Digitalisierung: Welche Kompetenzen Nachwuchsakademiker wirklich brauchen

von Anja Hofmann, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Deutschen Bildung

Um Digitalisierung zu meistern, müssen Menschen Tablets bedienen und Algorithmen schreiben können. Es wäre aber falsch, Menschen nur mit technologischen Fähigkeiten auf einen Umbruch vorzubereiten, der alle Ebenen des gesellschaftlichen Lebens betrifft. Welche Kompetenzen brauchen Nachwuchsakademiker in einer digitaler werdenden Welt?

Der Begriff Digitalisierung begegnet uns derzeit geradezu hyperinflationär. Auch an Nachwuchsakademikern gehen die mal optimistischen, mal düsteren Zukunftsprognosen einer zunehmend digitalisierten Welt kaum vorbei. Die meisten sehen die Entwicklungen gelassen, wie auch unser aktuelles CampusBarometer zeigen konnte. Andere sind verunsichert.

Fest steht: Die Arbeitswelt, aber auch das Leben werden sich durch zunehmende Digitalisierung verändern. Massiv, rasant, und vor allem auf allen Ebenen. Vieles wird durch digitale Entwicklungen wie künstlicher Intelligenz erleichtert, was ganze Berufsbilder auf den Kopf stellen wird. Klar ist auch, dass technologische Skills in allen Fachrichtungen und beruflichen Branchen an Bedeutung gewinnen werden. Viel wichtiger aber ist aus meiner Sicht die Frage, welche Persönlichkeitseigenschaften und Schlüsselkompetenzen die Basis dafür sind, um Digitalisierung gestalten zu können, statt ihr hilflos ausgesetzt zu sein.

Wichtiger als technologische Skills ist Bildung im ganz klassischen Sinne

Algorithmen zu schreiben oder mit 8 Jahren schon ein Tablet zu bedienen gehört dazu nicht zwangsläufig. Viel zu oft wird die Debatte um benötigte Kompetenzen zu einseitig auf die Technologien begrenzt, dabei haben gerade die Digital Natives wenig Probleme damit, sich die rein technologischen Fähigkeiten zumindest als Anwender schnell anzueignen.

Die zentralen Kompetenzen sind solche, die schon seit Jahrhunderten im eigentlichen Sinne mit „Bildung“ gemeint sind. Neben einer breiten Allgemeinbildung und spezialisierten Fachkenntnissen ist damit die Entwicklung zum ganzen Menschen gemeint, also die Ausbildung einer kritischen, selbstreflektierten Persönlichkeit, die mit den Besonderheiten ihrer Zeit umzugehen weiß, die in der Lage ist, Risiken rechtzeitig zu erkennen und zu beeinflussen. Der Umgang mit digitalen Entwicklungen ist eine solche Besonderheit unserer Zeit. Das Phänomen großer Umbrüche ist hingegen nichts Neues.

Was junge Menschen, aber auch bereits Berufstätige brauchen, sind vor allem diese Eigenschaften:

1. Offenheit für Neues: Neugier bereichert Beruf und Lebensqualität

Was Kinder noch selbstverständlich in sich tragen, geht in den Mühlen des Bildungssystems nur allzu häufig unter: Neugier und Freude am Lernen, fragen und hinterfragen. Keiner wird in Zukunft mehr mit einem bestimmten Set an Wissen jahrzehntelang in relativ starren Jobs arbeiten. Wir müssen lebenslang lernen und wendig bleiben. Die beste Voraussetzung dafür ist, Neugier und Wissbegierde zu erhalten oder neu zu kultivieren, wenn sie in der Komfortzone vermeintlich sicherer Jobs schon etwas gelitten hat. Das ist nicht immer bequem, doch die Offenheit für Neues ist nicht nur im Arbeitsleben essenziell, sondern gibt glücklicherweise auch dem Leben oft mehr Qualität.

2. Resilienz: Lernen, mit Krisen und Veränderungen positiv umzugehen

Eng damit verknüpft ist Resilienz, also eine innere Widerstandskraft. Neues bedeutet Veränderung, und Veränderung bedeutet immer eine Form von Stress. Wie Menschen diesen Stress bewerten und mit ihm umgehen, wird von zentraler Bedeutung dafür sein, wie auch die Umbrüche im Rahmen der Digitalisierung gemeistert werden. Resilienz ist leider ungleich verteilt und hängt maßgeblich auch von frühkindlichen Erfahrungen ab. Dort bei Kindern stärker anzusetzen ist eine gesellschaftliche Aufgabe, aber auch wer schon studiert oder schon im Berufsleben steht kann Methoden erlernen, um die persönliche Resilienz zu stärken. Für unsere geförderten Studenten tun wir das zum Beispiel im Rahmen unseres Trainingsprogramms WissenPlus.

