In dieser Rubrik stellen wir Artikel und aktuelle Diskussionsthemen aus dem Bereich Hochschulpolitik & Bildung für Sie zusammen.

 

Wettbewerbe und Rankings im Trend: Die Suche nach den Besten

Rankings sind eine populäre Form der Informationsquelle geworden. Vergleichbare Objekte werden nach bestimmten Kriterien verglichen und in eine Rangliste gebracht, was Ratsuchenden die Orientierung und Entscheidungsfindung erleichtern soll. Bei Rankings scheinen Informations- und Unterhaltungswert jedoch oftmals zu konkurrieren. Die Suche nach den Besten liegt im Trend.

 

Kürzlich wurden im Auftrag der Unternehmensberatung Potentialpark zum Beispiel die besten Karriereseiten im Netz gekürt. Unternehmen legen sich bei der Suche nach Spitzenkräften ins Zeug und buhlen mit attraktiven Web-Angeboten um gute Absolventen. Studierende und Absolventen haben die Karriereseiten von 102 Unternehmen bewertet und kamen zu dem Fazit, dass Kreativität und Information sich die Waage halten müssen. Spiegel Online hat die Rangliste veröffentlicht: Sieger wurde die Karriereseite der Deutschen Post. Die Deutsche Bank wurde mit ihrer Karriereseite als „Aufsteiger des Jahres“ gekürt. Insgesamt rangieren deutsche Firmen weit oben, berichtet Spiegel Online.

 

Auch welche Professoren Top oder Flop sind, ist seit einiger Zeit im Internet nachzulesen. Auf der Seite meinprof.de können Studierende ihre Hochschullehrer mit Noten bewerten, was Professoren bereits protestieren ließ. Auch bei diesem Projekt waren die USA der Ranking-Vorreiter: Das Vorbild war die US-amerikanische Seite RateMyProfessors.com.

 

Eine besondere Form von Rankings sind die Hochschulrankings, die den Versuch unternehmen, die Qualität von Forschung, Lehre und Studienbedingungen zu beurteilen und dabei Spitzenreiter, Auf- und Absteiger unter den Hochschulen festzustellen.

 

Seit Anfang der 1990er Jahre haben sich Hochschulrankings auch in Deutschland etabliert, nachdem sie vorher vor allem in den USA populär geworden sind. Die wichtigsten Rankings in Deutschland im Überblick:

 

  • CHE Hochschulranking
  • Spiegel
  • Focus
  • Handelsblatt
  • Karriere
  • Wirtschaftswoche
  • Capital
  • FAZ Hochschulanzeiger

 

Die wichtigsten weltweiten Rankings sind das „The Times Higher Education Supplement World Ranking“ und das „Academic Ranking of World Universities“ von der Jiao Tong Universität Shanghai.

 

Rankings in der Kritik

 

Sind Rankings für die Wahl einer Hochschule geeignet? Für angehende Studierende oder Hochschul-Wechsler handelt es sich um eine weitreichende Entscheidung. Es empfiehlt sich deshalb, ganz genau hinzusehen. Kritiker raten zur Vorsicht: Methodische Mängel, unzureichende Datengrundlagen und starke Verallgemeinerungen können die Aussagekraft eines Rankings in Frage stellen. Wichtig ist auch der Blick auf die Aspekte, die untersucht und verglichen wurden. Nicht alle Kriterien sind für den einzelnen Studierenden gleichermaßen wichtig. Die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen eines Instituts sagt zum Beispiel nicht unbedingt etwas über die Qualität der Studierenden-Betreuung aus. Auch die Urteile von Personalern, die sich auf die Erfahrungen mit Absolventen stützen, müssen nichts über die aktuelle Lehre und Entwicklung an einem Fachbereich aussagen. Ein grundsätzliches Problem ist hier die zeitliche Verzögerung. Aktuell ist dies auch hinsichtlich der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge brisant. Die Studiengänge haben drastische Umstellungen erfahren: Was vorher ein guter Diplom-Studiengang war, muss heute kein empfehlenswerter Bachelor-Studiengang sein und umgekehrt.

