In dieser Rubrik stellen wir Artikel und aktuelle Diskussionsthemen aus dem Bereich Hochschulpolitik & Bildung für Sie zusammen.

 

Charakterköpfe in der Uni-Bibliothek

Wer in der Bibliothek büffelt, ist dort von ganz bestimmten Zeitgenossen umgeben. Andreas Herzig hat sie bei ZEIT online typisiert – die Riege der Bibliotheksbenutzer mit ihren ganz speziellen Ticks. Zu welchen Schreibtischtätern gehören Sie? Wollen Sie am Ort des gesammelten Wissens assistiert von Ohrstöpseln den Lernstoff gewissenhaft aufsaugen? Oder haben Sie den Reiz der Bibliothek als Ersatz-Cafeteria und Flirtbörse für sich entdeckt? Lesen Sie nach…

Das Rudel
Das erste Phänomen, das Andreas Herzig von der ZEIT festgestellt haben will, kommt in Form des Rudels daher: Meist komplett männliche Grüppchen tauchen in der Uni-Bibliothek auf, um jede Minute zwischen den einzelnen Veranstaltungen zu nutzen: Die einen sichern die Tische, die anderen schwärmen aus und besorgen die nötige Literatur. Die neuesten Ausgaben, dazu noch alle verfügbaren Zeitschriften. Das eingespielte Team denkt an alles. Das Motto heißt: Gemeinsam sind wir schlauer.

Die Chaotin
Mit großen Vorsätzen wagt sie sich an den Lernstoff. Organisation: Fehlanzeige. Unzählige Bücher und Unterlagen stapeln sich am Arbeitsplatz, Zettel, Stifte, Blöcke, die im nächsten Augenblick geräuschvoll auf den staubigen Boden der Bibliothek rauschen. Versehentlich schleppt die Chaotin zusammen mit den eigenen Unterlagen das Inventar der Bibliothek aus dem Raum und löst den Alarm an den Magnetkontrollen aus.

Der Streber
Der Streber organisiert seinen Aufenthalt in der Uni-Bibliothek perfekt. Auf- und Abbau der Lernutensilien nehmen jeweils eine Viertelstunde in Anspruch. Akkurat warten Spitzer, Memo-Zettel und Lineal auf ihren Einsatz, der Laptop ist eingestöpselt: Eine perfekt optimierte Systematik. Erholungspausen sind präzise getimt, der i-Pod liegt dafür schon bereit. Geschwätzt wird nicht.

Die Entspannte
Bibliotheken sind nicht nur zum Lesen und Lernen da. Das weiß die Entspannte, die sich schon am frühen Morgen ein lauschiges Plätzchen sichert, um am Tag selten dorthin zurückzukehren. Schwätzchen, Kaffeepause, Mensabesuch – irgendetwas findet sich immer, um das Lernen auf morgen zu verschieben. Die Zeit am Platz wird dann gerne für SMS-Nachrichten und Flirtversuche verwendet.

Der Informierte
Nach Andreas Herzig ist der Informierte immer mit neuester Laptop- und Handytechnologie ausgestattet und schwört auf die brandneuen Lehrbuchausgaben. Artikel, die älter als drei Jahre sind, rührt der Informierte nicht an und nervt die Bibliothekspersonal mit seinem Pochen auf die neueste Ausgabe.

Die Hermetische
Sie will lernen. Ungestört. Jedes entstehende Geräusch wird deshalb mit einem Zischen quittiert. Fenster dürfen keinesfalls gekippt werden: "Schließlich hat sie den weiten Weg nicht gemacht, um sich von Vogelgezwitscher ablenken zu lassen." Sie nimmt ihr Studium ernst, will aber nicht als Streberin gelten und lässt sich deshalb kontaktfreudig auf Gespräche ein. Trifft sie eine Freundin, unterhält sie sich schon mal gerne – in der Bibliothek und nicht im Flüsterton.

Der Forscher
Er ist das Gegenstück zum Informierten und will den Dingen auf den Grund gehen. Am besten in der Erstausgabe aus dem 17. Jahrhundert. Denn für das Leben und nicht für die Uni will er lernen. „Egal ob Germanistik, Jura, Physik oder BWL: Der Forscher sucht nach den philosophischen Grundlagen seines Fachs.“ Dafür bekommt er von genervten Mitarbeitern schon mal einen Schlüssel für das Archiv nachgemacht.

Die Herde
Sie ist das weibliche Pendant zum Rudel und es gibt kein Entkommen: Küsschen hier, Küsschen da, die Utensilien werden auf den Tischen verteilt und die Handys werden auf lautlos gestellt, damit die ungestörte Unterhaltung beginnen kann. "Wo die Herde auftaucht, ist der Raum für den Rest des Tages erfüllt vom permanenten Flüsterpegel, denn die neuesten Neuigkeiten wollen schnellstmöglich ausgetauscht werden. Nach dem Lernen trabt die Herde geschlossen in die Cafeteria. Ein bisschen quatschen."

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