Kurz durchatmen und dann weg damit

Wie richtiges Aufräumen das Studieren und Leben verändern kann.

von Stefanie Müller

Auf dem Boden stapeln sich Papierberge, über dem Stuhl türmen sich Klamotten, die Regale sind so vollgestopft, dass Dinge nur noch quergelegt darin Platz finden. Vielleicht finden sich an verschiedenen Stellen in der Bude noch etwas Kleingeld, unter dem Bett fristet eine löchrige Socke neben einer alten Pizzaschachtel ihr staubiges Dasein und im Bad fallen dir angebrochene Pröbchen entgegen, wenn Du den Schrank aufmachst?

So oder so ähnlich sieht es bei dir aus? Wenn du dich davon nicht beeinträchtigt oder gebremst fühlst: Herzlichen Glückwunsch, dann lass es so. Vielen Menschen aber geht das Chaos insgeheim auf den Wecker. Und einige merken schon gar nicht mehr, dass ihre Aufschieberitis, ihre Ziellosigkeit und ihr Stress etwas mit der äußeren Unordnung zu tun hat, die auch jede innere Klarheit verhindert. 
Aufräumen kann das Leben verändern. Aber es muss richtig geschehen. Das sagt die Japanerin und Ordnungs-Fanatikerin Marie Kondo in ihrem Buch „Magic Cleaning“, das wir allerwärmstes empfehlen.

Die wenigsten haben Aufräumen gelernt
„Erst einmal aufräumen“. Der Gedanke kommt dir bekannt vor, wenn du eigentlich für die Statistik-Klausur lernen musst? Was wäre, wenn es schon aufgeräumt ist und sich dieser Zustand dank der richtigen Methode auch nicht wesentlich verändert? Welche Energien, Ideen und Entscheidungen werden in dir freigesetzt, wenn du nicht mehr „erst einmal aufräumen“ musst? Und das gefühlt jeden Tag und immer wieder? Ein spannendes Experiment.

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Das Problem: Richtig aufräumen haben die wenigsten gelernt. Und die Erinnerungen an wütende Elternteile, die tadelnd im Türrahmen des Kinderzimmers stehen, weil es schon wieder aussieht wie bei Hempels unterm Sofa, machen das Aufräumen nicht zu dem Fest, das es nach Marie Kondo eigentlich sein könnte. Es ist lästig. Und dann auch noch ein Endlos-Projekt, die reinste Sisyphos-Arbeit! 

Erst Ausmisten, dann aufräumen
Das muss nicht sein, wenn man dem entscheidenden Prinzip der ausgefuchsten Japanerin folgt: Erst wegwerfen, dann aufräumen. Wir wiederholen das in diesem Artikel nicht so oft, wie sie das in ihrem Buch tut, aber noch einmal: Erst wegwerfen, dann aufräumen. Und damit ist nicht nur der offensichtliche Müll gemeint. Richtig aufräumen bedeutet nicht, all die Dinge, die wir nicht brauchen und die uns nicht glücklich machen, hin und herzuschieben oder in Schubladen unsichtbar zu machen.
Die meisten von uns belasten sich mit zu viel Zeug, oft eine Folge von fragwürdigen Glaubenssätzen. Geschenke muss man behalten, auch wenn sie grauenvoll sind. Bücher darf man nicht wegwerfen. Was man eines Tages eventuell gebrauchen könnte, das behält man am besten.

Solche Haltungen zu hinterfragen, kann der erste Befreiungsschlag auf dem Weg zu einem schönen Zuhause sein, das einen dabei unterstützt, klarer und effizienter zu arbeiten und zu studieren und vor allem: sich wohler zu fühlen. Das Charmante an der Methode ist: Einmal richtig und gründlich aufräumen reicht. Danach tut man Dinge nur noch an ihren Platz.

Der zweite wichtige Grundsatz, der sich von gängigen Ordnungstipps deutlich abhebt: Keine Räume oder Schränke aufräumen, sondern Dinge. Und zwar fein säuberlich nach Kategorien geordnet. Erst kommen die Klamotten dran, dann Papierkram, Bücher und zum Schluss persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke. Wir zerren die Dinge aus allen Ecken, wo sie lauern, werfen sie auf einen Haufen und dann geht es los. Nacheinander. Kategorie pro Kategorie.

Macht es dich glücklich?
Bei Marie Kondo klingt es etwas esoterisch, sie rät aber trotzdem eindringlich dazu, es auf diese Weise zu probieren: Nimm jedes Teil, und zwar wirklich jedes einzelne Teil in die Hand, halte kurz inne und frage dich: Macht mich das glücklich? Falls nein: Weg damit. Weil diese Entscheidung gar nicht so leicht zu treffen ist, rät Marie Kondo dazu, die Kategorien in einer bestimmten Reihenfolge abzuhaken, um in Übung zu kommen. Am leichtesten ist es, mit den Klamotten zu beginnen. Wenn auf diese Weise ein bis drei Drittel deiner Kleidung wegfallen, wäre das kein Wunder. Wie viele schlecht sitzende Hosen ziehst du doch nie an? Wie gerne trägst du das T-Shirt, dessen Farbe dir nicht so ganz steht?

