Das Vorstellungsgespräch meistern

Anleitung zur Top-Bewerbung: Teil lll

von Neomi Klingberg

Juhu, Vorstellungsgespräch! Oh nein, Vorstellungsgespräch… Mit der Freude über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch beim Wunscharbeitgeber kommen meist auch Aufregung und Angst. Wer kennt sie nicht, die Horrorgeschichten über Stressfragen und fiese Personaler, die Bewerber mit Fangfragen auflaufen lassen. Doch diese Ängste sind oft unbegründet.

Denn wenn dich ein Unternehmen zum Gespräch einlädt, hat es Interesse an dir als neuem Mitarbeiter. Vergiss nicht: Auch du möchtest herausfinden, ob die Stelle, der Arbeitgeber, die potentiellen Kollegen und die Atmosphäre deinen Vorstellungen entsprechen. Tritt also ruhig selbstbewusst und interessiert auf, mit einer guten Vorbereitung wirst du das Vorstellungsgespräch meistern. Wie diese  aussieht und was sonst noch zu beachten ist, erfährst du hier.

Vorbereitung
Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Sie verhilft dir zu einem souveränen und selbstbewussten Auftreten, verhindert Pannen und lindert Nervosität.

Organisatorisches
Um unnötigen Stress am Tag des Vorstellungsgesprächs zu vermeiden, solltest du dir im Vorhinein einige organisatorische Gedanken machen, beispielsweise über die Wahl deiner Kleidung. Zieh etwas an, das sowohl zu dir als auch zu dem Unternehmen passt. Je nachdem bei welchem Arbeitgeber oder für welche Stelle du dich bewirbst, kleidest du dich vermutlich unterschiedlich. Wenn du dir unsicher bist, welcher Dresscode in dem Unternehmen herrscht, können die Bilder auf der Webseite Aufschluss geben. Im Zweifel gilt: Lieber overdressed als underdressed.

Eine sorgfältige Planung der Anreise ist ebenfalls zu empfehlen. Plane unbedingt einen Zeitpuffer für Zugverspätungen, Parkplatzsuche u. ä. ein – solltest du zu früh da sein, kannst du ein paar Schritte um den Block gehen oder dich in ein nahe gelegenes Café setzen. Ideal ist es, 5-10 Minuten vor dem Termin im Unternehmen zu erscheinen. Wenn du trotz Zeitpuffer zu spät kommst, solltest du im Unternehmen anrufen und Bescheid geben.

Inhaltliches
Auch die inhaltliche Vorbereitung ist wichtig. Gehe im Vorfeld des Gesprächs nochmals gründlich deine Bewerbungsunterlagen und die Stellenanzeige durch. Informiere dich außerdem nochmal eingehend über deinen potentiellen Arbeitgeber: sieh dir die Webseite gründlich an, schau auf den Social Media Kanälen des Unternehmens vorbei und lies diesbezügliche Meldungen. Auch Informationen über die aktuellen Entwicklungen in der Branche können hilfreich sein.

In der Auseinandersetzung mit deinem möglichen Arbeitgeber solltest du dir auch einige Fragen notieren, die du im Vorstellungsgespräch stellen kannst. Zum einen erweckst du damit einen interessierten und informierten Eindruck, zum anderen hast du so die Möglichkeit, das Unternehmen noch besser kennen zu lernen. Da die Qualität der Fragen eine Menge Rückschlüsse auf den Bewerber zulassen, solltest du keine Fragen stellen, deren Antwort beispielsweise auf der Unternehmensseite zu finden ist. Auch wenn deine einzige Frage die nach dem Gehalt ist, kommt das wahrscheinlich nicht so gut an. Mögliche Fragen wären z. B.: Wie sieht in Ihrem Unternehmen ein typischer Arbeitstag aus? Wie sind die zukünftige Kollegen (Qualifikationsniveau, Alter, …)? Welche Unternehmensgrundsätze gibt es? Wie würden Sie die Arbeit im Team beschreiben? uvm. Wenn du die Fragen bereits im Voraus notiert hast, läufst du keine Gefahr, sie vor lauter Nervosität zu vergessen.

Ein Klassiker im Vorstellungsgespräch ist die Selbstvorstellung – auch diese kannst du bereits vor dem Gespräch vorbereiten und üben. Überlege dir, wie du entlang eines roten Fadens deinen Werdegang darstellen, dabei auf die in der Stellenanzeige geforderten Qualifikationen eingehen und deine Kompetenzen geschickt platzieren kannst. Achte neben einer flüssigen Vortragsweise auch auf eine offene und selbstbewusste Körpersprache. Wenn du unsicher bist, hilft es, die Selbstpräsentation zu Hause vor dem Spiegel oder vor Freunden zu üben. Wenn in der angestrebten Stelle bestimmte Fremdsprachenkenntnisse besonders wichtig sind, übe deine Vorstellung auch in dieser Sprache. So bist du auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Es gibt einige typische Fragen, die von Personalern immer wieder gerne gestellt werden und die du entsprechend vorbereiten kannst. Beliebt sind dabei beispielsweise Fragen zur Studienmotivation, Teamarbeit, Konfliktmanagement, Problemlösungskompetenz und ähnliches. Generell gilt: Höre genau zu und frage bei Unklarheiten nach. Du kannst dir auch einen Moment Bedenkzeit einräumen, bevor du antwortest.

