Networking: „Es ist toll, wenn du dich dabei blöd fühlst.“

Oft liegt es am falschen Mindset für diese eigentlich schöne Sache.

von Stefanie Müller

Während die einen begnadete Netzwerker sind, andere mutig anquatschen und die schnelle Selbstpräsentation perfektioniert haben, bereitet anderen das Thema ein mulmiges Gefühl. Bin ich überhaupt wichtig genug, um dem Tischnachbarn womöglich wertvolle Zeit zu stehlen? Sind meine Fragen zu blöd oder meine Themen zu langweilig? All das kann hemmend wirken auf eine Sache, die eigentlich ein schöner Selbstzweck sein kann, ohne dass man sich verbiegen oder stur nach Anleitung vorgehen muss. Lies unseren Impuls zum Thema Networking.

Deine Hand klammert sich um ein Glas Weißweinschorle. Eben hast du dir noch ein hübsches Häppchen vom fliegenden Buffet geschnappt. Der Duft des kleinen Blumengestecks, das den Stehtisch ziert, steigt dir in die Nase…

Was nach Schlaraffenland klingt, ist in Wahrheit dein persönlicher Albtraum, denn du wurdest von deinem Arbeitgeber auf eine Networking-Veranstaltung geschickt. Während du verstohlen auf das Namensschild deiner Stehtisch-Nachbarin schielst (Mist, ihr Batch hat sich verdreht!) und dir einen hölzernen Opener aus der Small-Talk-Fibel zurechtlegst, wünschst du dir nur noch eins: Es möge sich ein Loch auftun, indem du grußlos auf der Stelle verschwinden kannst.

Neue Gedanken zu einem alten Business-Thema

So fühlt sich Networking für dich an? Sei dir zunächst einmal sicher: So fühlt es sich für viele an – und das ist wahnsinnig schade. Das findet auch Caroline Krohn, die sich als Beraterin in der Wirtschaft und Geschäftsführerin der „Wirtschaftsdiplomaten“ mit Netzwerken auskennt und selbst in gutem Kontakt zu sehr vielen Menschen steht. Für das Trainingsprogramm WissenPlus der Deutschen Bildung hat sie deshalb ein Webinar zum Networking gehalten und die Teilnehmer mit Gedanken begeistert, die so unverbraucht wie unerwartet daherkamen.

Ihre These: Netzwerken wird häufig falsch verstanden. „Es ist toll, wenn du dich dabei blöd fühlst“.
What?? Ja, denn wenn du mit falschen Vorstellungen über Networking in den Kampf um Visitenkarten ziehst und dabei ins Gehege mit deiner Authentizität kommst, dann ist das blöde Gefühl ein hilfreicher Hinweis, dass du deine Grundhaltung zum Networking neu justieren solltest.

„Authentisch sein ist ein Zweck an sich“

Caroline Krohn stört sich schon am Begriff des Networkings. Wo es einfach nur darum geht, „gut in Kontakt zu Menschen zu stehen“, suggeriert das viel gebrauchte Wort einen strategischen Zweck, eine Wissenschaft für sich. Allein der Gedanke, dass man hier etwas beherrschen und können muss, macht die Sache zu einem Krampf, der sich vom eigentlichen Selbstzweck des Networkings entfernt. „Bitte, bitte erhaltet eure Persönlichkeit“, ist Caroline Krohns eindringlicher Tipp an die Webinar-Teilnehmer. Von Streamlining hält sie gar nichts, auch wenn sich deshalb niemand exzentrischer geben muss, als er oder sie wirklich ist. Wichtig ist, sich selbst zu kennen. Wer bist du? Was sind deine Interessen, deine Ziele? Was ist deine Position zu bestimmten Themen? Oder was musst du noch herausfinden, um diese Position entwickeln zu können? Mit einem Bewusstsein dafür fällt es leichter, eine gemeinsame Ebene mit anderen Menschen zu finden, wofür es dann keine Rezepte mehr braucht. „Authentisch sein ist ein Zweck an sich“, sagt Caroline Kroh, und das macht das Networking im Idealfall zum Selbstläufer, bei dem man sich nicht verleugnen muss und auch gar nicht soll.

Menschen von Funktionen entkoppeln

Vergiss dabei die Wichtigkeit oder Position einer Person, die du irgendwo triffst. Vor einem Event die Teilnehmerliste durchzugehen, um sich dann mit einem vorbereiteten Elevator-Pitch (eine 90 Sekunden lange super-pointierte Selbstpräsentation) an vermeintlich besonders lukrative Kontakte heranzupirschen, ist nicht sehr erfolgsversprechend. Hast du eine solch begehrte Person dann trotzdem vor dir, versuche den Menschen von der Funktion zu entkoppeln. Auch der Vorstandsvorsitzende eines Großkonzerns ist nur ein Mensch, der sich vielleicht freut, wenn du ihm auf dieser Ebene begegnest. Anders herum können scheinbar „unwichtige“ Personen ganz wunderbare und hilfreiche Wegbegleiter in deinem Berufsleben werden.

Sympathie first

Du merkst schon, wie unschön sich die Unterscheidung nach „wichtig“ oder „unwichtig“ liest. Kein Wunder, dass dir das nicht behagt, wenn du das Herz am rechten Fleck hast. Und willst du umgekehrt von anderen auf diese Art und Weise gescannt werden? Begegne anderen deshalb mit dem offenen Interesse und dem Respekt, den du dir auch selbst wünschen würdest. Wer dir das nicht entgegenbringt, ist kein potenzieller Kontakt. Neben dem klaren Gefühl für die eigene Person - also für deine Interessen, deine Persönlichkeit, deine Ziele, deine offenen Fragen - ist beim Kontakteknüpfen deshalb schlichtweg die Sympathie entscheidend. Zu jemandem, den du absolut nicht magst, wirst du auch keine hilfreiche Verbindung aufbauen können – weder für dich selbst noch für deinen Arbeitgeber.  

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