Conscious Leadership: Warum innere Widersprüche genau richtig sind

von Stefanie Müller

Vielleicht kennst du das auch: Ein Teil von dir will immer fair und diplomatisch sein und darüber identifizierst du dich. Ein anderer Teil will auch mal haltlos urteilen, auf den Tisch hauen und unnachgiebig seinen Standpunkt verteidigen. Sehr gute Nachricht: Das stellt kein Problem dar. Verschiedene innere Anteile und Stimmen haben ihre Daseinsberechtigung, auch wenn sie scheinbar im Widerspruch zueinander stehen. Sich ihrer bewusst zu sein ist eine echte Leader-Kompetenz. Nadjeschda Taranczewski, Expertin für Conscious Leadership und Trainerin im Rahmen unseres Trainingsprogramms WissenPlus, hat uns ein Interview über Bewusstsein und Führung gegeben.

Nadjeschda, du stehst für „Conscious Leadership“ und bietest unseren geförderten Studenten einen Workshop dazu an, was uns sehr freut. Was steckt hinter diesem Schlagwort? 

Angesichts der Herausforderungen, mit denen wir in einer ständig komplexer werdenden Welt konfrontiert sind, bin ich der festen Überzeugung, dass die Welt mehr Conscious Leader, also mehr Führungskräfte braucht, die auf einem höheren Bewusstseinsniveau agieren. Als “Leader” verstehe ich hierbei allerdings nicht nur Führungskräfte - oder zukünftige Führungskräfte - sondern jede Person, die sich der Verantwortung stellt, sich selbst zu Führen. Und “conscious” oder bewusst sind für mich Personen, die lebenslang in die Entwicklung von vier Metakompetenzen investieren:

1. Selbst-Reflexion. Um sinnvoll mit anderen zu reflektieren, muss ich in der Lage sein, mich selbst zu reflektieren.

2. Selbst-Achtung oder Selbst-Empathie. Ich muss Mitgefühl für meine Menschlichkeit, und damit für meine Fehlbarkeit, entwickeln, um Mitgefühl mit anderen und ihrer Menschlichkeit und Fehlbarkeit haben zu können.

3. Eigenverantwortung. Wir müssen Verantwortung übernehmen für unseren Teil an der Welt. Das fängt an in meinen privaten Beziehungen, geht über berufliche Beziehungen, bis hin zu meiner Verantwortung als Weltbürger*in.

Und 4. Dialogfähigkeit. Wir können den kommenden Herausforderungen nur begegnen, indem wir uns auf Dialoge mit anderen einlassen - auch mit solchen Personen, die nicht unser Weltbild teilen. 

Wie reagieren deine Workshop-Teilnehmer auf die Information, dass in jedem von uns verschiedene Anteile und Stimmen am Werk sind, unsere Persönlichkeit also nicht konsistent aus einem Guss gemacht ist? 

Für die meisten Menschen macht das auf Anhieb viel Sinn. Wir alle haben schon Situation erlebt, in denen wir das Gefühl hatten, nicht “wir selbst” zu sein oder Situationen, in denen wir verwirrt sind wegen der unterschiedlichen Wünsche und Impulse, die wir in uns verspüren. Der im Workshop genutzte Voice Dialogue-Ansatz ist hervorragend geeignet, um uns bewusst zu machen, welche Anteile in uns aktiv sind. Er gibt uns außerdem ein konkretes Instrumentarium an die Hand, um besser mit diesen Anteilen umzugehen.

Was sind Beispiele für diese Anteile und wie diese im Konflikt zueinander stehen können?

Wir untersuchen im Workshop Polaritäten - also Anteile, die sich direkt gegenüber liegen. Hierbei können wir z.B. einen Teil entdecken, der sehr getrieben ist und der hohe Ansprüche an unsere Leistung und Produktivität stellt. So hilfreich es für den eigenen Erfolg ist, eine gute Verbindung zu diesem Teil zu haben, so anstrengend kann es sein, wenn dieser unser gesamtes Leben bestimmt. So bietet es sich an, die andere Hälfte der Münze zu entdecken - also den Teil, der eher fürs Sein zuständig ist, der eine gänzlich andere, und meist entspanntere Definition von Erfolg hat und der nichts am Hut hat mit Todo-Listen. Bei anderen Personen findet sich z.B. ein Teil, der immer fair sein möchte, der anderen zugewandt und sehr diplomatisch ist. Hier gilt es dann den Teil bewusst anzuerkennen, der Vorurteile hat, andere bewertet und sich von ihnen abgrenzt. In konkreten Entscheidungssituationen können wir wiederum einen Teil A wahrnehmen, der sich für eine Variante stark macht und einen Teil B, der sich genau für das Gegenteil einsetzt. Beide unzensiert zu hören, kann sehr hilfreich im Entscheidungsprozess sein. 

Was hat die Bewusstmachung dieser inneren Stimmen mit Leadership zu tun?

In der Regel sind wir mit einer der beiden Polaritäten stärker identifiziert als mit der anderen. Bewusst zu sein bedeutet zu aller erst, durch Selbstreflexion beide Polaritäten zu erkennen. In einem zweiten Schritt geht es jetzt darum, die Stärke und Nützlichkeit beider Anteile wertzuschätzen. Keiner unserer inneren Anteile ist in sich gut oder schlecht, jeder Anteil beinhaltet eine helle und eine dunkle Seite der Macht. Zu verstehen, wann eine vermeintlich positive Eigenschaft wie “Akzeptanz” in “Rückratlosigkeit” kippt und wann eine vermeintlich negative Eigenschaft wie “Arroganz” bedeutet, dass man einen klaren eigenen Standpunkt vertritt, ist für viele Menschen erhellend. Der dritte Schritt besteht darin, sich von diesen Anteilen nicht einfach entführen zu lassen und ihnen willenlos das Steuer zu übergeben, sondern zu lernen, sie bewusst zu steuern. Erst dann kann ich sie mit ihren Ressourcen für mich selbst, und andere, sinnvoll nutzen. Für mich ist ein Conscious Leader eine Person, die diese drei Schritte beherrscht und durchläuft - und zwar vor allem auch im Miteinander mit anderen Personen. Denn die Kür liegt darin, die Anteile wahrzunehmen und zu steuern, die in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen in uns aktiviert werden!

Wie können unsere Blog-Leser sich weiter über Conscious Leadership informieren?
Ich habe ein Buch geschrieben “Conscious You: Become The Hero of Your Own Story”, dass viele der Konzepte, die ich in meiner Arbeit mit Klienten einsetze, vorstellt. Die deutsche Version erscheint im Winter. Darüber hinaus empfiehlt sich natürlich die Teilnahme am Workshop Conscious Leadership - denn Selbst-Erfahrung ist alles ;-)

Der Workshop zu Conscious Leadership findet exklusiv für die geförderten Studenten der Deutschen Bildung statt.

Noch nicht von uns gefördert? Wirf einen Blick auf unser offenes Webinar-Programm.

 

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