„Finde das, was dir wirklich Spaß macht – auch über Umwege“.

von Isabelle Mittermeier

Christine Langner studierte erst Jura bevor sie ihren Traumjob als Nachrichten- und Sportmoderatorin fand. Im Interview erzählt sie, warum die #ChanceStudium so wertvoll ist und wie sie sich als Frau im Sport behauptet.

Was und wo hast du studiert?

Ich wollte eigentlich unbedingt Anwältin werden. Deshalb habe ich Jura in Köln studiert. Es hat mir schon viel Spaß gemacht, mir war aber der Aufbau des Studiums viel zu theoretisch. Ich habe dann doch recht schnell gemerkt, dass es nichts für mich ist, habe aber das 1. Staatsexamen noch gemacht und mich dann umorientiert.

Wie ging es dann weiter für dich?

Auf der Suche nach etwas Neuem bin ich im Internet auf einen Aufruf vom Fernsehsender NBC Giga gestoßen, dass sie Moderatoren für eine Politik-Sendung suchen. „Perfekt“ dachte ich, hab mich beworben und wurde genommen. Nur, dass am Ende für die Sendung, die aus Berlin kommen sollte, leider doch kein Geld da war. Stattdessen haben wir eine Sendung aus Hannover aufgezogen „GIGA Heartbeat“ – und ich war für den Bereich Singles verkuppeln zuständig, on air. Für meine Eltern, die mich gerne als Anwältin gesehen hätten, der absolute Albtraum.

Wie konntest du als Moderatorin Fuß fassen?

Zwei Jahre bin ich bei GIGA geblieben, habe auch eine lokale Sendung aus Hamburg moderiert und dann zum Radio gewechselt.  Angefangen habe ich bei Hit Radio Antenne in Niedersachsen in der Landespolitik. Dort wurde mir nach einem Praktikum recht schnell die Möglichkeit gegeben, in den Nachrichten zu arbeiten – auch in der Präsentation. Ich fand es unglaublich spannend, nochmal ganz anders als Fernsehen. Und wer beim Radio ist, will natürlich Champions League spielen und das war für mich 1live. Das war mein Sender, den ich immer gehört habe. Dass ich dort genommen wurde, damit ging ein Traum in Erfüllung. Das ist jetzt schon 15 Jahre her, dem WDR bin ich treu geblieben. Drei Jahre bin ich außerdem gependelt mit Frankfurt - für die Nachrichten bei hr-info.

Vom Radio und den Nachrichten bist du dann aber wieder zurück zum Fernsehen und zu einem ganz speziellen Thema gekommen?

Ja, seit etwa vier Jahren bin ich zusätzlich Sportmoderatorin bei n-tv. Das war eine tolle Chance für mich, auch mal über den Politikbereich hinaus zu gucken. Über die Jahre hat sich in der Sportberichterstattung schon einiges geändert. Ich würde gefühlt sagen, dass eigentlich alle Sender den Frauenanteil aufgestockt haben.  

Gibt es deiner Meinung nach trotzdem noch viel zu tun, damit Sportmoderatorinnen genauso ernst genommen werden, wie ihre männlichen Kollegen?

Ich glaube nicht, dass sie grundsätzlich weniger ernst genommen werden. Aber Sport, vor allem Fußball, ist ja doch eine Männerdomäne in der man sich bei vielen die Akzeptanz erst erarbeiten muss. Die Entwicklung ist sicher noch nicht abgeschlossen. Männer sind gerade im Job oft einfach selbstbewusster. Aber n-tv zum Beispiel hat ja überwiegend ein Männerpublikum – von daher sind Frauen vor der Kamera gerne gesehen.

Hast du Tipps für Frauen, die sich in ihrem Bereich gegen Männer durchsetzen müssen?

Am besten man überzeugt durch Leistung und bietet damit keine Angriffsfläche. Man sollte sich nicht von dem Misstrauen  - egal von wem es kommt- beeinflussen lassen und selbstbewusst auftreten. Es ist wichtig, sein Ding zu machen, immer bereit zu sein, an sich zu arbeiten und sich nicht so sehr davon beeindrucken zu lassen, wie andere einen sehen. Das gilt auch für andere Bereiche im Leben, nicht  nur den Job, das sage ich auch schon meiner Tochter – sozusagen eine Lebensweisheit.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, um Journalist oder Journalistin zu werden?

Ein Studienabschluss ist eine gute Eintrittskarte in den Journalismus. Es ist auch oft Voraussetzung, um später ein Volontariat zu bekommen. Man sollte mit Sprache gut umgehen können und in der Lage sein, Sachverhalte anschaulich und präzise darzustellen, so runter zu brechen, dass sie verständlich und interessant sind. Immer im Hinterkopf mit der Frage: „Für wen sende oder schreibe ich?“ Wer vor die Kamera will oder als Reporter Interviews machen möchte, sollte natürlich aufgeschlossen und selbstbewusst sein.

Was ist dein Rat an junge Menschen, die noch vor der Berufswahl stehen?

Es ist ganz wichtig etwas zu finden, was einem wirklich Spaß macht. Ich persönlich liebe meinen Beruf und gehe da wirklich immer gerne hin. Finde das, was zu dir passt, auch über Umwege. Direkt nach der Schule hat man noch gar keine Ahnung. Lass dir Zeit! Ich finde außerdem die Studienzeit an sich ganz wichtig, weil man dabei ganz andere Denkweisen entwickelt. Ich habe es nie bereut, den Umweg über das Jurastudium gegangen zu sein, weil mir das Wissen von damals auch heute noch zum Beispiel in den Nachrichten hilft.

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