07. Januar 2010, Aktuelle Nachrichten, Studienfinanzierung
Studienfinanzierung in Deutschland weiter ungerecht
Im Jahr der Agenda 2010 stellt sich die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit. Bei steigender Lohnungleichheit und staatlichen Transfers, die nicht den Ausgleich zwischen armen und reichen Bevölkerungsgruppen fördern, werden das bestehende System und die Rolle des Staates weiter diskutiert. Die aktuelle Studienfinanzierung in Deutschland führe eher zu einer „Umverteilung nach oben“, so Dr. Karen Horn, Volkswirtin und Leiterin des Hauptstadtbüros des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, im Interview mit dem Deutschlandradio. Von Gerechtigkeit sei hier nicht viel zu spüren.
Marc Brost, Wirtschaftsredakteur des Hauptstadtbüros der ZEIT, fordert vom Staat eine vorsorgliche Förderung für finanziell benachteiligte Kinder. Wenn der Staat erst nachsorgend eingreife, sei die Chancenungleichheit schon weiter fortgeschritten. Horn hält dem entgegen, dass der Wohlfahrtsstaat nicht ausufern dürfe, da der Einzelne sich dann nicht mehr der Eigenverantwortung bewusst sei. Das Ziel sei demnach nicht die soziale Gleichheit für Alle, da dies das Engagement der Einzelnen drücken würde.
Jeder soll aber die gleichen Rechte und die gleichen Chancen haben – darin sind sich die meisten einig. Doch sobald es um Ergebnisgerechtigkeit geht, entsteht ein Streitpunkt. Materielle Gleichheit sei zwar messbar, aber unrealistisch, da der Mensch sich stets mit anderen vergleicht und danach strebt, mehr zu besitzen.
Norbert Bolz spricht in seinem Buch "Profit für alle. Soziale Gerechtigkeit neu denken" vom „Sozialkapitalismus“ oder „sorgenden Kapitalismus“. Damit fordert der Autor eine Debatte über die Moral des menschlichen Miteinanders. Der Sinn des Lebens bestehe nicht aus Materiellem, sondern aus der Gemeinschaft.
Was die Studienfinanzierung in Deutschland betrifft, habe die schwarz-gelbe Regierung noch einiges zu tun. Hier spielt das Materielle immer noch eine entscheidende Rolle. Denn unzureichende finanzielle Mittel begrenzen die Studienmöglichkeiten. Der Staat solle bewusst Chancen erzeugen für solche, die sonst keine Chance auf Bildung haben, meint Marc Brost.


