Sei stark, sei gefällig, beeil dich

Wie innere Antreiber bei der Arbeit in Stress ausarten können

von Stefanie Müller

Die lieben Eltern! Sie meinen es gut mit uns und wollen, dass wir im Leben vorankommen. Dafür geben sie uns nach bestem Wissen und Gewissen Glaubenssätze mit auf den Weg, die wir ihnen als Kind unreflektiert glauben - und manchmal nie wieder in Frage stellen. Die so genannten „inneren Antreiber“ sind sinnvoll und nützlich. Sie lassen uns das Leben meistern. Mit ihrer Hilfe gehen wir unseren Aufgaben nach und zeigen uns gegenüber unseren Mitmenschen in einem bestimmten Licht. Doch manche dieser inneren Antreiber beherrschen unsere Seele so stark, dass sie uns bremsen und sogar Stress erzeugen können.

Die inneren Antreiber

Ein Indianer kennt keinen Schmerz! Kennst du dieses Sprichwort? Vielleicht hast du es oft von deinem Vater gehört und als eines deiner Lebensmottos übernommen. Da steckt viel Gutes darin, denn Wehleidigkeit kann unsere Mitmenschen nerven und uns in Zeiten, in denen Durchhaltevermögen gefragt ist, bremsen. So weit so gut. Der Indianer, der keinen Schmerz kennt, schleppt sich womöglich aber mit einer Grippe ins Büro, steckt Kollegen an und fällt schließlich wegen einer Lungenentzündung aus. Der Schuss ging nach hinten los. Und vielleicht fragt sich der Indianer nun, ob „sei stark“ – das ist einer der fünf inneren Antreiber aus der Transaktionsanalyse – wirklich der Weisheit letzter Schluss war. Manchmal gibt es solche Aha-Effekte, die unsere Antreiber ins Bewusstsein holen. Meistens bestimmen sie aber unbewusst unser Denken, Handeln und Fühlen, das immer wieder nach ähnlichen Mustern verläuft.  

Zum Problem für unser Zeit- und Stressmanagement werden die inneren Antreiber dann, wenn sie zu stark oder zu schwach ausgeprägt sind. Das kann man mit Tests schnell feststellen. Aber stopp: Wir stellen dir die fünf Kandidaten vor und vielleicht erkennst du dich schnell in einem wieder. Gleichzeitig verraten wir dir die jeweilige „Erlaubnis“ dazu, die helfen kann, den inneren Antreiber auf ein gesundes Maß zu bringen. Gerade auch in der Team-Arbeit oder in deiner (zukünftigen) Rolle als Führungskraft können die Antreiber auch für andere sehr sichtbar zum Vorschein kommen.

Sei stark!

Wer von dieser Haltung bestimmt ist, glaubt, die Zähne immer zusammenbeißen zu müssen. Gefühle zeigen ist uncool. Mit Fieber ins Büro, das geht schon. Hauptsache, besser sein als andere. Schwäche? Wird mir grundsätzlich als Fehler ausgelegt. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Denke nicht schlimm. Haltung bewahren kann uns in vielen Situationen Vorteile verschaffen und uns stolz machen. Es ist ein kraftvoller Antreiber und das ist gut. Aber: Er kann uns auch viel Kraft kosten. Die eigene Verletzlichkeit permanent zu verleugnen oder sich entgegen aller Körpersignale zu überfordern, kann auf Dauer krank machen. Für das Zeit- und Selbstmanagement kann es außerdem bedeuten, dass Du die wirklich wichtigen Dinge vernachlässigst. Nämlich alles, was Dich nährt und Dir gut tut.
Erlaubnis: Sei offen und drücke Deine Gefühle aus.

Sei perfekt!