 An jedes Ranking muss also die Frage gestellt werden: Was genau wird verglichen und welches Gewicht hat dies für einen persönlich? Zu beachten ist auch, ob auch objektive Fakten erhoben wurden oder ausschließlich subjektive Einschätzungen, zum Beispiel von Studierenden oder Professoren. Gerade bei persönlichen Befragungen besteht bei Rankings prinzipiell die Gefahr der Manipulation und der Verlockung, die eigene Hochschule „hochzuranken“. Zu unterscheiden ist auch zwischen einem allgemein postulierten Ruf einer Hochschule und ihren Stärken und Schwächen in einzelnen Fächern. In der Regel hat jede Hochschule ihr eigenes Profil, das mit Vor- und Nachteilen in den einzelnen Fachbereichen einhergeht. Pauschale Bewertungen oder der so genannte Ruf einer Hochschule sollten daher mit Vorsicht genossen werden.

 

Die Stärke von Rankings liegt in ihrer stetigen Wiederholung. So lassen sich zumindest in Bezug auf die untersuchten Parameter Veränderungen ablesen.

 

Ein Beispiel für die teilweise fragwürdige Aussagekraft von Hochschulrankings ist das weltweite Ranking „Academic Ranking of World Universities“, bei dem großer Wert auf die Zahl von Veröffentlichungen gelegt wird. Dies bezieht sich jedoch vorrangig auf Veröffentlichungen in englischer Sprache und es nimmt daher wenig Wunder, dass deutsche Universitäten bei diesem Ranking nicht vorne liegen und sich ausschließlich englisch-sprachige Hochschulen an der Spitze befinden. Gleiches gilt für das das THES Ranking, berichtet studis.online.

 

Business Schools im Konflikt mit Rankings

 

Nicht nur die Aussagekraft, sondern auch die Folgen von Rankings sind zu diskutieren. Ein Beispiel hierfür ist der MBA-Markt, auf dem Rankings einen extrem hohen Stellenwert haben. Spiegel Online berichtet, hier zeichne sich ein kollektiver Widerstand ab: Schon 2004 hatten die Wharton School und die Harvard Business School sich dazu entschieden, sich nicht mehr aktiv an den Rankings zu beteiligen. Die ständigen Nachfragen hätten zu Beschwerden geführt, doch noch problematischer seien die Auswirkungen der Rankings auf die Programme selbst, sagt Wharton-Chef Patrick Harker gegenüber Spiegel Online: „Wir müssen unsere Stärken selbst finden und dürfen uns nicht nur darauf stützen, was andere über uns sagen“. Wer sich nur nach Rankings richte, verliere seine Moral und Autorität. „Statt den Studenten bei der Auswahl des richtigen Programms zu helfen, sorgen Rankings für noch mehr Verwirrung“, gibt John J. Fernandes, Leiter der Akkreditierungsorganisation AACSB, gegenüber Spiegel Online zu bedenken. Zudem sei es längst es ein offenes Geheimnis, dass jene Schulen besser abschneiden, die ihre Daten geschickt frisieren. Das betrifft vor allem die Gehaltsangaben der Absolventen.

 

Die Fixierung auf das Gehalt ist nach Spiegel Online auch einer der größten Kritikpunkte am weltweiten Ranking der „Financial Times“. Die Bewertung hinge dort zu 40 Prozent vom Gehalt ab. Dies macht den Vergleich zwischen amerikanischen und europäischen Business Schools sehr schwierig.

 

Inzwischen gibt es Verbesserungsvorschläge von der europäischen AACSB-Arbeitsgruppe. Künftig sollen auch europäische Veröffentlichungen berücksichtigt werden. Ebenso soll es einen länderspezifischen Koeffizienten geben, der beim Vergleich der Gehälter Sozialabgaben und Urlaubstage berücksichtigt.

 

Wie können Studierende mit Rankings umgehen?

 

Rankings können Anhaltspunkte über die Hochschulen liefern, die in die engere Wahl kommen. Die Entscheidung wo man studieren möchte, sollte man jedoch nicht allein von Ranglisten abhängig machen. Werfen Sie einen Blick auf die untersuchten Parameter und bringen Sie in Erfahrung, wie methodisch vorgegangen wurde. Achten Sie vor allem auf Aspekte, die Ihnen persönlich an einer Hochschule wichtig sind. Ein Ranking kann dabei hilfreiche Informationen liefern, ersetzt aber den persönlichen Eindruck nicht. Informieren Sie sich auch direkt an den Hochschulen über die Angebote und machen Sie sich ein eigenes Bild. Bei der Entscheidung für eine Hochschule spielen viele Faktoren, auch ganz persönliche, eine Rolle.

 

Lesen Sie dazu einige persönliche Statements von Studierenden! 

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