in Projekten stark an Bedeutung, die Aufteilung der Fächer wird damit durchlässiger. Zusätzlich verändern auch die Pläne für Ganztagsschulen das Berufsbild des Lehrers. Kommunikative Fähigkeiten und die Vermittlung zwischen Schülern, Eltern und Kollegen nehmen vermutlich an Bedeutung zu. Weiterhin wird der Umgang mit den neuen Medien immer stärker auch Gegenstand des Unterrichts werden.
Manager
Führungskräfte müssen in Zukunft hoch qualifizierte Talente aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen rekrutieren, motivieren und an das Unternehmen binden. Was auch zunimmt: Die Koordination von zeitbegrenzten Projekten und Teams, die nicht an einem Ort zentriert sind.
Petro Micic vom Beratungsunternehmen Future Management Group rät ambitionierten Akademikern zu einem "Bindestrich-Studium", also das Studium eines klassischen Fachs, kombiniert mit Informatik oder einer exotischen Fremdsprache. Auch IT-Kenntnisse sind wichtig, um sich mit digitalen Geschäftsmodellen auszukennen, während ein Psychologie-Studium Managern bei der Führung internationaler Belegschaften helfen kann.
Physiker
Auch bei Physikern, die dem Klischee des Tüftlers entsprechen, werden Kooperationen und Projektarbeiten zunehmen. „Sie basteln dann etwa mit Elektrotechnikern an energiesparenden Lampen, erforschen mit Medizinern die Ursachen von Gefäßkrankheiten oder gestalten mit Maschinenbauern medizinisch-technische Geräte", berichtet die Wirtschaftswoche. Die Nachfrage nach physikalischen Querschnittsstudiengängen steigt deshalb, zum Beispiel Physik der Informatik oder medizinische Physik. Gute Chancen haben derzeit auch Nanotechniker, die an Computerchips werkeln.
Die Beispiele zeigen: Die Arbeitswelt der Zukunft erfordert viel Flexibilität, interdisziplinäres und interkulturelles Denken sowie den souveränen Umgang mit modernen Kommunikationsformen. Globalisierung, Klimawandel und moderne Technologien setzen neue Akzente, die junge Menschen schon während des Studiums im Blick haben sollten.


