Durch Corona zurück zu den Eltern

Wenn das alte Zuhause eine neue Bedeutung bekommt

von Lea Schäfer

Dass man mit Mitte 20 noch mal über mehrere Woche oder Monate zu den Eltern zieht, das wäre für die meisten unvorstellbar. Doch besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen, die dazu führen können, dass das Kinderzimmer wieder attraktiv wird. Eine Trennung, ein ausfallendes Auslandssemester, Krankheit oder einfach der Wunsch, während der strengen Kontaktsperren ein bisschen vertraute Heimat und mehr Platz zu haben: Vier Student/innen und vier ganz unterschiedliche Beweggründe, warum Corona sie dazu gebracht hat, wieder zu den Eltern zu ziehen. Spoiler: es lief harmonischer als erwartet! 

 


Anna I 26 Jahre I Master Medienwissenschaft I Bonn

Warum bist du während der Coronakrise wieder zu deinen Eltern gezogen?
Das hatte zwei Gründe. Als kurz nach Karneval Corona „losging“ habe ich mir eine Bronchitis/leichte Lungenentzündung eingefangen, die echt hartnäckig war und trotz Antibiotika sehr lange andauerte. Ich war zu der Zeit in Bonn in meiner Wohnung und zeitgleich wurde die Nachrichtenlage um Corona immer ernster. Irgendwann fand ich die Perspektive noch Einkäufe und so zu erledigen, obwohl ich mich krank fühlte dann nicht mehr so toll. Also habe ich meine Eltern gefragt, ob ich zu ihnen kommen kann um in „freiwillige Isolation“ zu gehen. Zeitgleich war an dem Punkt aber auch noch nicht klar, wie und ob ein „Lockdown“ kommen würde. Die Vorstellung auf unbestimmte Zeit alleine in meinem Zimmer zu sein, hat also sicherlich auch zu meiner Entscheidung beigetragen. 

Wie fühlt es sich an, wieder zu Hause zu wohnen? 
Viele meiner Freund/innen fragen mich genau das und ich antworte dann meistens mit „überraschend gut“. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern, das hilft sicher dabei. Trotzdem ist es aber natürlich erst einmal was anderes, wenn man plötzlich wieder unter einem Dach wohnt. Das führt nicht selten zu „Flashbacks“, wenn alles plötzlich so wirkt als wäre man wieder kurz vorm Abi. Grundsätzlich fühle ich mich hier einfach „zu Hause“, was in Zeiten der Krise sehr wertvoll ist. Wenn ich mir vorstelle während der ganzen Zeit alleine in Bonn zu sein, gefällt mir meine jetzige Situation deutlich besser. Und der Garten hilft natürlich auch. 

Welche Konflikte kommen dabei auf?
Ich gehe einfach mal davon aus, dass es zwischen Kindern und ihren Eltern immer wiederkehrende Konflikte gibt, die sowieso auftauchen. Dabei ist es dann egal, ob gerade Coronakrise ist oder nicht, da geht es dann eher um Charaktereigenschaften oder generelle Ansichten. Das gibt es bei uns natürlich auch, aber bislang blieb der ganz große Streit aus. Toi, toi, toi.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir nicht 24/7 aufeinander hocken (müssen). Meine Eltern sind beide berufstätig und ich mache Sachen für die Uni, da sehen wir uns dann manchmal auch nur zu den Mahlzeiten. 

Planst du jetzt länger wieder bei deinen Eltern zu wohnen?
Ich habe noch keinen genauen Tag festgelegt, wann ich wieder nach Bonn gehe. Das hängt auch stark davon ab, wie sich die Corona-Situation weiter entwickelt und was die Politik entscheidet. Ein Ende der Krise kann ich insofern nicht abwarten, weil ich es insgesamt, gesellschaftlich und privat, als große Erleichterung betrachten würde. Meine Wohnsituation ist dabei aber nicht die Hauptsache.

