"Arbeit sollte wieder als ein kollektiver, gesellschaftlicher Beitrag wahrgenommen werden."

Der 35-jährige Daniel Thorpe promoviert in "Science and Technology Studies" an der University of Edinburgh. Lange Zeit wollte er Pilot werden und entdeckte dann die interessante Verbindung zwischen Luftfahrt und Ethnologie.

Warum hast Du Dich für Dein Studienfach entschieden?

Nach einem Studium der Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie) und einer vorangegangenen Berufsausbildung im Bereich der Luftfahrt habe ich gemerkt, dass mich beide Bereiche faszinieren und nicht loslassen. Glücklicherweise habe ich auch festgestellt, dass sich interessante Forschungsfragen ergeben, wenn man beide Gebiete miteinander verknüpft.

Nachdem sich dann bei mir ein Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen zum Themengebiet der Luft-und Raumfahrt herausgebildet hat, boten sich vor allem ein Aufbaustudium und Promotion in Science and Technology Studies als eine sinnvolle und bereichernde Erweiterung an.

Hast Du ein Auslandssemester absolviert? Wenn ja, wo und was hast Du erlebt?

Ich habe kein Auslandssemester absolviert, habe jedoch in Deutschland und Großbritannien studiert. 

Was würdest Du über Deine Studienzeit in Deinen Memoiren schreiben?

Während des Studiums habe ich viele Menschen kennengelernt, deren Persönlichkeit und Wissen meinen Horizont erweitert haben und immer noch erweitern, denn es haben sich tiefe Freundschaften entwickelt. In diesem Zusammenhang haben die Begegnungen und Anforderungen im Studium auch meine Fähigkeit verbessert, Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Das hilft nicht nur mit Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch im alltäglichen Leben. 

Was ist für Dich das Wichtigste, was Du bisher in Deinem Leben gelernt hast?

Ich habe vor allem gelernt, dass es mit der Erkenntnis so eine Sache ist. Ich habe gelernt, geduldiger und gelassener zu sein und auch meine eigenen Grenzen zu akzeptieren – und daraus auch Stärke zu ziehen. 

Was ist Dir bei Deinem (zukünftigen) Arbeitgeber wichtig?

Aufgeschlossenheit gegenüber (vermeintlich) gegensätzlichen Ansichten und unterschiedlichen Ansätzen in der Problemlösung – Flexibilität und gleichzeitig Integrität. 

Wie würdest Du deine Persönlichkeit in einem Vorstellungsgespräch kurz selbst beschreiben?

Suchend, stets beeindruckt und zugleich auch häufig verwundert. 

Wie sieht für Dich die Zukunft der Arbeit aus, was wird/soll sich ändern, was soll bleiben?

Arbeit im Sinne von Erwerbstätigkeit sollte wieder verstärkt als ein kollektiver, gesellschaftlicher Beitrag wahrgenommen werden. Dementsprechend sollte auch die häufig verwurzelte Vorstellung einer einfachen Arbeitgeber-ArbeitnehmerDichotomie entschärft werden.
Welche Möglichkeiten gibt es, vorhandene aber häufig verborgene Wege der Partizipation, des Lernens und der Teilung von Verantwortung in der Arbeitswelt (für alle) besser zu kennzeichnen, zu debattieren und zu optimieren? 

Welchen Traumberuf hattest Du als Kind?

Weit über das Kindesalter hinaus habe ich mich recht klassisch im Cockpit einer Boeing 747 gesehen. 

Wie sieht Dein Traum vom Arbeiten jetzt aus?

Suchen, Ideen sammeln, austauschen, entdecken und an einem gemeinsamen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung arbeiten. 

Welche Werte sind Dir wichtig?

Integrität, Aufrichtigkeit, Unvoreingenommenheit und Toleranz – und vor allem auch für letztere einzustehen. 

Wie würde der Titel Deiner Memoiren lauten?

“I have more questions than I ever had before” (including this one) 

Deine Meinung in einem Satz – zu: 

Studium: ist ein hohes immaterielles Gut, das es zu schützen gilt. Der Zugang zu Bildung darf niemandem aufgrund von Herkunft und finanzieller Lage verwehrt werden.
Zukunft: ist immer ein kollektiver Akt zu dem jede/r stets durch Handlungen beiträgt. 
Geld: in der heutigen Form - hat einen zu großen Einfluss auf viele der hier genannten Aspekte (zum Beispiel das Studium). 
Arbeit: ist ein kollektiver Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung. 
Generation Y: ist eine seltsame Kategorie, die möglicherweise von wichtigen Fragen und Komplexitäten ablenkt. 
Freiheit: ist Arbeit und muss immer neu verhandelt und geschaffen werden.
Sicherheit: ist relativ, und gefühlte Sicherheit doch Voraussetzung für vieles. 
Glück: ist, in den unendlichen Weiten geboren worden zu sein und leben zu dürfen. 

 
So kannst auch du dein Studium von der Deutschen Bildung fördern lassen.