Auslandsstudium „Überzeugt, dass wir vieles voneinander lernen können“

Die Deutsche Bildung hat Viviane Brockel dabei unterstützt, ihren Traum vom Masterstudium in Südkorea zu verwirklichen. Was sie dabei erlebt hat und welchen Herausforderungen sie begegnet ist, hat sie uns im Interview verraten. Die 27-jährige Absolventin des Studiengangs “International Development and Cooperation” ist mittlerweile wieder zurück in Deutschland und auf Jobsuche.

Liebe Viviane, dich hat es zum Studium nach Südkorea verschlagen. Wie kam es zur Entscheidung, das Studium im Ausland zu absolvieren? Und warum fiel die Wahl auf Korea?

In meinem Bachelor habe ich Korea-Studien studiert, aber wie viele meiner damaligen Mitstudent:innen wusste ich im Anschluss nicht recht, wo ich mit diesem Abschluss Arbeit finden kann. Auch meine Koreanisch-Sprachkenntnisse waren gerade mal mittelmäßig. Nach einigen Überlegungen entschied ich mich deshalb für ein Master-Studium in einem anderen Bereich, doch weil in Deutschland die meisten Master-Studiengänge auf dem Bachelor-Studiengang aufbauen, war es naheliegend, stattdessen ins Ausland zu gehen. Durch mein Bachelor-Studium hatte ich bereits erste Erfahrungen mit Korea gesammelt und gleichzeitig hielt ich es für eine Chance, um meine Koreanisch-Sprachfähigkeiten weiter auszubauen. Trotz einiger Semester im Online-Studium bereue ich die Entscheidung keineswegs. Ich habe vieles gelernt, mein Koreanisch ist nun recht fortgeschritten und ich finde mich mittlerweile sehr gut in dem Land zurecht.

Wie kann man sich den typischen Studi-Alltag an einer koreanischen Hochschule vorstellen?

Die größte Überraschung war, dass die Unterrichtsstunden so lange gedauert haben! In deutschen Hochschulen liegt die Norm meistens bei 90 Minuten pro Unterrichtseinheit, doch für Master-Student:innen in Korea ist jede Unterrichtsstunde circa 3 Stunden lang. Als ich mich dazu in einem Professoren-Studierenden-Get-Together geäußert hatte, identifizierte mich der einzig deutsche Professor der Fakultät anhand dessen als ebenfalls Deutsch. Zum Glück gibt es jedoch Pausen.

Für viele Student:innen in Korea gehört auch das gemeinsame Trinken am Ende eines Tages dazu. Aus diesem Grund gibt es um die meisten Universitäten herum unzählige Restaurants und Bars, in denen man günstig einkehren kann. Insbesondere am Anfang eines Semesters organisieren die Student:innen innerhalb der Fakultät häufig Treffen, bei denen sich die Leute untereinander kennenlernen können. Durch Corona hat diese Tradition jedoch stark gelitten und ähnlich wie in Deutschland fühlten sich viele der neuen Student:innen sehr allein.

Was sind deiner Meinung oder Erfahrung nach die größten Unterschiede zum deutschen System?

Die koreanische Gesellschaft wurde stark von der konfuzianistischen Ideologie beeinflusst, was ebenfalls ein ausgeprägtes Patriarchat miteinschließt. Deshalb gibt es nicht nur in der Arbeitswelt und Familie, sondern auch in Schulen und Universitäten oftmals noch vehement ausgeprägte Hierarchien, denen man sich bewusst sein sollte. Zudem verlieren Koreaner nicht gerne ihr Gesicht, weshalb sich insbesondere im englisch-sprachigen Unterricht viele nicht trauten Fragen zu stellen oder auf andere zu zugehen.

Beim Stichwort Korea denken viele automatisch an “Kulturschock”? Wie war das am Anfang für dich – hast du dich schnell eingelebt? Womit hattest du am meisten zu kämpfen?

Zum ersten Mal war ich in Südkorea während meines Bachelor-Studiums. Meine Ankunft verlief, wie vieles in meinem Leben, recht chaotisch, weil meine Geld-Karte nicht funktionieren wollte und sich mein Handy nicht mit dem öffentlichen W-Lan am Flughafen verbunden hat. Zum Glück retteten mich ein paar Freunde aus meiner Notsituation und begleiteten mich zu meiner Unterkunft – einer WG, in der Leute aus Korea und Menschen aus Ländern von überall auf der Welt gemeinsam lebten.