Wer perfekt sein will, prüft jedes Detail, hat Angst vor Fehlern, die an der Selbstachtung nagen. Bevor etwas abgeliefert wird, sind mehrfache Kontrollen nötig. Wer perfekt sein will, gibt Aufgaben nicht gerne ab. Oft steckt dahinter dem Glaubenssatz: „Nur wenn ich es mache, wird es gut und richtig“. Das macht für Führungskräfte besonders das Delegieren schwer. Auch denken Perfektionisten oft, dass es grundsätzlich noch eine bessere Lösung gibt, nach der dann fieberhaft gefahndet wird. Im Selbstmanagement und in der Zusammenarbeit im Team droht hier Verzettelungs-Gefahr. Wer alles perfekt machen will, hat Schwierigkeiten, alles Wichtige geregelt zu bekommen. Besonders bremsend wird Perfektionismus dann, wenn auch unwichtige Dinge astrein erledigt werden müssen. Erfolgreicher sind diejenigen, die sich den zentralen Aufgaben mit gesunden Ansprüchen an das Ergebnis widmen. 80% sind oft mehr als genug.
Erlaubnis: Du bist gut genug, so wie Du bist.

Streng dich an!

Wer mit diesem Antreiber stark verstrickt ist, will es auf dem Weg zum Ziel besonders schwer haben. Denn was einfach von der Hand geht, zählt irgendwie nicht. Um sich an einem Ergebnis richtig erfreuen zu können, muss man sich ordentlich geplagt haben. Statt gemütlich um den Berg herum zu spazieren, kämpfen sich diese Menschen schwitzend und ächzend über den Gipfel. Und packen aus diesem Grund die Dinge manchmal gar nicht erst an. So führt der Antreiber „Streng dich an!“ oft zu Aufschieberitis und im Arbeitsleben zu Blockaden bei der Umsetzung von Projekten. Es ist paradox, dass gerade die scheinbar faulen Aufschieber oft höchste Ansprüche an sich selbst haben.
Erlaubnis: Just do it! Und mach es Dir dabei ruhig etwas einfacher.

Beeil Dich!

Solche Menschen kennt jeder. Sie schlurfen nicht gemütlich durch die Gegend, sondern eilen mit großen Schritten, als würden sie gleich einen Zug verpassen. Das Gemüse für die Suppe wird schneller geschnippelt als vom Chefkoch im 5-Sterne-Restaurant. Und auch andere Menschen oder die eigenen Mitarbeiter werden – zack zack zack – zur Eile angetrieben. Bloß: Warum? Wie bei vielen stark ausgeprägten Antreibern gibt es darauf keine plausible Antwort. Pausen werden als Zeitverlust gesehen, Zeit für Entspannung darf es nicht geben, alles unterliegt dem Gebot der Effizienz. Auch das ist nicht immer verkehrt und oft braucht es solche Menschen auch in Teams.

Aber: Wer ständig rennt, kommt früher oder später ins Stolpern. Gehe langsam, wenn Du es eilig hast – dieser bekannte Zeitmanagement-Buchtitel könnte zum Motto für die ewigen Hektiker werden. Und siehe da: Die Dinge gelingen trotzdem, die Welt geht nicht unter.
Erlaubnis: Nimm dir Zeit.

Sei gefällig!

Sehr weit verbreitet: Zu denken, Anerkennung gibt es nur dann, wenn man es ständig allen recht macht, immer freundlich und harmoniebedürftig agiert. Besonders Führungskräfte können hier in Konflikten kommen: Sie müssen die Ziele des Unternehmens stringent verfolgen, wollen gleichzeitig aber gemocht werden. Harmoniebedürftige geben häufig nach, sagen zu oft Ja und werden als „Everybodys Darling“ zum willkommenen Spielball für andere. Oft bekommt man Anerkennung aber gerade dann, wenn man Rückrat beweist, sich seiner Meinung und Bedürfnisse bewusst ist und all das integer vertritt. Das heißt nicht, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen. Hilfreich ist zu lernen, angemessen Nein zu sagen. Denn für das Zeit- und Selbstmanagement bedeutet der Antreiber „Sei gefällig“ sehr häufig, zu Lasten der eigenen wichtigen Themen zu viele Aufgaben zu übernehmen.
Erlaubnis: Dir selbst zu gefallen.

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