In dieser Rubrik stellen wir Artikel und aktuelle Diskussionsthemen aus dem Bereich Hochschulpolitik & Bildung für Sie zusammen.
Trainee-Programm voll im Trend
Trainee-Programme sind ein attraktiver Einstieg in das Berufsleben und werden bei Absolventen immer beliebter. Trainees steuern verschiedene Stationen eines Unternehmens an und bilden sich parallel weiter: ein eleganter Übergang von der Hochschule ins Berufsleben.
Was unterscheidet ein Traineeprogramm eigentlich vom klassischen Direkteinstieg? Typisch für den Direkteinstieg ist die Arbeit in einer festen Position in einem ganz bestimmten Team. Der Aufgabenbereich ist in der Regel schon definiert und der Einsteiger übernimmt vom ersten Tag an Verantwortung. Dieser Start ins Berufsleben ist besonders geeignet für Absolventen, die sich bei Praktika schon ausreichend orientieren konnten und genau wissen, wohin sie möchten.
Tour durch das Unternehmen
Bei einem Traineeprogramm arbeiten Sie dagegen nicht sofort in einer bestimmten Position, sondern starten einen Rundflug durch das Unternehmen – ideal für Berufseinsteiger, die nach einem breit gefächerten Studium noch nicht genau wissen, wo sie ihre Stärken am besten zur Geltung bringen können. Die junge Volkswirtin Sedef Cimsir macht ein Traineeprogramm bei einer der größten Privatbanken Deutschlands und ist erleichtert, dass sie im Gegensatz zu Direkteinsteigern noch nicht so unter Druck steht. „Das ist wie eine Art Welpenschutz“, sagt sie. Man darf viele Fragen haben und muss nicht sofort bestimmte Zahlen erfüllen. Der Trainee lernt außerdem von Anfang an, bereichsübergreifend zu denken, was gerade für zukünftige Führungskräfte wichtig ist. Genau diese auszubilden ist das Ziel vieler Programme. Bei manchen Unternehmen muss sich der Trainee allerdings auf eine Zielposition festlegen, bevor die Tour durch die einzelnen Bereiche beginnt.
Große Konzerne wie Daimler, Bosch, VW oder die Deutsche Bank haben Traineeprogramme schon vor 30 Jahren eingeführt. Es sind vor allem große Unternehmen, die Traineeprogramme als Alternative zum Direkteinstieg anbieten, aber der Mittelstand zieht allmählich nach. In einer aktuellen Studie des Staufenbiel Verlags geben 60 Prozent der Unternehmen an, künftig noch stärker auf Traineeprogramme setzen zu wollen.
Keine billigen Arbeitskräfte
In guten Traineeprogrammen sind Absolventen alles andere als billige Arbeitskräfte. In der Regel sind sie festangestellt. Das Einkommen liegt mit 35.000 bis 40.000 Euro ungefähr zehn Prozent unter dem von Direkteinsteigern. Betriebe geben für die Programme oftmals viel Geld aus und haben natürlich ein Interesse daran, die spezialisierten Fachkräfte für sich zu gewinnen. „Die sehen dich als Investment und wollen dich natürlich auch an das Unternehmen binden“, sagt Betriebswirt Micha Schnepf. Er konnte das 24-monatige Traineeprogramm im Verkauf beim Logistik-Dienstleister Kühne & Nagel sogar früher abbrechen, um eine feste Position zu übernehmen. Die Übernahme kann bei Traineeprogrammen oft nicht garantiert werden, die Chancen stehen aber sehr gut und das ist meist auch Ziel des Unternehmens.
Umfassende Ausbildung
Bestandteil vieler Programme sind nicht nur berufliche Projekte, sondern auch Fach- und Persönlichkeitsseminare zu Themen wie Teamarbeit, Präsentationstechniken, Führung oder Rhetorik. Manche Unternehmen stellen ihren Trainees in Mentorenprogrammen einen Betreuer zur Seite. Auch Micha Schnepf hatte bei Kühne & Nagel einen so genannten Paten. Die Programme überbrücken mit ihrem Ausbildungscharakter die Kluft zwischen Hochschultheorie und Berufspraxis. „Man muss von Anfang an selbstständig arbeiten und sich aktiv einbringen“, sagt Schnepf, aber gleichzeitig habe man noch eine Art Schonfrist.
Viel Zeit verbringen die Berufseinsteiger mit Team- und Gruppenarbeit, die Sache ist also nichts für Einzelkämpfer. Sedef Cimsir ist von den Seminaren und Schulungen bei ihrem Unternehmen begeistert. In ihrem Traineeprogramm seien es überwiegend Fachseminare, aber auch Schlüsselqualifikationen wie Präsentationstechniken werden trainiert. Sogar die Benimmregeln bei einem Viergänge-Menü waren Teil einer Schulung bei diesem Unternehmen. „Und das zahlt alles der Arbeitgeber“, erzählt Sedef Cimsir.
Ein großer Vorteil eines Traineeprogramms sind die Netzwerke, die man beim Rundflug durch verschiedene Bereiche knüpfen kann. „Ohne Netzwerke geht gar nichts“, sagt Schnepf, und sieht hier klare Vorteile für Trainees.
Begehrte Programme, großer Ansturm
Trainee-Programme werden immer beliebter, der Ansturm auf die wenigen Plätze ist groß. Bei Bosch bewerben sich jedes Jahr etwa 500 Absolventen für die 70 Plätze. Anspruchsvoll ist meistens auch der Bewerbungsprozess. Mit Onlinetests, Telefoninterviews und Assessment-Centern schauen sich die Personalverantwortlichen die Bewerber sehr genau an.
Wirtschaftswissenschaftler und Juristen werden zwar am meisten gesucht, aber auch Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler haben eine Chance.
Und woran erkennt man ein gutes Programm? Zu den Kriterien zählt der inhaltliche Aufbau, die Betreuung durch einen Mentor, gruppenbezogene Projekte sowie Seminare und Schulungen. Umfangreiche Informationen zu den Inhalten der Programme und zum Bewerbungsprozess finden Sie meist auf den Webseiten der Unternehmen.