Ich denke es war insbesondere diese internationale Erfahrung, die mich über die Jahre hinweg in meiner Entwicklung am meisten geprägt hat. Die Leute sind angekommen und wieder gegangen und mit vielen bin ich auch heute noch in stetigem Kontakt. Sie machten mir bewusst, wie privilegiert ich bin, wie schwer es manche Menschen haben, und dass es nicht immer einfache Lösungen für Probleme gibt. Das Zusammenleben konnte schwierig sein – insbesondere, wenn es darum ging Ordnung zu halten – aber ich würde dennoch bei jeder Gelegenheit zurückkehren.

Ich denke nicht, dass ich per se einen „Schock“ erlitten habe, aber es gab definitiv viele Dinge, die ich gelernt habe und die mir entweder positiver oder negativer in Erinnerung geblieben sind. Definitiv positiv in Erinnerung geblieben sind die koreanische Küche und das öffentliche Verkehrssystem, das in Südkorea sehr verlässlich ist. Ich habe mich auch sehr sicher gefühlt, was zum einen mit meiner persönlichen Erfahrung zusammenhängt, dass die Koreaner:innen direkte Konflikte lieber vermeiden und zum anderen mit den Überwachungskameras auf den Straßen – ein zweischneidiges Schwert in Bezug auf Personensicherheit und Privatsphäre. Eher negativ fand ich hingegen die gelegentliche Übervorsichtigkeit der Koreaner:innen. Die Schwimmwesten-Pflicht in einigen großen Spaßbädern, die strikte Kontrolle, dass man beim Skifahren nicht abseits der Piste fahren darf, oder auch die Bojen im Meer, die den Bereich zum Schwimmen so sehr eingrenzen, dass man fast noch auf dem Boden stehen kann, stehen in einem starken Kontrast zu den oft halsbrecherischen, aber wunderschönen Wanderrouten in den zahlreichen Bergen im Land. Natürlich gibt es Gründe für einige dieser Regellungen, aber dennoch haben sie einem manchmal ein wenig den Spaß verdorben.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Könntest du dir vorstellen, auch einen Teil deines Arbeitslebens in Korea zu verbringen?

Auf jeden Fall! Wenn ich in Südkorea war, habe ich Deutschland vermisst und wenn ich in Deutschland war, vermisste ich oft Südkorea. Ich hoffe deshalb, dass ich in meinem zukünftigen Beruf eine Möglichkeit finden werde, beide Länder miteinander zu verbinden. Ich bin davon überzeugt, dass wir vieles voneinander lernen können.

Wie hat die Studienfinanzierung der Deutschen Bildung dich dabei unterstützt, deinen Traum vom Auslandsstudium zu verwirklichen?

Die Studiengebühren in Südkorea sind sehr hoch. Insbesondere die sogenannten drei „SKY“ Universitäten, die überall als sehr renommiert gelten, verlangen hohe Beiträge von den Studierenden. Meine Universität kostete mich ungefähr 4.800 Euro pro Semester. Zwar hatte ich bereits vor meinem Studium einige Ersparnisse, doch ich wusste, dass es nicht genügen würde, um all die Kosten zu bewältigen. Die Deutsche Bildung und ergänzende Stipendien halfen mir dabei, die Gebühren zu zahlen und mich erfolgreich durch mein Studium zu bringen.

Die Kurse und Workshops, die ich im Rahmen der Academy besucht habe, waren allesamt sehr lehrreich und haben mir dabei geholfen, darüber ins Klare zu kommen, in welche Richtung ich mich einmal entwickeln möchte. Viele der Angebote hatte ich mir bereits als Inhalte im Studium gewünscht, aber die Universitäten gehen oft davon aus, dass man sich solches Wissen irgendwie selbst aneignet. Deshalb waren die Angebote der Academy eine sehr gute Ergänzung, von der ich überzeugt bin, dass sie mir später in meinem Berufsleben noch zugutekommen werden.

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