Coronavirus: Wie gehen deutsche Studenten in China mit der Ausnahmesituation um?

Viele deutsche Studenten haben wegen des Coronavirus China verlassen

Rund 8.000 Studenten studieren jedes Jahr in China. Die meisten von ihnen haben das Land in den vergangenen Wochen wegen des Coronavirus verlassen. Wie geht es jetzt weiter für sie?

David* hatte Glück: Er hatte schon zu Beginn seines ersten Semesters in der Provinz Guangdong im August 2019 einen Rückflug für Mitte Januar gebucht. Damals ahnte noch niemand, dass ein Virus das ganze Land lahm legen würde.

Über 78.000 Menschen haben sich bereits mit dem sogenannten Coronavirus angesteckt. Seit Ende Dezember verbreitet sich das Virus aus der Stadt Wuhan über das ganze Land und um die Welt. Der Ausnahmezustand, der wegen der rasanten Verbreitung des Virus verhängt wurde, betrifft auch die circa 8.000 deutsche Studenten und Studentinnen in China. Die meisten von ihnen bekamen im Laufe des Januars eine Nachricht ihrer Universität, dass sich der Beginn des neuen Semesters verschiebt.

Online-Seminare verhindern kompletten Semesterausfall

Am 27. Januar wurde dann offiziell bekannt gegeben, dass das Sommersemester bis auf Weiteres verschoben wird. Doch nicht nur die Vorlesungen verzögern sich, das Virus hat auch Einfluss auf das alltägliche Leben. Die meisten Unis mussten ihren Studenten und Mitarbeitern auch mitteilen, dass sie nicht auf den Campus zurückkehren können.

Obwohl David jetzt nicht wie geplant in China studieren kann, ist es ihm wichtig, zu erzählen, wie gut und schnell seine chinesische Uni auf die Aufnahmesituation reagiert hat. „Ich finde die Medien berichten sehr einseitig und hauptsächlich negativ über China. Ich möchte, dass sich alle daran erinnern, dass die Menschen dort sehr unter der Situation leiden.“

Einige wenige seiner internationalen Kommilitonen sind auf dem Campus geblieben und leben dort in Quarantäne. „Sie werden dort seitens der Universität gut versorgt. Ich bin froh, dass die Uni schnell reagiert hat und es uns über Online-Seminare ermöglicht, trotz allem weiterzustudieren. Ich nehme einfach von Deutschland aus an den Veranstaltungen teil und werde zwei Wochen, bevor eine Rückkehr nach China möglich sein wird, benachrichtigt.“

Doppelte Miete

In Shanghai und Peking gibt es bisher im Vergleich zu Wuhan, wo das Coronavirus vor etwa zwei Monaten ausgebrochen ist, zwar nur 300-400 Fälle. Trotzdem reagieren die Universitäten auch hier mit den gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie in Wuhan.

Einer anderer Geförderter vor Ort berichtet, dass viele Studenten sich ein Zimmer außerhalb des Campus suchen mussten und jetzt zwei Mieten zahlen müssen, eine für das nicht betretbare Zimmer auf dem Campus und eine für das Zimmer außerhalb.

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Am fünften Februar forderte beispielsweise der DAAD (Deutsche Akademische Auslandsdienst) seine Stipendiaten auf, China zu verlassen. Die meisten internationalen Studenten haben seitdem das Land verlassen und warten in ihrer Heimat auf Entwarnung. Ausländische Studenten, die in China geblieben sind, müssen sich laut DAAD jeden Tag bei einem Betreuer melden und über ihren Gesundheitszustand informieren.

Auch das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach China und ruft alle deutschen Staatsbürger dazu auf, sich bei einem Chinaaufenthalt vorsorglich in eine Krisevorsorgeliste einzutragen.

*Name durch die Redaktion geändert