Welchen Einfluss hat die Krise auf deine Studien-und Lebensplanung?
Ich bin in der privilegierten Situation, dass ich trotz aller Änderungen und Einschränkungen persönlich einigermaßen weitermachen kann. Für die Uni muss ich vor allem Hausarbeiten und meine Masterarbeit schreiben und belege außer einem Kolloquium kein Seminar mehr. Das sollte also auch trotz Corona gut zu bewerkstelligen sein. Wie es dann allerdings nach dem Studium weitergeht kann ich jetzt noch nicht absehen. Da macht man sich schon Gedanken, wie sich die Coronakrise auf den Arbeitsmarkt auswirkt.

Hast du Tipps für andere Studis, die jetzt auch wieder bei den Eltern wohnen? 
Generell sollte man sich immer den Humor bewahren und über Marotten auch mal hinwegsehen – das machen meine Eltern bei mir schließlich auch. Lasst euch gegenseitig Freiräume. Diskutiert über die wichtigen Dinge und nicht über Kleinigkeiten. Und wenn gar nichts mehr geht…guckt „Die Sendung mit der Maus“ zusammen: Käpt’n Blaubär, die Maus und der Elefant regeln das dann schon. 
 

Konstantin I 23 Jahre I Bachelor Bauingenieurwesen I Frankfurt am Main 

Warum bist du während der Coronakrise wieder zu deinen Eltern gezogen? 
Die Vorteile der Stadt, Freunde, Restaurants und andere Unterhaltung, waren während den strengen Auflagen nicht mehr gegeben. In einer solchen Situation schätzt man die Eigenschaft von ländlichen Regionen, wo auch meine Eltern leben. Großer Garten, weniger Menschen, viel Natur. In einer solchen Umgebung lässt sich eine Kontaktsperre besser aushalten als auf 30 qm im 6. Stock. 

Wie fühlt es sich an, wieder zu Hause zu wohnen? 
Zuerst dachte ich Dinge wie: Hoffentlich nerven mich meine Eltern nicht; Mal schauen ob ich es länger als 7 Tage aushalte. Es hat sich jedoch schnell gezeigt, dass ich sehr gut mit meinen Eltern auskomme und alle, also auch meine Eltern, haben sich wieder schnell an diese Situation gewöhnt. Letztlich war ich 5 Wochen dort und es war angenehm. Einen solange Kontakt mit einen Eltern hatte ich das letzte Mal bevor ich zum Studium ausgezogen bin. Es war schön die Bindung zu seinen Eltern wieder zu verstärken und zu pflegen.

Welche Konflikte kommen dabei auf? 
Ich wurde schnell als kleines Helferlein für alles angesehen.

Planst du jetzt länger wieder bei deinen Eltern zu wohnen? 
Nein das plane ich nicht. Letztlich ist man froh auf eigenen Beinen zustehen und sein eigenes unabhängiges Leben zuführen. Ich glaube das würden meine Eltern auch nicht willkommen heißen. 

Welchen Einfluss hat die Krise auf deine Studien-und Lebensplanung? 
Ich bin in einer komfortablen Lage, in der mich die Krise wenig persönlich getroffen hat. Mein Studium geht wie geplant weiter, wenn auch nur Online. Auswirkungen auf meine Lebensplanung hatte es  bisher keine.

Hast du Tipps für andere Studis, die jetzt auch wieder bei den Eltern wohnen?
Verständnis für die andere Seite zeigen, sowohl die Eltern für ihre Kinder als auch die Kinder für ihre Eltern. 
 

Maike I 25 Jahre I Master Medienwissenschaft I Bonn

Warum bist du während der Corona-Zeit wieder zu deinen Eltern gezogen? 
Als Corona Mitte März Europa und auch Deutschland erreichte, und die ersten Ausgangssperren in Kraft traten, war ich gerade in Barcelona. Hier sollte ich von Februar bis Juni mein Erasmus-Semester verbringen. Mein Traum von Monaten im Ausland, geprägt von Sonne, neuen Begegnungen, Spaß und Leichtigkeit, war dann aber erst einmal vorbei. Mein 25. Geburtstag war der erste Tag des Lockdowns in Barcelona. Alle Menschen durften ihre Häuser nicht mehr verlassen und nur noch zum Einkaufen rausgehen. Ich verbrachte noch zwei Wochen in meiner spanischen WG bis ich mich entschied zurück nach Deutschland zu kommen. Die Aussichtslosigkeit auf Besserung und das Gefesseltsein an die eigene Wohnung machten mir klar, dass meine Wunschvorstellung von Barcelona so schnell nicht mehr zurückkommen wird. 

