Studienkredit „Soll ich einen Studienkredit nehmen, oder lass ich’s lieber sein?“

Wenn es nach dem CHE-Studienkredittest geht, der im Juli 2021 wieder erschienen ist, haben Studienkredite während der Coronakrise einen echten Boom erlebt. Es haben so viele Student/innen einen Studienkredit beantragt wie seit dem Jahr 2015 nicht mehr. Wen wundert’s: Während der Pandemie sind gerade studententypische Nebenjobs stark weg gebrochen. Kneipen, Restaurants, Kinos oder Messen: Zu oder abgesagt, womit viele Student/innen mit ihren Nebenjobs sofort in der Luft hingen.

Schleppend kam die Überbrückungshilfe

Schleppend kam die staatliche Überbrückungshilfe in Gang, die bürokratisch von Monat zu Monat beantragt werden konnte. Voraussetzung: Ein Nachweis darüber, dass der Kontostand pandemiebedingt unter 500 Euro gerutscht ist. Nicht alle haben davon profitiert, ausgerechnet auch diejenigen nicht, die auch vor der Pandemie schon in finanzieller Not waren. Strukturelle Probleme in der Studienfinanzierung waren plötzlich ein Riesenthema.

KfW Studienkredit am häufigsten vergeben

Unterdessen bot die KfW-Bank ihren Studienkredit vermeintlich zinslos an. Die zeitlich beschränkte Zinslosigkeit wurde vielfach als Mogelpackung kritisiert. Jedoch: Die Botschaft kam zunächst gut an. 40.000 Studienkredite hat die KfW-Bank 2020 vergeben und damit drei Viertel der insgesamt 53.000 Neuverträge, die zwischen Student/innen und Banken sowie Bildungsfonds geschlossen wurden. Insgesamt 3 Prozent der Student/innen sind Kunde eines Studienkredit oder Bildungsfonds.

Ausländische Student/innen haben viele Studienkredite aufgenommen, Zurückhaltung bei deutschen Student/innen

Eine Besonderheit konnte das Centrum für Hochschulentwicklung dabei aufdecken. Viele der Neuverträge wurden von ausländischen Student/innen abgeschlossen, die erstmals für den Studienkredit der KfW in Frage kamen und dieses Angebot gut angenommen haben. Bei deutschen Student/innen herrschte mehr Zurückhaltung, trotz massivem Stress im Studium, Demonstrationen und Studienabbruchs-Gedanken.

Zuflucht bei den Eltern, mehr Angst vor Verschuldung?

Einheimische Student/innen werden es zum einen leichter gehabt haben, phasenweise wieder im Elternhaus Zuflucht zu finden und damit Miete und andere Lebenshaltungskosten zu drücken. Auch in der Freizeit gab es wenig Gelegenheiten zum Geld ausgeben. Ein anderer Grund könnte im Risiko-Empfinden liegen. Sich für Bildung zu verschulden scheint vielen jungen Menschen in Deutschland ein fremder Gedanke zu sein, auch wenn längst klar ist, dass das so genannte Lebenseinkommen bei Akademiker-Jobs auch die Schulden aus einem Studienkredit wieder neutralisiert.

Bildungsfonds und Studienfonds als Alternative?

Ein interessantes Konzept bieten so genannte Bildungsfonds oder Studienfonds, wie auch der Studienfonds der Deutschen Bildung, bei dem es Geld für das Studium gibt. Die Verschuldungsangst wird dadurch relativiert, dass spätere Absolvent/innen anteilig von ihrem Einkommen zurückzahlen. Bei der Deutschen Bildung greifen großzügige Zeitpuffer, wenn das Einkommen unter eine Mindestgrenze fällt. Zusätzliche Zahlungsaufschübe gibt es auch für weiterführende Studiengänge, sodass zum Beispiel eine Bachelor-Studentin noch sorgenfrei einen Master machen kann, ohne sich schon um die Rückzahlung der Studienfinanzierung Gedanken machen zu müssen. Auch für Elternzeiten gibt es zusätzliche Zeitpuffer. Bei dauerhafter Arbeitslosigkeit oder vollständiger Erwerbsminderung entfällt die Rückzahlung sogar ganz. Neben diesen Sicherheiten punktet der Studienfonds der Deutschen Bildung mit einer begleitenden Academy, die Student/innen im zielgerichteten Studium und beim Berufseinstieg unterstützt sowie erste Kontakte zu Arbeitgebern herstellt. Nach dem Prinzip eines umgekehrten Generationsvertrags fließen die Rückzahlungen wieder in den Studienfonds – und damit wieder in die Studienfinanzierung neuer Student/innen.

Rücksicht auf das Einkommen statt fixer Schuldenlast wie bei einem Studienkredit

Bildungsfonds und Studienfonds hebeln damit die übliche Kritik an Studienkrediten aus. Statt einer fixen Schuldenlast steht eine Rückzahlung an, die sich an der tatsächlichen Lebenssituation orientiert. Die Gesamtsumme kann dabei ähnlich hoch, im Einzelfall auch deutlich höher als bei einem klassischen Studienkredit ausfallen – aber eben nur dann, wenn das Einkommen dies auch möglich macht.

Deutsche Bildung im CHE-Studienkredittest

Der Studienfonds der Deutschen Bildung hat im CHE-Studienkredittest wieder eine Spitzenbewertung erhalten. Überzeugt hat das Angebot in 4 von 5 Kategorien, nämlich Risikobegrenzung, Kapazität, Zugang und Flexibilität. Da die Kosten aufgrund der einkommensabhängigen Rückzahlung bei jedem Kunden, jeder Kundin unterschiedlich ausfallen, wurde diese Kategorie nicht bewertet.

Student/innen können sich für die Studienfinanzierung der Deutschen Bildung ganzjährig und zu jedem Zeitpunkt des Studiums bewerben. Auszahlungsbeträge können für einmalige Sonderausgaben oder auch laufende Studien- und Lebenshaltungskosten genutzt werden, auch in Kombination. Zur Registrierung.

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