Erster Welttag des Hochschulzugangs

Interview mit Anja Hofmann

Zum ersten Mal findet am 28. November 2018 der erste Welttag des Hochschulzugangs statt. Die Aktionen dazu sollen weltweit darauf aufmerksam machen, dass der Zugang zu höherer Bildung nicht für alle möglich ist, die studieren möchten und können. Anja Hofmann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bildung, beantwortet im Interview die Frage, warum ein chancengerechter Zugang zur Hochschule wichtig ist.

Die Organisation ArbeiterKind fragt am Welttag des Hochschulzugangs 2018, warum ein chancengerechter Zugang zur Hochschule wichtig ist. Anja Hofmann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bildung antwortet und erklärt, warum es dabei um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft geht. 

​​​​​​​Warum ist dir ein chancengerechter Zugang zur Hochschule wichtig?

Der Zugang zu einem Studium kann und darf nicht mehr länger an der Herkunft des Einzelnen abhängen. Das ist für denjenigen, der gerne studieren möchte und dafür auch alle Voraussetzungen mitbringt, sehr unfair. Aber es ist auch für uns als Gesellschaft fatal, wenn talentierte, motivierte Menschen nicht studieren, obwohl sie es könnten, denn Bildung ist der einzige Rohstoff, den wir besitzen. Um in einer digitalen und globalen Zukunft erfolgreich bestehen zu können, brauchen wir top ausgebildete Menschen. 

Wie entscheidend sind Aktionen wie der Welttag des Hochschulzugangs, der in diesem Jahr das erste Mal stattfindet?

Das sind sehr wichtige Aktionen, von denen wir noch mehr brauchen, denn es ist erschreckend, wie wenig präsent das Thema der Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem ist. Sogar viele Bildungsakteure wie Hochschulprofessoren und Lehrer sind fest davon überzeugt, dass wir in Deutschland kein Problem mit dem chancengerechten Hochschulzugang haben. Das sind Experten, die eine maßgebliche Rolle bei der Gestaltung und der Umsetzung von Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem spielen. Wenn nicht einmal ihnen die Thematik präsent ist, braucht es noch sehr viele Aktionen.

Was sind deiner Meinung nach die Gründe, dass in Deutschland der familiäre Hintergrund immer noch einen so starken Einfluss auf den Bildungsweg hat?

Das ist, meiner Meinung nach, ein sehr komplexer Zusammenhang. Es hat sicherlich einerseits mit dem immer noch weit verbreiteten Verständnis zu tun, dass Bildung in Deutschland ja kostenfrei sei und es daher ja auch keine Probleme geben könnte, dass Kinder und junge Menschen wegen ihrer Herkunft ausgeschlossenen werden könnten, weil sie sich Bildung nicht leisten könnte. Fakt ist jedoch, dass Kita-Plätze in vielen Regionen mehrere Hunderte Euro monatlich kosten, sodass sich das viele Familien nicht leisten können.

Es geht weiter mit Kosten für Betreuung nach der Schule. Für den Hochschulzugang ist es zwar korrekt, dass wir in Deutschland keine Studiengebühren erheben, doch lässt das völlig außer Sicht, dass sich Studierende auch das Leben ohne Einkommen, höchstens mit einem Nebenjob, leisten können müssen. Mit durchschnittlichen 800 Euro pro Monat, die ein Studierender durchschnittlich im Monat zum Leben braucht, wird das Thema Geld zum Kriterium, ob und auch wie ein junger Mensch studieren kann.

Die rasant ansteigenden Mieten in fast allen Hochschulstädten in den letzten Jahren und auch die immer stärker werdende Anforderung von zukünftigen Arbeitgebern, dass man eine Zeit lang im Ausland studiert haben sollte, üben weiteren finanziellen Druck auf Familien und Studierende aus. Hinzu kommen für Deutschland soziologische Aspekte, dass Bildungswege in den letzten Jahrzehnten sehr häufig "vererbt" werden, und Kinder nicht selten weder von Eltern noch von Lehrern dazu ermutigt werden, den für sich besten Ausbildungsweg zu gehen, eben unabhängig von den Bildungsbiographien der Eltern. Das geschieht sicherlich überhaupt nicht in einer bösen Absicht, sondern vielmehr aus "gut gemeinten" Gründen, dass man meint, das eine oder andere Kind könnte ohne elterliche Unterstützung nicht den nächsten Bildungsabschnitt absolvieren. So findet bereits sehr früh beim Übergang in die weiterführende Schule eine sehr harte Selektion statt, die sich beim Übergang zur Hochschule fortsetzt.

Was muss getan werden, um den Zugang zu höherer Bildung chancengerechter zu machen und wie trägst du dazu bei?

Es muss definitiv viel getan werden, denn das Thema ist erfolgskritisch - es wird sich letztlich die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft daran entscheiden, wie wir mit dem Thema Bildung umgehen. Dabei wird es generell um das Thema der Chancengerechtigkeit im ganzen Bildungssystem gehen und auch an der Art und Weise, wie wir Bildung gestalten. Beim Thema Hochschulzugang ist nach wie vor die Frage nach der Finanzierung die wichtigste. Diese müssen wir so regeln, dass diejenigen Schulabgänger, die studieren können und möchten, das auch tun können.

Der Beitrag von meinem Team und mir bei der Deutschen Bildung ist, dass wir mit unserem Studienfonds genau hierfür eine Lösung anbieten: Ergänzend zu Bafög und Stipendien können sich Studierende unterstützen lassen - neben dem Geld, was ihnen fehlt, nutzen sie das Coaching-Programm WissenPlus, das ihnen zusätzlich hilft, erfolgreich durchs Studium und in die Arbeitswelt zu kommen. Die Art und Weise, wie die Rückzahlung geregelt hat, bietet den Studierenden den Schutz vor Überschuldung: Sie zahlen, dann, wenn sie als Nachwuchsakademiker in den Arbeitsmarkt eingestiegen sind, einen Anteil ihres Einkommens an den Studienfonds zurück, also erst dann, wenn sich ihr Studium auch ökonomisch bewährt hat.

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