Normalerweise lebe und studiere ich in Bonn und wohne dort in einer 5er-WG. Mein Zimmer hatte ich allerdings bis Ende Juni untervermietet, weil ich den letzten Monat in Spanien noch zum Reisen nutzen wollte. Nun stand ich also vor der Frage - wohin mit mir und meinem Koffer? Die einzige Antwort: Erstmal zu Mama. Ich war in diesem Moment - und bin es immer noch - unglaublich dankbar, dass ich innerhalb weniger Tage einfach zu ihr ziehen konnte und mich auf unbestimmte Zeit erstmal einnisten. Niemandem sonst, außer meiner Familie, würde ich das sonst zumuten. 

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Wie fühlt es sich an, wieder zu Hause zu wohnen? 
In den ersten Tagen hat es sich tatsächlich ein bisschen komisch angefühlt wieder zu Hause zu wohnen. Eine Mischung aus totaler Vertrautheit und doch irgendwie Fremde. Wer hätte gedacht, dass ich mit Mitte 20 noch einmal in meinem alten Kinderzimmer wohnen werde? Und obwohl ich mich innerlich zuerst ein wenig gewehrt habe, merkte ich schnell wie gut es in diesem Moment tut, mit Menschen zu sein, die ich am besten kenne und die auch mich kennen. Ich muss mich nicht erklären und uns trennen auch keine sprachlichen Hürden. 

Welche Konflikte kommen dabei auf?
Um ehrlich zu sein, verlief die Zeit mit meiner Mama relativ konfliktfrei. Was allerdings nicht bedeutet, dass es kein Konfliktpotenzial gab. Entweder haben wir darüber geredet oder ich habe versucht die Situation einfach zu akzeptieren. Auch in dem Wissen, dass diese Situation nicht dauerhaft bleiben wird. Ich würde sagen, dass es wirklich sehr interessant ist, nach ein paar Jahren WG-Leben, mal wieder längere Zeit bei den Eltern zu wohnen. Zum einen hat es uns näher zusammengebracht, weil wir in den letzten Jahren nie so viel Zeit am Stück zusammen waren. Zum anderen sind aber manche Verhaltensmuster, die mich früher schon auf die Palme gebracht haben, noch deutlicher geworden. Mir ist jedenfalls aufgefallen, wie sehr ich mich doch an mein eigenes Leben und meine Unabhängigkeit gewöhnt habe. 

Planst du jetzt länger bei deinen Eltern zu wohnen? 
Ich habe insgesamt fünf Wochen bei meiner Mama gewohnt. Danach bin ich für die weiteren zwei Monate (bis Ende Juni) zum Übergang zu einer Studienfreundin in ihre WG nach Köln gezogen. Ich habe mich bewusst für diesen Schritt entschieden und hatte Glück, dass es so kurzfristig geklappt hat - weil ich wieder näher bei meinen Freund/innen sein wollte und ein Stück mehr Unabhängigkeit haben.

Welchen Einfluss hat die Krise auf deine Studien-und Lebensplanung?
Die Krise hat erstmal keinen weiteren Einfluss auf meine Studien-/Lebensplanung. Da die Uni in Barcelona den Unterricht zum Glück sehr schnell auf Online umgestellt hat und ich auch weiterhin die Erasmus-Förderung bekommen habe, kann ich das Semester komplett beenden und mir im Anschluss die ECTS-Punkte für den Master in Bonn anrechnen lassen. Mir fehlt jetzt nur noch die Masterarbeit, mit der ich dann im Herbst anfangen werde. Die schreibt sich zum Glück unabhängig von Orten und Seminaren. 