Es ist radikal, das alles wegzugeben (an Bedürftige zum Beispiel). Aber du hast es verdient, Sachen zu tragen, die du richtig magst und die dich besonders gut aussehen lassen. Auf wie viele Dinge in deinem Schrank trifft das wirklich zu? Vorteil ist: Die Ausmist-Aktion wird große Lerneffekte haben. Einmal vor Augen geführt, wie viele Klamotten du doch nie oder nicht gerne angezogen hast, wirst du auch in Zukunft lieber schöne Lieblingsstücke von guter Qualität kaufen und dabei eine Menge Geld sparen.

Konsum neu denken
Auch die anderen Kategorien von Dingen kannst du dir nach diesem Prinzip vornehmen. Kondo sieht manches haarsträubend radikal. Dabei ist ihr Buch gerade für diejenigen eine Offenbarung, die NICHT gerne aufräumen und die es hassen, sich ständig mit komplizierten Ordnungsprinzipien zu befassen. Dazu ist es vielleicht nötig, sich von seinen gewohnten Urteilen zu lösen. „Das kann nicht weg!“. Wirklich? So wandern nach dem Nachdenken oder besser gesagt „Nachfühlen“ vielleicht sogar alte Uni-Skripte und überholte Lehrbücher in den Müll, von denen wir einfach gewohnheitsmäßig dachten, sie müssten aufgehoben werden. Auch hier wirst du vielleicht ein besseres Gefühl für dein zukünftiges Konsumverhalten bekommen.

Es ist zum Beispiel erstaunlich, wie viele Bücher ungelesen bleiben, wenn man sich ihnen nicht sofort widmen konnte. Was also erst nach einem Auswuchs der Wegwerfgesellschaft klingt, kann unser Kaufverhalten und unsere Wünsche nach Dingen vielleicht nachhaltig verändern.

Auch für Papierkram hat die Japanerin oft erschreckend simple Lösungen: Marie Kondo hebt noch nicht einmal Kontoauszüge und Gehaltsabrechnungen auf. Garantiescheine für Elektrogeräte wandern unsortiert in eine Box oder Hülle, ohne viel Zeit beim Ordnen und Abheften zu verwenden. Sollte der unwahrscheinliche Fall auftreten, einen Garantieschein tatsächlich zu brauchen, kann man dann auch fünf Minuten in der besagten Box wühlen.

Mit solchen und anderen Tipps wirbelt Kondo alles auf, was wir über Aufräumen und gute Ordnung zu wissen glaubten. Wir brauchen dazu keine vorgefertigten Ordnungssysteme mit ausgeklügelten Boxen, Heftern und Fächern. Sondern erst einmal ein paar Müllsäcke. Richtig viele Müllsäcke.

Zum Schluss: der feste Platz
Es gibt Menschen, die können sich leicht von unnützen Dingen trennen. Mülleimer auf und weg damit, lautet ihr Motto. Manchmal bereuen sie es hinterher, weil sie nicht achtsam genug nachgespürt haben. Diese leichtmütigen Wegwerfer sind aber noch lange keine aufgeräumten Zeitgenossen. Denn wenn maximal der Haustürschlüssel einen festen Platz hat und sonst nichts, ist auch mit dem reduzierten Bestand bald wieder der Teufel los. Dinge, von denen man nicht weiß, wohin sie gehören, landen dann auf der freien Regal-Oberfläche, die letzte Woche erst so schön befreit wurde. Der unerlässliche letzte Schritt ist demnach: Alles muss einen festen Platz bekommen. Und zwar wirklich alles.

Da wir, wenn wir vom Werkstoffhof und der Altkleidersammlung zurückgekommen sind,  im Idealfall nur noch von nötigen oder heiß geliebten Dingen umgeben sind, ist die Bestimmung eines festen Platzes gar nicht mehr die Mammutaufgabe, nach der es jetzt klingt.

Richtiges Aufräumen ist kein herzloses Wegwerfen. Es ist genau anders herum: Die Dinge bekommen die Aufmerksamkeit, die sie brauchen. Wir werden bewusster damit und dankbarer für ihre Existenz. Wir haben nicht nur mehr Zeit zum Studieren, Arbeiten, Leben. Sondern auch mehr schönen Platz dafür, der auch neuen Entwicklungen Raum gibt. „Wer bin ich heute? statt: Wer war ich gestern?“

Marie Kondo. Magic Cleaning. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. rororo 2015.

 

 

Kommentare

Stefanie
13.02.2017 | 12:03

Test

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