Die Finanzfrage: Kann ich als Student Geld anlegen?

Studium und Geldanlage – das passt auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen. Sollte man nicht erstmal ordentlich Geld verdienen, um es vermehren zu können? Doch es gilt die Devise: Kleinvieh macht auch Mist. Unser Senior Berater und Finanzspezialist, Michael Zink, hat im Interview verraten, worauf du bei den ersten Schritten in Richtung Vermögensaufbau achten solltest.

Kann es sich für Studenten tatsächlich lohnen, Geldanlagen zu tätigen? Das funktioniert doch erst, wenn man richtig gut verdient – oder?

In früheren Zeiten kannte man noch den sprichwörtlichen „Sparstrumpf“ und den „Notgroschen“. Unsere Großeltern haben stets etwas vom verfügbaren Einkommen abgezwackt, um damit Anschaffungen zu bestreiten. Mit dem Aufkommen der Konsumgesellschaft wurden Kreditfinanzierung und der „Kauf auf Pump“ salonfähig. Das führt bei vielen Haushalten zu einer hohen finanziellen und psychologischen Belastung trotz historisch niedrigen Kreditzinsen.

Darum solltest du im ersten Schritt dein Ausgabeverhalten prüfen. Ist diese Anschaffung wirklich notwendig oder kann ich mir das Geld „sparen“? Jede Ratenzahlung verringert deinen finanziellen Spielraum – dagegen ist jeder angelegte Euro ein Schritt hin zu deinem (kleinen) Vermögen.

Sparpläne kann man schon mit sehr kleinen Beiträgen abschließen. So ein Sparplan sorgt auch dafür, dass du dich nicht monatlich zwingen musst, etwas beiseite zu legen. Der Vermögensaufbau geschieht quasi automatisch. Allerdings solltest du auch wissen, dass sich das angesparte Geld im aktuellen Zinsumfeld nicht durch Zins und Zinseszins vermehrt. Um wirklich Geld mit Deinem Geld zu verdienen, musst du notwendigerweise mehr Risiko in Kauf nehmen, denn „keine Mehrrendite ohne Mehrrisiko“.

 Worauf sollten Studenten bei der Geldanlage achten?

Zunächst ist es wichtig, dass du dir über deine Ziele klar bist. Willst du später ein Haus besitzen und deine zukünftige Familie absichern, dann wirst du eher konservativ sparen. Willst du für das Alter vorsorgen, wirst du von deinem verfügbaren Geld etwas in Versicherungen (Pflegezusatzversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Lebensversicherung) investieren. Vielleicht denkst du heute noch nicht an Rente oder Pflege. Wer aber frühzeitig mit diesen Versicherungen beginnt, kann viel Geld bei den Beiträgen sparen, denn je später der Versicherungsbeginn, umso teurer wird dieser Schutz. Die häufig vorgeschriebene Gesundheitsprüfung schaffst du mit Mitte 20 auch leichter als ein ergrauter „Best Ager“.

Welche Investitionen kommen in Frage?

Auch hier kommt es darauf an, welcher Anlegertyp du bist und was du mit den Investitionen erreichen willst. Sparbuch und Tagesgeldkonten scheiden wegen der Nullzinsen aus. Beiträge in Versicherungen (siehe oben) sichern dich gegen Risiken ab und wirken wie ein Sparplan. Anlagen in Aktien und Aktienfonds sorgen langfristig für Wertzuwachs, aber man trägt das Risiko, dass die Kurse schwanken und der Wert des eingesetzten Geldes sich auch mal verringern kann, wenn die Börsen schwächeln. Historisch und langfristig betrachtet sind Investitionen in Aktienfonds oder Aktien-ETFs aber immer noch die sicherste Wette auf Wertzuwachs beim angesparten Vermögen. 

Wie viel Geld sollte mindestens investiert werden?

Für die meisten Studenten gilt sicher: Geld ist knapp und wird lieber (oder gezwungenermaßen) für andere Dinge ausgegeben als für Sparpläne und Versicherungen. Wieviel Geld du investieren kannst hängt von deinen individuellen Zielen und von deiner beruflichen Situation ab. Wenn du einen Beruf mit relativ hoher Arbeitsplatzsicherheit und stabilem Einkommen anpeilst, wirst du anders sparen als jemand, dessen berufliche Situation unsicher ist und der schwankende Einkommen erwartet. Wenn du Verantwortung gegenüber anderen trägst, solltest du ebenfalls konservativer agieren als wenn du nur für dich verantwortlich bist und dadurch mehr Risiko ertragen kannst. Die sogenannte 50/30/20 Methode kann hier allenfalls eine gute Richtschnur sein, wenn du nach dem Einstieg in den Job über ein regelmäßiges Einkommen verfügst.

Danach sollst du 50% deiner verfügbaren Einnahmen für Fixkosten (das sind Miete, Wasser, Heizung, Strom, Versicherungen) vorsehen. Ist dieser Anteil über 50%, wäre das ein Hinweis darauf, dass deine Fixkosten zu hoch sind.

Für Haushaltskosten gibst du bitte nicht mehr als 30% deines monatlichen Einkommens aus. Damit kaufst du Lebensmittel, Eintrittskarten, Klamotten oder gehst mal wieder zum Friseur. Die restlichen 20% sollst du idealerweise sparen. Und weil die Versuchung jeden Monat groß ist, diese 20% dann doch für andere und schönere Dinge auszugeben, richtest du am besten einen Sparplan mit Dauerauftrag ein.

Diese 20% Sparquote sind in aller Fairness aber ein Idealwert. Wer in einer Metropolregion studiert und lebt wird aufgrund der Mietkosten nur sehr schwer die 50/30/20 Methode durchhalten. Aber selbst kleinere Beträge machen langfristig reicher und ersparen dir den Gang an den Kreditschalter, wenn dann doch mal eine größere Anschaffung fällig wird.      

Welche Risiken gibt es und wo können sich Studenten zu passenden Geldanlagen informieren?

Informationen zur Geldanlage gibt es natürlich bei allen Banken und Sparkassen. Aber auch unabhängige Beratungsstellen an den Hochschulen können weiterhelfen. Kostenlos wäre auf den ersten Blick auch ein Finanzberater. Da diese aber in der Regel von einer Verkaufsprovision leben, ist die Beratung zumindest nicht „unabhängig“. Zu guter Letzt findet man zu fast jeder Frage auch eine Antwort im World Wide Web – hier lohnt es sich aber querzulesen, denn das dort geäußerte Halbwissen hat schon manchen unbedarften Investor sehr viel Geld gekostet.

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