Die typischste aller Fragen im Vorstellungsgespräch ist wohl die nach den Stärken und Schwächen des Bewerbers. Um dir deine eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu machen hilft es, Freunde und Familie nach ihrer Einschätzung zu fragen und sich Situationen zu überlegen, in denen die eigenen Stärken (bzw. Schwächen) zum Vorschein kommen. Bei der Beantwortung der Stärken/Schwächen-Frage ist es wichtig, dass du die Antwort auf die Stelle beziehst. Das gilt vor allem für deine Stärken. Bei der Nennung der Schwächen solltest du tatsächliche Schwächen nennen – allerdings keine, die eine Kernkompetenz der Stelle ausmacht. Wähle stattdessen eine „leichte“ Schwäche, die nicht unmittelbar etwas mit deinem zukünftigen Arbeitsfeld zu tun hat. Im besten Fall merkst du dabei an, dass und wie du an dieser Schwäche arbeitest. Vorsicht: Vermeide die Angabe vermeintlicher „positiven Schwächen“ wie z. B. Perfektionismus – zum einen haben Personaler diese Antworten schon zig Mal gehört, zum anderen sind solche Eigenschaften gerade für deine zukünftigen Kollegen mitunter sehr anstrengend!

Währenddessen
In der Theorie gibt es sechs verschiedene Phasen eines Vorstellungsgesprächs. Diese werden in der Realität nicht in jedem so befolgt, häufig vermischen sie sich oder finden in einer anderen Reihenfolge statt. Dennoch bieten diese Phasen eine gute Möglichkeit, sich vor dem Gespräch eine Vorstellung davon zu machen, wie ein solches ablaufen kann.

Das Warm-Up ist der Small Talk nach der Begrüßung. Du wirst gefragt ob du den Weg gut gefunden hast, ob du etwas trinken möchtest und ähnliches. Hier ist es wichtig, eine gute und lockere Grundstimmung zu schaffen – egal wie anstrengend die Anreise war. Ein kleiner Tipp: Nimm das Getränkeangebot an. Selbst wenn du in dem Moment keinen Durst hast, wirst du froh sein, zwischendurch einen Schluck trinken zu können – und sei es nur, um dir eine kleine Denkpause zu verschaffen.

Zu Beginn des eigentlichen Gesprächs wird der Bewerber meist gebeten, etwas von sich zu erzählen. Jetzt ist Zeit für deine vorbereitete und geübte Selbstvorstellung.

In der Vertiefungsphase kommen unternehmensrelevante und fachliche Fragen auf dich zu. Hier soll abgeglichen werden, wie gut deine fachliche Qualifikation zu den Anforderungen der Stelle passen. Oft wird dabei auch genauer auf Punkte eingegangen, die du im Lebenslauf oder im Anschreiben angeführt hast.

Wenn nicht direkt nach deiner Vorstellung bereits geschehen wird jetzt das Unternehmen vorgestellt, seine Mitarbeiterstruktur und eventuell weitere Informationen zur Stelle gegeben. Mach dir dazu gegebenenfalls Notizen und notiere dir offene Fragen, die du im Anschluss stellen kannst- Mit guten Fragen erweckst du einen interessierten Eindruck.

Im darauf folgenden Gesprächsabschluss wird geklärt, wie das weitere Vorgehen ist und bis wann sich das Unternehmen bei dir meldet. Sollte der Personaler das nicht von sich aus erwähnen, frag nach – so kannst du planen und gegebenenfalls nach Ablauf der Frist nachfragen, ohne unhöflich zu wirken.

Danach
Das Gespräch ist gut gelaufen und du hast die Stelle bekommen? Glückwunsch!
Sollte das Gespräch trotz gründlicher Vorbereitung nicht so gelaufen sein wie du es dir erhofft hast oder du eine Absage vom Unternehmen bekommen hast – ärgere dich nicht allzu sehr. Überlege dir, was im nächsten Gespräch gegebenenfalls besser laufen könnte, was du also daraus lernen kannst. Es kann auch sein, dass es nicht an dir lag, dass du die Stelle nicht bekommen hast, sondern an deinem Gegenüber. Wie dem auch sei – verliere nicht den Mut und bleib offen für Neues, es ergeben sich immer wieder andere Möglichkeiten.

Dont´s
Was bei einem Vorstellungsgespräch tabu ist, erklärt sich eigentlich von selbst – alles, was bei sozialen Interaktionen im öffentlichen Rahmen nicht gut ankommt. Wenn du deinem Gegenüber (und zwar ungeachtet ob am Empfangstresen, im Aufzug oder in der Chefetage) höflich und freundlich entgegen trittst, machst du alles richtig!

Wichtig:
Ja, das Vorstellungsgespräch dient dazu, sich von seiner besten Seite zu präsentieren. Dennoch – oder gerade deswegen – ist es umso wichtiger, authentisch zu bleiben und sich nicht zu verstellen. Vergiss auch nicht: es geht darum, dass beide Seiten einander kennen lernen. Du bist kein Bittsteller – auch das Unternehmen hat ein Interesse daran, dich als neuen Mitarbeiter zu gewinnen.

WissenPlus
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