3. Analytische Fähigkeiten: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

Wir leben in einer Welt voller Daten, die zunehmend einfacher und automatisierter erhoben und analysiert werden können. Diesen Daten müssen allerdings die richtigen Fragen gestellt werden. Der alte Spruch „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ ist aktueller denn je. Wir brauchen ein Verständnis dafür, wie Daten erhoben, genutzt und interpretiert werden.

4. Medienkompetenz: Kommunikatoren und Kanäle einschätzen können

Eng damit verknüpft ist die Medienkompetenz. Aus einer beschränkten Anzahl von Medien, deren Seriosität einigermaßen einzuschätzen war, ist eine unglaubliche Vielfalt von Kommunikatoren und Kanälen geworden. Welche Infos werden uns in den sozialen Medien warum ausgespielt? Wie funktionieren die dahinterstehenden Algorithmen? Wieso ist Wikipedia zwar praktisch, aber keine Quelle für die Bachelor-Arbeit? Wir kommen heute wesentlich leichter und schneller an jedwede Information, aber gerade die nachrückende Generation muss massiv darin geschult werden, die Herkunft und Seriosität dieser Informationen auch einordnen zu können.

5. Werte: Fortschritt niemals ohne Wertekompass vorantreiben

Digitalisierung mit Angst zu begegnen und damit auch vielversprechende, nützliche Entwicklungen auszubremsen, ist sicher nicht der richtige Weg. Umgekehrt heißt das aber nicht, dass man digitale Neuerungen einfach hinnehmen muss, um bloß nicht als rückständig zu gelten. Um aber beurteilen und mitgestalten zu können, was Digitalisierung und künstliche Intelligenz alles leisten kann, aber auch, was sie vielleicht nicht können muss oder auch nicht können darf, braucht die jetzige und zukünftige Generation vor allem einen Wertekompass. Auch das ist eine Herausforderung, die Fortschritt schon immer mit sich brachte. Weil der digitale Wandel aber besonders schnell und unübersichtlich geschieht, müssen wir mit den dazugehörigen ethischen Fragen umso mehr Schritt halten.

Und wie bilden junge Menschen diese Eigenschaften aus?

Schulzeit, Ausbildung und Studium sollten Lebensabschnitte sein, in denen Bildung auch in diesem umfassenden Sinne vermittelt wird. In der Realität kommt die Entwicklung dieser wesentlichen Persönlichkeitseigenschaften jedoch oft zu kurz, was aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen auch zu belegen scheinen. Nachwuchsakademiker sind daher dringend gefragt, über den Tellerrand ihres jeweiligen Fachs zu schauen, die Chance eines Studiums zu erkennen und dabei über den Hörsaal ihres Fachbereichs hinauszudenken. Ein Studium ist mehr als das Sammeln von ECTS-Punkten und die Jagd nach Handouts.

Aber wie geht das? Über Ausflüge in andere Themen und Disziplinen, über Praxiserfahrungen und über vielfältiges Engagement und Auslandsaufenthalte. Der Persönlichkeitsentwicklung dient aber auch der Kontakt mit inspirierenden Menschen, der Austausch mit anderen und Trainings zur persönlichen Entwicklung. All das vereinen wir bei unserem Studienfonds im Trainingsprogramm WissenPlus, das zusammen mit einer Finanzierung des Studiums auch die persönliche Weiterentwicklung der Studentinnen und Studenten fördert.

 

Über den Studienfonds der Deutschen Bildung: Mit dem Studienfonds der Deutschen Bildung werden Nachwuchsakademiker für eine erfolgreiche Zukunft finanziert, gecoacht und vernetzt. Den Mix aus flexibler Finanzierung und persönlicher Förderung bezahlen die Absolventen anteilig von ihrem späteren Einkommen. Am Studienfonds beteiligen sich Anleger, die sinnvoll in Bildung investieren möchten. 

Jetzt bewerben!

Flexible Studienfinanzierung für alle Abschlüsse, auch im Ausland

  • Plus Trainingsprogramm für dein volles Potenzial
  • Unverbindlich und ohne Fristen
  • Schnelle Entscheidung

Zur Online-Bewerbung