Hast du Tipps für andere Studis, die jetzt auch wieder bei ihren Eltern wohnen? 
Ich würde zwei Dinge raten: Wenn es möglich ist, nehmt euch Zeit für gemeinsame Unternehmungen oder Dinge mit euren Eltern. Nutzt die Gelegenheit, um vielleicht nochmal andere Seiten aneinander kennenzulernen - jetzt mit ein bisschen mehr Abstand, kann das auch spannend sein. Was aber auch wichtig ist: Sich Raum nehmen und Raum geben. Zieht euch zurück, wenn ihr Zeit für euch braucht. Macht klar, wann es zu viel wird.
 

Sina* I 25 I Master Medienwissenschaft I Hamburg 

Warum bist du während der Corona-Zeit wieder zu deinen Eltern gezogen? 
Zu meinen Eltern gezogen bin ich nur zufällig während der Coronakrise. Gerade während die strengen Regelungen beschlossen wurden, habe ich eine Trennung durchgemacht und bin dann aus der gemeinsamen Wohnung zu meinen Eltern gefahren. 

Wie fühlt es sich an, wieder zu Hause zu wohnen? 
Einerseits ist es schön während der Kontaktbeschränkungen mit meinen Eltern zusammenzuwohnen, um bei der Kontaktsperre nicht alleine zu sein. Andererseits kann es auch sehr anstrengend sein, besonders weil meine Eltern in einer Wohnung mit relativ wenig Rückzugsraum leben. Am Anfang war mein Vater noch im Homeoffice, seit er wieder ins Büro fährt, habe ich etwas mehr Freiraum. Gerade aber wenn es um Freizeitgestaltung geht, ist es schön von ihnen zu einem Spaziergang o.ä. motiviert zu werden und sich außerdem Haushalt bzw. das Kochen zu teilen und gemeinsam zu essen. 

Welche Konflikte kommen dabei auf?
Konkrete Konflikte kommen eigentlich bei uns nicht auf. Es ist manchmal einfach anstrengend keinen richtigen Rückzugsort zu haben und zu wissen, dass Du ihn deinen Eltern auch nur bedingt geben kannst. Außerdem finde ich es nach einer Zeit anstrengend an einem Ort zu leben, den ich nicht mitgestalten kann. 

Planst du jetzt länger bei deinen Eltern zu wohnen? 
Für mich ist es noch nicht klar, wie lange ich bei meinen Eltern wohnen werde. Ich sehne mich auch schon nach meinen eigenen Sachen und es ist für mich klar, dass ich wieder ausziehen werde. Trotzdem finde ich es schade, dass ich danach wahrscheinlich wieder mehrere Stunden von ihnen entfernt wohnen werde und sie nicht mehr so einfach treffen kann.

Welchen Einfluss hat die Krise auf deine Studien-und Lebensplanung?
Ich habe das Glück, meinen Job in der Krise nicht verloren zu haben und ihn von Zuhause aus erledigen zu können, weshalb ich weniger als viele andere von der aktuellen Situation betroffen bin. Einerseits erleichtert mir die Krise meine Situation sogar, da ich nicht mehr an meinen Studien- und Arbeitsort gebunden bin. Trotzdem freue ich mich richtig darauf, mein Studium zu beenden, was durch die aktuelle Krise auch etwas verzögert wird. 

Hast du Tipps für andere Studis, die jetzt auch wieder bei ihren Eltern wohnen? 
Wenn ihr auch gerade bei euren Eltern wohnt und ihr euch vielleicht eingeengt fühlt, kann ich es empfehlen, sie auf einen gemeinsamen Spaziergang zu schicken und währenddessen für euch alle zu kochen. So entlastet ihr eure Eltern in ihrem Alltag und habt gleichzeitig ein wenig Zeit für euch alleine. Vielleicht könnt ihr auch noch gemeinsame Aktivitäten entdecken, bei uns war es das Frisbeespielen. 

Vielen Dank Anna, Konstantin, Maike und Sina für diese persönlichen Einblicke und viel Erfolg im Sommersemester 2020! 


(*Name von der Redaktion geändert.)  

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