Studienfinanzierung Armut unter Studierenden: Das sind die Ursachen

Deutschland ist ein reiches Land – seine Student:innen sind es nicht. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Paritätischen Forschungsstelle hervor. Laut sozioökonomischem Panel und den Studierendenwerken sind demnach rund 30 Prozent aller Studierenden in Deutschland von Armut betroffen. 

Inflation verschärft Problematik 

Neu ist die Meldung nicht – Student:innen und wenig Geld gehören irgendwie zusammen. Allerdings hat die Situation an Dramatik gewonnen: Steigende Mieten und Inflation tragen dazu bei, dass sich viele junge Menschen ein Studium schlicht nicht mehr leisten können. Oder so viel arbeiten müssen, dass kaum noch Zeit fürs Lernen bleibt.  

Was heißt “arm”? 

Ganz grundsätzlich definiert die OECD absolute Armut als die Unfähigkeit, seine menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Dazu zählen unter anderem der Konsum und die Sicherheit von Nahrung sowie die Gesundheitsversorgung und das Recht auf Bildung. Relative Armut muss hingegen immer im gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden – jede:r nimmt Armut und Reichtum individuell wahr. Die europäische Definition von Einkommensschichten zieht die Grenze beim Durchschnittseinkommen. Dieses liegt in Deutschland bei 1.301 Euro für eine Einzelperson. Jede Person, die 60 Prozent oder weniger als das Durchschnittseinkommen zur Verfügung hat, befindet sich unterhalb der Armutsgrenze. Das bedeutet: Mit einem Nettoeinkommen von 781 Euro oder weniger gilt eine alleinstehende Person als arm. 

Finale Lösung: Studienabbruch? 

Die Folgen studentischer Armut: Die psychologischen Beratungsstellen der Hochschulen verzeichnen ein Rekordhoch an Student:innen, die wegen Burn-Out, Stresssymptomen und psychischer Belastung Hilfe suchen. Doch was rät man jemandem mit finanziellen Schwierigkeiten? Einfach mehr arbeiten? Das Studium abbrechen? Unter die Brücke ziehen? Angesichts der steigenden Preise hat nun sogar die erste Studienberatung an der TU Berlin vor einer steigenden Zahl an Studienabbrecher:innen gewarnt: 

„Teilweise haben wir Studierende in der Beratung, die akut darüber nachdenken, ihr Studium abzubrechen oder schon dabei sind, es abzubrechen, weil das Geld trotz Bafög-Satz nicht ausreicht und die Eltern nicht unterstützen können“

(Quelle: businessinsinder.de, 17. Juni 2022)

Entlastungen kommen nicht an 

Die Entlastungen der Bundesregierung wie das 9-Euro-Ticket oder der Heizkostenzuschuss sind ein Tropfen auf dem heißen Stein. Entweder kommen sie bei den Student:innen gar nicht erst an, oder sie werden von den steigenden Mietpreisen und Nebenkostenerhöhungen direkt wieder aufgefressen. Ähnlich sieht es mit der Bafög-Erhöhung aus – lediglich 22 Euro mehr haben Empfänger:innen nach Anpassung der Beiträge ab dem Wintersemester auf dem Konto. Als völlig unzureichend und realitätsfern wird dies von Studienberater:innen kritisiert, zumal viele Student:innen ja gar nicht erst Bafög erhalten, da sie durch das Raster fallen. Andere haben ein eventuell vorhandenes Polster spätestens in der Pandemie aufgebraucht. 

Anja Hofmann

Anja Hofmann

Mitglied des Vorstands der Deutschen Bildung AG

“Dass sich junge Menschen ihr Wunschstudium nicht mehr, oder nur unter Einschränkungen, leisten können, wird immer mehr zur traurigen Realität. Wir beobachten das schon länger mit Sorge, die gegenwärtigen Krisen haben die sozialen Ungerechtigkeiten aber noch einmal deutlich verschärft. Auch wenn die Bafög-Erhöhung sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung ist – echte Bildungschancengerechtigkeit sieht anders aus. Hier muss die Gesellschaft umdenken!”

Zukunft? Unklar!

Was also tun? Für die nächsten Jahre hat die Ampel-Koalition einiges vor. Neben der bereits laufenden Bafög-Erhöhung soll es auch höhere Freibeträge sowie einen Nothilfe-Mechanismus für Krisen-Situationen geben. Im Gespräch ist außerdem eine Studienstarthilfe, also eine Einmalzahlung, mit der bedürftige Student:innen sich das nötige Material (etwa einen PC) für ihre Ausbildung beschaffen können. Ob das reicht? Unwahrscheinlich – ein Ende der Inflation und hohen Wohnungskosten ist nicht in Sicht. Ebenso unklar ist, wie sich der Krieg in der Ukraine, die Corona Pandemie und die Energiekrise entwickeln. 

Aufgeben? Keine Option! 

Die gute Nachricht: Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch. Du träumst von einem bestimmten Studiengang und willst dir diesen Wunsch unbedingt erfüllen? Dann heißt es: Selbst aktiv werden – und auch Finanzierungsmöglichkeiten ins Auge fassen, über die du vorher noch gar nicht so wirklich nachgedacht hast. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Stipendium? Die Hürden sind gar nicht so hoch, wie du meinst. Deutschlandweit gibt es mehr als 2.500 verschiedene Stipendiengeber:innen, die nach über 40 Vergabekriterien filtern – etwa Beruf, Geburtsort, Eltern oder Studienfach. Eine entsprechende Suchmaschine findest du auf mystipendium.de. 

Nachhaltige Studienfinanzierung mit der Deutschen Bildung 

Faktencheck: Umgekehrter Generationenvertrag

Unsere Studienfinanzierung funktioniert nach dem Prinzip des umgekehrten Generationenvertrags. Du kannst dir unter dem Begriff nicht wirklich etwas vorstellen? Hier erfährst du, was dahinter steckt. 

Auch privatwirtschaftliche Anbieter von Studienfinanzierungen können eine Chance sein. Die Studienfinanzierung der Deutschen Bildung etwa funktioniert nach dem Prinzip des umgekehrten Generationenvertrags. Social Impact Investor:innen geben Geld in den Kreislauf des Deutsche Bildung Studienfonds. Dieser Studienfonds ermöglicht es Nachwuchs-Akademiker:innen wie dir, das Studium zu finanzieren. Mit deiner Rückzahlung unterstützt du die nächste Generation Studierende und gibst ihnen die gleiche Chance Studium, die auch du bekommen hast. Damit du noch erfolgreicher durchstartest, wirst du in der Deutsche Bildung Academy trainiert, gecoacht und mit der Community vernetzt.  

Was du dafür machen musst? Dich unkompliziert und ohne Fristen online bewerben: www.deutsche-bildung.de/bewerbung 

 

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